Googles AI Overviews und AI Mode liefern Antworten statt Klicks – viele Nachrichtenportale verlieren Besucher.
In Kürze
- KI-Antworten reduzieren Seitenaufrufe großer Verlage
- Daten zeigen deutliche Rückgänge beim Suchtraffic
- Verlage setzen auf Abos, Social Media und juristische Schritte
Googles neue KI-Suche verändert das Web — und viele Nachrichtenportale verlieren Besucher. Seit 2024/2025 liefern KI-generierte Antworten oft genug das, was Nutzer suchen, sodass sie seltener auf die Originalartikel klicken.
Wie es begann
Lange war die Beziehung zwischen Google und Nachrichtenseiten ziemlich symbiotisch: Verlage optimierten Texte für die Suche, Google brachte die Leserschaft. Dann kamen die KI-Funktionen: 2024 die sogenannten AI Overviews — automatische Zusammenfassungen, die ganz oben in den Suchergebnissen auftauchen und Links zu den Quellen darunter zeigen. Im Mai 2025 setzte Google mit dem sogenannten AI Mode noch einen drauf: eine Chatbot-ähnliche Oberfläche, die längere, zusammenfassende Antworten anstelle der klassischen Trefferliste bietet.
Das Problem ist simpel: Nutzer sehen oft die KI-Antwort und klicken weniger auf die verlinkten Originalartikel. Für viele Publisher bedeutet das deutlich weniger Traffic.
Wie es läuft
Zahlreiche Daten und Berichte bestätigen Einbußen bei Suchzugriffen:
- Das Wall Street Journal berichtete im Juni 2025 von Traffic-Rückgängen seit 2022 bei Angeboten wie Business Insider, Washington Post, HuffPost und dem WSJ selbst.
- Similarweb-Daten zeigen, dass die New York Times ihren Anteil am Suchtraffic über drei Jahre von etwa 44 % auf 35,5 % reduziert sah.
- Der Digital Content Next (DCN) berichtete im Mai–Juni 2025, dass 19 Mitgliedsverlage Einbrüche zwischen 1 und 25 % meldeten.
- DMG Media (u. a. Daily Mail, Metro) teilte der britischen Wettbewerbsbehörde mit, die Klickraten seien zwischen Juni und Juli 2025 um bis zu 89 % gefallen.
- Eine Pew-Research-Analyse fand: Menschen klicken deutlich seltener auf Links, wenn eine AI Overview angezeigt wird.
Google bestreitet größere Verluste: Führungskräfte sprechen von einem „relativ stabilen“ Klickvolumen und betonen, die KI sende mehr Traffic zu anderen Inhalten wie Foren oder Videos.
Rechtliches und politisches Gegengewicht
Verlage weltweit versuchen rechtlich und politisch, Gegensteuer zu geben. Zahlreiche Klagen und Forderungen nach Regulierung laufen, bislang mit begrenztem Erfolg: Ein US-Gericht unter Richter Amit Mehta wies etwa eine Kartellklage von Chegg und Penske Media zurück und lehnte eine Sammelklage von Zeitungen aus Arkansas ab.
Als Reaktion auf regulatorischen Druck — unter anderem in Großbritannien — führte Google ein Opt-out ein, mit dem Seiten verhindern können, dass ihre Inhalte in AI Mode oder AI Overviews erscheinen. Dieses Werkzeug stoppt aber nicht automatisch die bereits beobachteten Traffic-Verluste.
Was als Nächstes?
Verlage reagieren pragmatisch: Viele verlagene ihre Aufmerksamkeit stärker auf Social Media, Newsletter und bezahlte Abos, um direkte Leserbindung zu stärken. Google testet parallele Maßnahmen: bessere Sichtbarkeit von Quellenangaben (z. B. Hover-Pop-ups), Links prominenter platzieren und offenbar auch Vergütungsmodelle.
Berichten zufolge sollen rund 400 Publisher am News-AI-Pilot teilnehmen, darunter Washington Post, CNN und Financial Times. Außerdem laufen Tests, Publisher für die Nutzung ihrer Inhalte zu bezahlen — wie genau und in welchem Umfang, bleibt offen.
Übrigens
- Klassische blaue Links landen unter den KI-Antworten; manche Zusammenfassungen öffnen sich automatisch beim Seitenaufruf.
- Reddit erwägt laut Berichten, das Crawling durch Google zu stoppen — ebenfalls als Reaktion auf sinkende Zugriffe.
- Die NGO Common Sense Media warnt vor Risiken: Bei sensiblen Themen, etwa in Fällen mit Kindern in Krisensituationen, könnten KI-Zusammenfassungen problematische Folgen haben.
- Ergänzende Analysen: Ein Interview mit Google-CEO Sundar Pichai (Decoder) legt Googles Sicht dar; die NYT-Analyse weist darauf hin, dass AI Overviews noch Genauigkeitsprobleme haben; eine Nieman-Lab-Umfrage zeigt, dass mehr Menschen KI-Chatbots nutzen, um Nachrichten zu finden.
Quellen
- Quelle: Google
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




