Eine groß angelegte Betrugsmasche mit Deepfakes brachte Anleger:innen in Europa und Kanada über 50 Mio. Euro Schaden; Festnahmen und Beweissicherungen in Tirana.
In Kürze
- Über 50 Mio. Euro Gesamtschaden, Österreich besonders betroffen (26 Mio.)
- Gefälschte Medien, Deepfake-Videos und Callcenter als Lockmittel
- 10 Festnahmen, umfangreiche Sicherstellungen; Ermittler bitten um Anzeigen
Mehr als 50 Millionen Euro Schaden: Wie eine Betrugsmasche mit Deepfakes Anlegerinnen und Anleger in Europa und Kanada hereinzulegen versucht hat
Eine groß angelegte Betrugsoperation mit gefälschten Medieninhalten hat Anlegerinnen und Anleger in Europa und Kanada um mehr als 50 Millionen Euro gebracht – österreichische Ermittler gehen von einem noch höheren Gesamtschaden aus. Am 17. April durchsuchte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zusammen mit Partnern in Tirana drei professionelle Callcenter.
- fast 450 Desktop-Computer
- sechs Laptops
- 238 Handys
- weitere Datenträger
- rund 892.000 Euro Bargeld
Zehn Personen wurden verhaftet; weitere Verdächtige werden angezeigt.
Besonders stark betroffen war Österreich: Rund 150 Opfer meldeten Verluste von zusammen etwa 26 Millionen Euro – damit entfällt mehr als die Hälfte der bislang angezeigten Schäden auf das Land.
So lief die Masche ab
Die Täter warben in sozialen Netzwerken mit angeblich sicheren Investments und hohen Renditen. Als Lockmittel dienten fingierte TV-Nachrichten, falsche Artikel und manipulierte Medienlayouts, in denen prominente Persönlichkeiten als vermeintliche Empfehlungen auftauchten. Für manche Inhalte setzten die Kriminellen Deepfake-Videos und -Audios ein – technisch manipulierte Aufnahmen, die authentisch wirken, obwohl die gezeigten Personen damit nichts zu tun haben.
Interessierte konnten sich online registrieren. Anschließend wurden sie in passender Sprache kontaktiert – folgende Sprachen wurden genannt:
- Deutsch
- Englisch
- Italienisch
- Italienisch
- Griechisch
- Spanisch
In den Callcentern sollen hunderte Männer im Alter zwischen etwa 25 und 40 Jahren gearbeitet haben; ihr Verdienst lag bei rund 800 Euro monatlich plus Prämien für „abgeschlossene Verträge“.
Viele Opfer investierten kleinere Beträge (Beispiele nennen Meldungen wie 250 Euro), andere verloren ganze Ersparnisse bis hin zu Millionenbeträgen. Wurde Misstrauen geäußert, schalteten die Täter eine zweite Betrugsstufe ein: Unter dem Begriff „pig butchering“ bauten sie Vertrauen auf, gaben sich später als Behörden, Anwälte oder andere Vertrauenspersonen aus und versprachen, das Geld zurückzuholen – gegen Zahlung einer Gebühr in Kryptowährung. Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel wie Bitcoin, die oft für anonyme Zahlungen genutzt werden.
Prominente missbraucht
Als Köder verwendeten die Täter gefälschte Aussagen oder Medienbeiträge mit bekannten Namen – etwa dem österreichischen Bundespräsidenten, ORF-Journalisten, Sportlern und weiteren Prominenten. Alle Genannten hatten laut Ermittlern mit den Betrugsfällen nichts zu tun; ihre Bilder und Stimmen wurden missbräuchlich verwendet.
Ermittler, Kooperationen und Appell
Die WKStA und das Bundeskriminalamt arbeiteten bei den Ermittlungen eng mit Eurojust, Europol und der albanischen Staatsanwaltschaft zusammen. Europol unterstützte bei der Sicherstellung von Datenmaterial aus den Durchsuchungen.
Die Behörden weisen darauf hin, dass viele Opfer den Betrug nicht melden. Ermittler betonen, dass jede Anzeige wichtig ist: Sie liefert Hinweise, hilft bei der Auswertung von Daten und kann andere potenzielle Opfer schützen. Wer betroffen ist, soll sich an die zuständigen Stellen wenden und Verdachtsfälle melden.
Quellen
- Quelle: Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA)
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




