Die USA planen massiv mehr Atomstrom, vor allem für KI‑Rechenzentren und Industrie. Kosten, Genehmigungen und Investorenzweifel bremsen das Vorhaben.
In Kürze
- Ziel: vierfache Atomkapazität bis 2050
- SMRs beliebt, aber kaum Design‑Freigaben
- Hohe Baukosten und Bedarf an Staatsgarantien
Die USA wollen mehr Atomstrom — und zwar viel mehr. Bis 2050 soll die nukleare Erzeugungskapazität vervierfacht werden, vor allem um den rasant wachsenden Strombedarf von KI‑Rechenzentren und einer wiedererstarkenden Industrie zu decken. Was als großes nationales Vorhaben präsentiert wird, trifft allerdings auf harte Realitäten: hohe Kosten, knappe Genehmigungen und skeptische Investoren.
Was geplant ist
Die Zielmarke ist klar: viermal so viel Atomkapazität in knapp drei Jahrzehnten. Präsident Trump hat das Vorhaben öffentlich ausgerufen, die Regierung hat zusammen mit privaten Partnern hohe Summen angekündigt — darunter im Oktober eine 80‑Milliarden‑Dollar‑Partnerschaft mit Brookfield und Westinghouse zur Errichtung von acht Großreaktoren. Tech‑Konzerne wie Microsoft und Google schließen langfristige Stromlieferverträge ab, manche Unternehmen suchen sogar Stilllegungen rückgängig zu machen, um vorhandene Kapazitäten zu reaktivieren.
Konkrete Projekte
Ein Beispiel: Das AKW Palisades in Michigan, das früher stillgelegt werden sollte, soll wieder ans Netz. Holtec, ursprünglich für die Stilllegung zuständig, plant nach Informationen aus der Branche, die Anlage mit staatlicher Unterstützung von rund 3,2 Milliarden Dollar aufzurüsten und zwei kleine modulare Reaktoren (SMRs) zu bauen, zusammen etwa 1.400 MW. Solche Deals zeigen, wie Regierung, Versorger und Firmen zusammenrücken — zumindest auf dem Papier.
Wer zahlt?
Die Rechnung ist kompliziert. Staatliche Förderungen, Steueranreize und Garantien gehören zu den Versuchen, private Investitionen anzuziehen. 2024 flossen laut Financial Times rund 3 Milliarden Dollar privates Kapital in SMR‑Startups. Trotzdem pochen Versorger wie Duke Energy darauf, dass der Staat Garantien gegen Kostenexplosionen bieten muss, bevor sie eigenes Geld riskieren. Analysten sind uneins, ob die Regierung diesen Bürgschaften großflächig zustimmen wird.
Das Kostenrisiko
Erfahrungen aus jüngster Zeit machen Investoren nervös. Der Bau der neuen Großreaktoren in Plant Vogtle (Georgia) verlief deutlich teurer und langsamer als geplant: sieben Jahre Verzögerung, etwa 18 Milliarden Dollar über Budget. Die Baukosten lagen bei rund 15.000 Dollar pro Kilowatt — ungefähr fünfmal so hoch wie vergleichbare Projekte in Südkorea oder China. Solche Kostenexplosionen haben Anbieter wie Westinghouse bereits in finanzielle Schieflagen gebracht. Das steigert die Forderung nach staatlichen Schutzmechanismen und erhöht die politische Brisanz jeder weiteren Förderung.
SMRs: Hype versus Genehmigungspraxis
Small modular reactors (SMRs) gelten in der Debatte als vielversprechende Ergänzung: kleiner, modular gebaut und theoretisch schneller zu errichten. Zahlreiche Tech‑Konzerne haben bereits Rahmenverträge mit SMR‑Entwicklern abgeschlossen — Namen wie Kairos Power, Oklo oder entsprechende Partnerschaften mit Meta tauchen in Berichten auf. Doch regulatorisch ist die Lage zurückhaltend: Von mehr als 50 in den USA entwickelten SMR‑Designs hat bislang nur eines eine Designgenehmigung der US‑Atomaufsicht (NRC) erhalten — das von NuScale. Diese Genehmigung bescheinigt das Reaktordesign, ersetzt aber nicht die Baugenehmigung oder die Betriebslizenz für konkreten Kraftwerksbetrieb.
Stimmen aus der Szene
Allison Macfarlane, ehemalige Vorsitzende der US‑Atomaufsicht, beschreibt das 2050‑Ziel als „absolut nicht erreichbar“ und warnt vor übereilten Genehmigungsverfahren, die das Unfallrisiko erhöhen könnten. Auf der anderen Seite sieht Adam Stein vom Breakthrough Institute eine günstige Konstellation: Steueranreize, Kredite, steigende Nachfrage und privates Kapital könnten die Pläne beflügeln. Diese gespaltene Expertenlage spiegelt die Unsicherheiten in Politik und Industrie wider.
Was das für dich bedeutet
- Erstens an der Stelle der Infrastruktur — Bauprojekte, politische Debatten, mögliche staatliche Garantien.
- Zweitens über Stromverträge großer Tech‑Firmen, die ihre Rechenzentren mit Atomstrom versorgen wollen.
Ob diese Pläne in der Praxis in dem vorgesehenen Tempo umgesetzt werden können, hängt von vielen Faktoren ab: Kostenkontrolle, regulatorische Genehmigungen, Investorenvertrauen und politischer Willenskraft.
Quellen
- Quelle: Trump administration
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




