Tech‑Konzerne streichen massenhaft Stellen und führen oft KI‑Projekte als Begründung an. Parallel entstehen neue KI‑Rollen; Anleger reagieren skeptisch.
In Kürze
- Viele Entlassungen mit Verweis auf KI‑Neuausrichtung
- KI‑Firmen und interne KI‑Teams stellen stark ein
- Börse reagiert oft negativ auf KI‑Begründungen
Tech‑Konzerne streichen Zehntausende Jobs — und nennen oft KI als Grund. Gleichzeitig entstehen neue KI‑Stellen, und einige KI‑Firmen stellen kräftig ein. Ein Überblick über den Zwiespalt, den viele Unternehmen derzeit kommunizieren.
Was die Unternehmen sagen
Viele Firmen erklären Personalkürzungen als Folge einer Neuausrichtung hin zu KI‑getriebenen Produkten oder Investitionen in KI‑Infrastruktur. Manche Manager betonen, es gehe nicht darum, Menschen zu ersetzen; in der Praxis verschieben sich aber Rollen massiv. Andere geben direkten Zusammenhang an und nennen Effizienzgewinne durch automatisierte Tools.
Einzelne Beispiele, die zuletzt Schlagzeilen machten
- Monday.com (Tel Aviv, diese Woche): Rund 20 % der Belegschaft — etwa 600 Stellen — sollen wegfallen. Das Unternehmen spricht von einer Umstrukturierung zugunsten einer „KI‑getriebenen Wachstumsstrategie“. Der Mitgründer sagte, es gehe nicht primär ums Kostensparen oder um den Ersatz von Menschen durch KI. Umstrukturierungskosten werden mit 45–55 Mio. USD beziffert; das Unternehmen hält an einem erwarteten Umsatzwachstum von bis zu 20 % für 2026 fest.
- Microsoft (9. Juli 2026): Etwa 4.800 Stellen (2,1 %), viele im Xbox‑Bereich. Microsoft betont, dass nicht einfach „durch KI ersetzt“ wurde, räumt aber ein, dass KI die Arbeit verändert.
- Oracle (22. Juni 2026): Über die letzten 12 Monate etwa 21.000 Stellen (13 %) weggefallen; Oracle nennt die Einführung von KI in Abläufen als einen Faktor.
- GitLab (3. Juni 2026): Ca. 350 Jobs (14 %) gestrichen, mit dem Ziel, in KI‑Infrastruktur zu investieren und Systeme für größere KI‑Workloads umzubauen.
- Google/Alphabet (laufend bis Mai 2026): Leise Abgänge in der Cloud‑Sparte, reduzierte Managerzahlen; Schätzungen für 2026 sehen 1.500–3.000+ betroffene Ingenieure, während Cloud‑Umsatz weiter wächst.
- Intuit (20. Mai 2026): Pläne zur Streichung von rund 3.000 Jobs (ca. 17 %), um Ressourcen für KI‑Projekte zu bündeln.
- Meta (20–21. Mai 2026): Etwa 8.000 Entlassungen (~10 %); gleichzeitig wurden laut Unternehmen rund 7.000 Beschäftigte in neue KI‑Rollen verschoben.
- IBM (laufend 2026): Seit Ende 2024 kumulativ über 15.000 Stellen reduziert; parallel sollen Einstellungszahlen für KI‑ und Hybrid‑Cloud‑Rollen deutlich steigen. Teilweise wurden HR‑Aufgaben durch KI‑Agenten ersetzt (~200 Stellen).
(Weitere große Kürzungen gab es bei Dell, Cloudflare, PayPal, Snap, Amazon, Coinbase und anderen.)
Die Zahlen an der Börse und an den Arbeitsmärkten
Eine Auswertung der Financial Times zeigt: Seit Jahresbeginn wurden in den USA fast 140.000 Tech‑Jobs gestrichen; Amazon, Oracle, Meta und Microsoft machen fast 50.000 davon aus. Interessant: Firmen, die KI ausdrücklich als Faktor nannten, schnitten an der Börse in den 30 Handelstagen nach der Ankündigung im Schnitt fast 10 % schlechter als der Nasdaq — Anleger reagieren also skeptisch auf solche Begründungen.
Verschieben statt abschaffen — und neue Nachfrage
Gleichzeitig melden spezialisierte KI‑Arbeitgeber starkes Wachstum. Firmen wie Anthropic und OpenAI rekrutieren intensiv und nehmen einen Teil der freigesetzten Talente auf. Innerhalb großer Konzerne werden Rollen oft verlagert: Meta ist ein Beispiel dafür, wie Entlassungen begleitet wurden von internen Versetzungen in KI‑Teams. Andere Unternehmen investieren gezielt in KI‑Infrastruktur (GitLab, Dell) oder bauen KI‑Agenten für Support‑ und HR‑Aufgaben (IBM, Salesforce), was bestehende Aufgaben verändert.
Was das praktisch heißt
- Rollen verändern sich: Support‑ und Routineaufgaben sind besonders betroffen, während Nachfrage nach KI‑Ingenieur:innen, Data Scientists, ML‑Ops‑Spezialist:innen und Infrastrukturexpert:innen steigt.
- Die Übergänge sind heterogen: Manche Unternehmen schaffen ganze Funktionen ab; bei anderen werden Mitarbeitende in neue Teams überführt.
- Arbeitsmarkt ist zweigeteilt: Kurzfristig entstehen Entlassungen und Unsicherheit, mittelfristig aber auch neue, oft spezialisierte Stellen — und Bewerber:innen mit KI‑Know‑how werden stark umworben.
Wenn du möchtest, kann ich die Liste der Ankündigungen auf bestimmte Firmen reduzieren oder eine kurze Übersicht erstellen, welche Rollen aktuell am stärksten bedroht bzw. gefragt sind.
Quellen
- Quelle: Monday.com
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




