UKE startet die IDM gGmbH, um KI-Tools für Kliniken und Praxen zu entwickeln – datenschutzgerecht und lokal betrieben.
In Kürze
- IDM nutzt anonymisierte Daten aus rund 7 Mio. Fällen, Training bleibt in der Klinik
- Argo erstellt automatisiert Epikrisen, Perspektive: komplette Arztbriefe
- Orpheus transkribiert lokal, Rollout an Kliniken, Praxen und deutsche Cloud-Option
Das Uniklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE) hat 2024 eine gemeinnützige Tochter gegründet: die IDM gGmbH. Ziel ist, KI‑Werkzeuge für den deutschsprachigen Gesundheitsbereich zu entwickeln — mit besonderem Fokus auf datenschutzkonforme Verarbeitung und darauf, dass Patientendaten in Europa bleiben. Kliniken und Praxen sollen durch die Technik entlastet werden.
Digitale Datenbasis aus Jahrzehnten
Das UKE arbeitet seit 2009 digital und verfügt über rund sieben Millionen dokumentierte Patientenfälle. Diese Daten werden anonymisiert und bleiben laut IDM in der Klinik; sie werden dort datenschutzgerecht für das Training von KI‑Modellen genutzt. Die Idee dahinter: aus solidarisch gesammelten Gesundheitsdaten Modelle entwickeln, die dem Gesundheitswesen zugutekommen — und nicht vorrangig externen Tech‑Firmen.
Argo: Textintensive Arztbriefe automatisch erstellen
Argo ist ein großes Sprachmodell, das Texte versteht und erzeugt. Aktuell erstellt Argo automatisiert Epikrisen — also den textintensiven Teil von Arztbriefen, in dem Verlauf, Diagnosen und Hinweise zusammengefasst werden. Auf Sicht soll Argo komplette Arztbriefe schreiben und das bisherige Konzept von Arztbriefen hinterfragen. Geplant sind später auch KI‑Agenten, die bei Diagnostik und Behandlung unterstützen. Für diese Anwendungen strebt die IDM eine ISO‑13485‑Zertifizierung an, die Hersteller von Medizinprodukten erfüllen müssen.
Orpheus: Spracherkennung, lokal betreibbar
Orpheus ist eine KI‑gestützte Spracherkennung, die gesprochene Sprache in Text umwandelt. Seit Anfang 2025 wird Orpheus am UKE von allen rund 15.000 Mitarbeitenden genutzt.
- an vier Unikliniken
- in über 30 Krankenhäusern
- an vier Universitäten
- in mehr als 200 ambulanten Einrichtungen
Ein wichtiger Unterschied zu vielen kommerziellen Angeboten: Orpheus kann lokal im eigenen Rechenzentrum betrieben werden. Für Praxen ohne eigene Infrastruktur bietet die IDM Hosting in einer deutschen Cloud an.
Warum das für Kliniken und Praxen relevant ist
Die IDM betont Datenhoheit: Patientendaten sollen nicht ins Ausland fließen, damit große Tech‑Konzerne ihre KI‑Modelle weiter verbessern, während Kliniken dafür zahlen müssen. Stattdessen sollen die Modelle in Europa mit hiesigen Daten trainiert werden. Die IDM will die Technologie nicht nur in Kliniken verfügbar machen, sondern auch für Praxen, Apotheken, Krankenkassen und externe Softwareanbieter über Schnittstellen öffnen. Noch dieses Jahr plant die IDM, Teile der Arbeit als Open‑Source‑Komponenten zu veröffentlichen.
Auswirkungen auf die Arbeitswelt
IDM‑Geschäftsführer Dr. Nils Schweingruber sagt, Kliniken werden KI brauchen, um die wachsende Datenmenge zu bewältigen. Seiner Einschätzung nach soll der Einsatz der Technologie nicht zu Personalabbau führen, sondern ermöglichen, ein höheres Patientenaufkommen zu managen.
Quellen
Quellen
- Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) / Innovative Digitale Medizin (IDM gGmbH)
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




