Händler fordern Ausnahmen für KI-Werbefotos im EU-AI-Act

21.06.2026 | Allgemein, KI

Eurocommerce bittet die EU um Ausnahmen für KI-erstellte Produktbilder in der Kennzeichnungspflicht.

In Kürze

  • Eurocommerce verlangt, Werbefotos von AI-Act-Transparenzpflichten auszunehmen.
  • Der AI-Act sieht Labels für „vollständig“ und „teilweise“ KI-Inhalte vor.
  • Große Händler nutzen KI massiv; Kritiker bemängeln den Begriff „Deepfake“.

Eurocommerce fordert Ausnahmen für KI-erstellte Werbebilder vom EU-AI-Act

Wenn du in letzter Zeit online Möbel oder Kleidung angesehen hast, sind dir wahrscheinlich KI-generierte Produktbilder aufgefallen. Genau darum geht es jetzt auf EU-Ebene: Der europäische Handelsverband Eurocommerce — zu seinen Mitgliedern zählen Amazon, H&M, Inditex und Ikea — fordert in einem Brief an EU-Technikkommissarin Henna Virkkunen, dass KI-erstellte Werbebilder von den Transparenzpflichten des EU-AI-Acts ausgenommen werden. Reuters hat den Brief eingesehen.

Das neue EU-Gesetz, das am 2. August in Kraft tritt, verlangt allgemein, dass KI-generierte oder durch KI veränderte Inhalte, die als „Deepfake“ gelten, klar gekennzeichnet werden. Im Regelwerk wird „Deepfake“ als Sammelbegriff für Bild-, Audio- oder Videoinhalte verwendet, die von KI erzeugt oder manipuliert wurden und Menschen täuschen können.

Die Verordnung sieht mehrere Kennzeichnungen vor:

  • ein Basis-Symbol
  • besondere Labels wie „vollständig KI-generiert“ für Inhalte, die komplett ohne menschliche kreative Steuerung entstanden sind
  • „teilweise KI-verändert“, wenn echte Inhalte per KI verändert wurden

Als Beispiele gelten komplette KI-Videos mit Politikern als „vollständig“, während das per KI ausgetauschte Gesicht in einem Foto als „teilweise“ eingestuft würde.

Eurocommerce-Chefin Christel Delberghe argumentiert, dass typische Werbebilder, etwa ein KI-generiertes Wohnzimmer zur Präsentation eines Sofas, nicht unter diese Regeln fallen sollten. Ihrer Ansicht nach würde eine allgemeine Kennzeichnungspflicht große Teile der Werbung betreffen und damit den praktischen Nutzen der Transparenzregeln für Verbraucher verwässern.

Große Händler nutzen KI bereits umfangreich: Zalando teilte mit, 90 Prozent der Marketing-Inhalte auf der Plattform seien inzwischen KI-erstellt. H&M und Zara arbeiten unter anderem mit KI-generierten Model-Klonen. Solche Praxen stehen im Zentrum der Debatte darüber, wie breit die Kennzeichnungspflichten ausfallen müssen.

Kritiker wenden ein, dass der Begriff „Deepfake“ historisch aus nicht einvernehmlicher Pornografie stammt und stark mit Betrug und Kriminalität assoziiert ist. Die Verwendung dieses Begriffs für harmlose Produktbilder sei problematisch und zeige eine Unschärfe in den aktuellen Regeln.

Die EU-Kommission hat sich bislang nicht öffentlich zu der Forderung von Eurocommerce geäußert.

Quellen

  • Quelle: Eurocommerce
  • Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
  • Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.

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