Mehr als die Hälfte der befragten US‑Jugendlichen nutzt KI bei Stress oder Einsamkeit — das steht in Zusammenhang mit schlechterer psychischer Gesundheit.
In Kürze
- 57 % der Teens nutzen Chatbots bei emotionaler Belastung
- Nutzung hängt mit mehr Angst, Depression und Suizidgedanken zusammen
- Expert:innen und Behörden fordern Alterschecks und Weiterleitung an Hilfe
Wohin gehst du, wenn dir schlecht ist? Für viele US-Teens lautet die Antwort inzwischen: zu einer KI.
Mehr als die Hälfte der Befragten greifen zu Chatbots
Eine Umfrage der US-Jugendhilfeorganisation Jed Foundation unter 5.560 Mittel- und Oberschülern zeigt: 57 % der Jugendlichen nutzen KI, wenn sie traurig, gestresst, einsam oder überfordert sind. Zum Vergleich: 58 % geben an, KI für Hausaufgaben zu verwenden.
- 28 % fragten die Systeme nach Beziehungsratschlägen
- 12 % suchten in ihnen Gesellschaft oder Freundschaft
Nutzung steht in Zusammenhang mit schlechterer psychischer Gesundheit
Die Studie findet auffällige Zusammenhänge: Jugendliche, die KI als Ersatz für Freundschaft oder zur emotionalen Unterstützung nutzen, zeigten häufiger Symptome von Angst- und depressiven Störungen, berichteten stärker über Einsamkeit und wiesen ein höheres Risiko für Suizidgedanken oder -versuche auf. Ähnliche Muster gab es bei Schülerinnen und Schülern, die KI für Beziehungsrat nutzten; selbst die Nutzung für Hausaufgaben hing mit größerer Einsamkeit zusammen.
Die Ergebnisse beschreiben Assoziationen – nicht zwingende Ursachen.
Wer greift eher zu Chatbots?
Besonders häufig greifen folgende Gruppen zu KI, wenn sie sich schlecht fühlen:
- Mittelstufenschüler
- Mädchen
- Jugendliche mit Black-, Hispanic-, Native American- und multirassischer Herkunft
Wie die Studie entstand – und wo ihre Grenzen liegen
Der Bericht wurde am 27. Oktober veröffentlicht. Die Daten stammen aus Befragungen zwischen Oktober 2025 und April 2026 an 21 US-Schulen, die mit Programmen der Jed Foundation zusammenarbeiten.
Das Digital Wellness Lab am Boston Children’s Hospital unterstützte die Studie, finanziert wurde sie von der Nielsen Foundation. Die Autor:innen merken deutlich an: Es handelt sich um eine Momentaufnahme, keine Langzeitforschung, und die befragten Schulen sind nicht repräsentativ für alle US-Schulen. Daraus lässt sich also nicht ableiten, ob Chatbots Jugendlichen schaden oder ob bereits belastete Jugendliche eher zu ihnen greifen.
Reaktionen und Empfehlungen
Für Eltern bedeutet die Studie: Chatbots sind mittlerweile eine von mehreren ersten Anlaufstellen vieler Teenager, wenn es um emotionale Themen geht. Behörden reagieren bereits:
- New York verlangt, dass Chatbots Altersprüfungen durchführen, bevor sie sich als Freund ausgeben
- Auch Australien will verhindern, dass Chatbots sich als enge Freundinnen oder Freunde von Kindern ausgeben
Die Jed Foundation fordert, dass Anbieter von KI Anzeichen von Distress erkennen und Jugendliche an echte Hilfsangebote weiterleiten, statt die menschliche Verbindung zu ersetzen. Dr. Kayla Anderson, Vizepräsidentin für Forschung bei der Stiftung, weist darauf hin, dass KI kurzfristig helfen kann, aber nicht die schützenden, entwicklungswichtigen Vorteile zwischenmenschlicher Beziehungen ersetzt.
Persönliche Beispiele aus der Studie
- Im Bericht wird ein Fall geschildert, in dem ChatGPT eine US‑Familie nach eigenen Angaben davor bewahrte, dass ihre Tochter eigenmächtig ihre Anfallsmedikamente absetzte.
- Außerdem berichtet ein 17‑Jähriger, dass KI erstmals in der achten Klasse in der Schule eingeführt wurde. Diese Einzelfälle illustrieren, wie unterschiedlich die Nutzung ausfallen kann.
Kurz gesagt: KI ist bei Jugendlichen weit verbreitet als emotionaler Rückzugsort. Die Untersuchung verknüpft bestimmte Nutzungsarten mit schlechterer psychischer Gesundheit, klärt aber nicht, ob die Nutzung Ursache oder Folge ist. Expert:innen empfehlen, dass KI bei Warnsignalen auf professionelle Hilfe verweisen und menschlichen Beistand nicht ersetzen sollte.
Quellen
- Quelle: The Jed Foundation
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




