Recherche zeigt: Auf TikTok fehlen bei vielen bezahlten Ads Hinweise auf KI‑Erstellung, obwohl Plattform Kennzeichnung verlangt.
In Kürze
- Identische Clips auf YouTube oft als KI gekennzeichnet, auf TikTok ohne Label
- TikTok verlangt Offenlegung bei „signifikant“ KI‑Einsatz, Durchsetzung ist inkonsistent
- Automatische Erkennung von KI‑Inhalten ist lückenhaft; Regulierungen bestehen, Umsetzung fehlt
Hast du schon mal eine TikTok‑Werbung gesehen und dich gefragt, ob sie von Menschen oder von einer KI erstellt wurde? Genau das ist einem Rechercheautor aufgefallen: Wochenlang liefen bezahlte Anzeigen, ohne die von TikTok geforderte Kennzeichnung als KI‑erstellt — und oft bleibt unklar, ob die werbenden Firmen das bewusst so belassen.
Was konkret auffiel
- Bei YouTube wiesen einige Werbevideos in ihren zusammengesunkenen Beschreibungen darauf hin, dass KI zum Einsatz kam. Dieselben oder sehr ähnliche Clips tauchten als bezahlte Ads auf TikTok auf — dort fehlte die Kennzeichnung.
- Ein konkretes Beispiel betrifft Samsung: Die Videos auf YouTube enthielten Hinweise auf KI‑Nutzung, auf TikTok dagegen waren fast identische Clips teilweise ohne Kennzeichnung zu sehen. Samsung und TikTok sind Mitglieder der Content Authenticity Initiative (eine Initiative, die Standards wie C2PA zur Herkunfts‑ und Authentizitätskennzeichnung fördert). Wäre bei der Einreichung an TikTok KI verwendet worden, hätte das angegeben werden müssen; wäre TikTok informiert gewesen, hätten Nutzer:innen das entsprechende Label sehen müssen.
- Auf Anfragen reagierte Samsung nicht. TikTok verwies schriftlich auf seine Richtlinien und Partnerschaften, lieferte aber keine Erklärung dafür, warum Anzeigen ohne Kennzeichnung zugelassen wurden.
Was TikToks Regeln fordern
TikTok verlangt, dass Werbetreibende Inhalte, die „signifikant“ mit KI erzeugt oder bearbeitet wurden, offenlegen. Die Offenlegung kann über das eigene AI‑Label von TikTok laufen oder über Disclaimer, Bildunterschriften, Wasserzeichen oder Sticker. Unter „signifikant“ fällt etwa:
- komplett KI‑erzeugte Bilder, Videos oder Audios,
- Szenen, in denen eine Person Dinge tut, die sie nie getan hat (zum Beispiel tanzen),
- oder Sprache, die durch KI‑Stimmenfälschung erzeugt wurde.
Beobachtungen nach Nachfragen
- Nach Hinweisen wurden einige Anzeigen nachträglich mit dem Hinweis „advertiser labeled as AI‑generated“ versehen — etwa bei dem Auto‑Händler Cazoo. Bei diesen Clips waren visuelle Verzerrungen zu sehen, die den Verdacht auf KI‑Erzeugung verstärkten.
- Bei Samsungs Auftritten auf TikTok zeigte sich Inkonsistenz: Einige Videos trugen TikToks AI‑Label, andere hatten eine manuelle Offenlegung im Text, wieder andere waren völlig ungekennzeichnet.
Technische und rechtliche Einordnung
- Eine verlässliche Technik, die automatisch und großflächig sicher unterscheidet, ob Inhalte von Menschen oder von KI stammen, existiert derzeit nicht. Tools und Labels wie C2PA oder SynthID funktionieren nur, wenn viele Beteiligte sie aktiv einsetzen — das ist aktuell nicht flächendeckend der Fall.
- Werbung unterliegt rechtlichen Regeln, die Verbraucher schützen sollen. Mehrere Staaten reagieren: Die EU, China und Südkorea haben Kennzeichnungspflichten für KI in Werbematerial bereits eingeführt oder angekündigt. Wer sich nicht an diese Vorschriften hält, kann mit Sanktionen rechnen.
Was der Autor festhält
Der Rechercheautor dokumentiert, dass Transparenzpflichten für KI‑Werbung zwar bestehen, ihre praktische Durchsetzung aber Lücken hat. Vereinzelt wurden Anzeigen nach Hinweisen nachträglich gekennzeichnet, doch ein System, das automatisch und durchgängig funktioniert, fehlt derzeit — somit bleiben Nutzer:innen oft auf Hinweise von Forschern oder Meldungen angewiesen.
Quellen
- Quelle: TikTok / Samsung
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




