Messungen und Modelle deuten darauf hin, dass Abwärme von KI‑Rechenzentren lokale Temperaturen spürbar erhöht.
In Kürze
- Feldmessungen bei Phoenix: +0,7–0,9 °C nahe Anlagen
- Modelle: 50–100 MW‑Zentren können 2,5–5 °C in ~150 m verursachen
- Betreiber testen Kühl-, Dach‑ und Abwärmenutzungs‑Lösungen; Regeln variieren
Heißer als gedacht: Wie KI‑Rechenzentren lokale Temperaturen anheben können
KI‑Rechenzentren produzieren enorm viel Abwärme — und erste Messungen sowie Modelle deuten darauf hin, dass diese Wärme die Lufttemperatur in der Umgebung messbar erhöht. Besonders in ohnehin schon warmen Regionen kann das lokale Hitzeprobleme verstärken.
Wie die Messungen liefen
Ein Team um den Geografen David Sailor von der Arizona State University setzte Autosensoren ein, um die Lufttemperatur rund um vier Rechenzentren bei Phoenix zu messen (eins davon gehört zu CyrusOne). Im Windschatten der Anlagen lagen die gemessenen Temperaturen im Mittel etwa 0,7–0,9 °C über denen der Umgebung. Der Effekt war noch in Entfernungen von rund 90 Metern bis 0,5 Kilometern nachweisbar. Wichtig zu betonen: Die Studie umfasst nur vier Standorte und drei Messtage – Verallgemeinerungen sind deshalb mit Vorsicht zu behandeln.
Was Simulationen sagen
Die Beratungsfirma EOLIOS modellierte Szenarien für größere Anlagen. Ihren Berechnungen zufolge könnten Rechenzentren mit 50–100 Megawatt Leistung unter bestimmten Windbedingungen in rund 150 Metern Entfernung Temperaturanstiege von etwa 2,5–5 °C verursachen. Simulationen und Feldmessungen sind nicht direkt vergleichbar, liefern aber ergänzende Hinweise. Für Rechenzentren im Gigawatt‑Bereich wären die Effekte voraussichtlich noch ausgeprägter.
Warum die Wärme so stark ins Gewicht fällt
- Fast die gesamte elektrische Energie, die ein Rechenzentrum verbraucht, endet als Abwärme.
- Nach Berechnungen entspricht die abgegebene Wärme eines einzelnen Zentrums mit mehr als 50 MW in etwa dem Heizbedarf von rund 54.000 Haushalten.
- In den USA stehen viele Rechenzentren dicht beieinander: 41 % liegen in Clustern (mindestens drei Anlagen innerhalb eines Kilometers).
- Aktuell existieren 88 solcher Cluster, bis 2040 könnten 23 weitere hinzukommen.
- Geplante Kapazitäten in den USA könnten auf über 290 GW steigen — etwa das Vierfache des heutigen Bestands.
- Auch in Deutschland nimmt der Bau von Rechenzentren zu; das Bündnis „Heiße Luft“ hat Standorte und überforderte Gemeinden kartiert.
Was Betreiber bereits tun
- Betreiber testen verschiedene technische und organisatorische Maßnahmen:
- CyrusOne nutzt helle Dächer, um weniger Sonnenenergie zu absorbieren.
- Amazon leitet Abwärme eher nach oben statt bodennah ab und setzt an besonders heißen Tagen vermehrt auf Verdunstungskühlung.
- Zur Nutzung der Abwärme gibt es praktische Beispiele:
- In Seattle heizt Abwärme eines Rechenzentrums bereits ein Amazon-Gebäude mit.
- Ein Microsoft-Rechenzentrum in Finnland könnte nach Ausbaumaßnahmen rechnerisch rund 40 % des Wärmebedarfs von 250.000 Haushalten und Betrieben decken.
Regeln und Vorgaben
Die Regularien variieren stark: Deutschland und Frankreich verlangen bereits, dass Betreiber Abwärme an öffentliche oder private Abnehmer weitergeben. Die EU schreibt ab einer Leistung von 1 MW vor, zu prüfen, ob eine Abwärmenutzung möglich ist. In den USA fehlen vergleichbare flächendeckende Vorgaben bislang weitgehend.
Offene Fragen
Die aktuellen Studien und Modelle liefern erste Hinweise auf lokale Erwärmungseffekte durch KI‑Rechenzentren, schlagen aber keine abschließenden Beweise vor — Datengrundlage und räumliche Abdeckung bleiben begrenzt. Welche Maßnahmen sich unter welchen Bedingungen am besten eignen, wie sich Cluster‑Effekte vor Ort auswirken und wie Regulierungen den Ausbau und die Nutzung von Abwärme beeinflussen, sind weiter offene Fragen.
Quellen
- Quelle: KI-Rechenzentren
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




