Anthropic ändert Datenschutzregeln: In Einzelfällen sollen Nutzende Lichtbildausweise vorlegen – und die Daten werden gespeichert.
In Kürze
- Ausweisanforderung und Speicherung durch Anthropic
- Wechsel von Yoti zu Persona für ID‑Checks
- Kritik wegen Persona‑Verbindungen und möglichem regulatorischem Druck
Anthropic ändert Datenschutzregeln — in Einzelfällen sollen Nutzende künftig einen Lichtbildausweis vorlegen
Anthropic, das US‑Unternehmen hinter dem Chatmodell Claude, hat Anfang Juni seine Datenschutzrichtlinie angepasst. Die neue Fassung, wirksam ab dem 8. Juli 2026, erlaubt dem Anbieter demnach unter bestimmten Umständen die Anforderung eines gültigen Ausweisdokuments mit Foto, um Alter oder Identität zu prüfen — und diese Ausweisdaten sollen künftig von Anthropic selbst gespeichert werden.
Was bisher galt
Claude war bislang ausschließlich für Nutzerinnen und Nutzer ab 18 Jahren freigegeben. Für Altersprüfungen setzte Anthropic teilweise auf eine Gesichtsprüfung über den Dienst Yoti. Das Unternehmen erklärte damals, selbst keinen direkten Zugriff auf Ausweisbilder oder Gesichter zu haben und die extern verarbeiteten Daten nach der Prüfung sofort löschen zu lassen.
Was sich ändert
Die neue Richtlinie konkretisiert, dass Anthropic „unter bestimmten Umständen“ direkte Alters‑ oder Identitätsnachweise verlangen kann — konkret: ein gültiger Lichtbildausweis. Anders als zuvor werden diese Daten laut Text der Richtlinie nicht nur überprüft, sondern von Anthropic gespeichert. Für die technische Abwicklung zieht Anthropic nicht mehr Yoti hinzu, sondern arbeitet offenbar mit Persona Identities zusammen.
Anthropics Reaktion
Auf Nachfrage verwies Anthropic auf einen Mitarbeiterpost bei X. Dort heißt es, die Maßnahme gelte nur für eine kleine Gruppe von Nutzenden, die wegen möglicher Betrugsfälle markiert worden seien, und soll eine sofortige Kontosperre vermeiden. Außerdem betont das Unternehmen laut Posting, dass die Änderung nichts mit der aktuellen Freigabe und der späteren Abschaltung der Modelle Fable 5 und Mythos 5 zu tun habe.
Warum das Aufmerksamkeit erregt
Beobachterinnen und Beobachter — darunter Medien wie TechCrunch — sehen die Änderung vor dem Hintergrund politischer Spannungen zwischen Anthropic und US‑Behörden. Das Pentagon hatte das Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt und als „Supply‑Chain‑Risiko“ eingestuft, nachdem Anthropic sich geweigert hatte, seine Modelle für autonome Waffen oder Massenüberwachung bereitzustellen. Einige Kommentatoren vermuten deshalb, dass regulatorischer Druck die Richtlinienänderung beeinflusst hat.
Bedenken wegen des neuen Partners Persona
Zusätzliche Kritik entzündet sich an der Wahl von Persona Identities als Dienstleister. Persona wird unter anderem von Peter Thiel finanziell unterstützt — Thiel ist Mitgründer von Palantir und eine prominente politische Figur. Kritiker befürchten, dass gespeicherte Identitätsdaten von Persona im Zweifel an staatliche Stellen weitergegeben werden könnten. Zudem steht Persona in der Kritik, Identitätsdaten nicht sofort zu löschen; das wäre ein Unterschied zur früheren Praxis, die Anthropic und einige andere Dienste offenbar verfolgt hatten.
Vergleich zu anderen Plattformen
Andere Plattformen arbeiten ebenfalls mit Persona: Roblox nutzt Persona zur Altersprüfung, betont aber, die Daten nach der Verarbeitung sofort zu löschen. Bei Discord führte die Zusammenarbeit mit Persona zu Nutzerprotesten; Discord distanzierte sich später von dem Partner. Solche Beispiele zeigen, dass unterschiedliche Plattformen verschiedene Lösch‑ und Speicherpraktiken kommunizieren — ein Aspekt, der jetzt auch bei Anthropics Richtlinienanpassung im Mittelpunkt der Debatte steht.
Quellen
- Quelle: Anthropic
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




