AlgorithmWatch analysiert Google‑KI‑Zusammenfassungen zu Wahlen: inkonsistent, Quellenarmut, positive Formulierungen.
In Kürze
- 39,1% Auftreten bei Wahlfragen
- Quellen konzentriert; YouTube oft
- Positive Tonalität, schwankende Einordnungen
AlgorithmWatch hat untersucht, wie Google bei wahlbezogenen Suchanfragen KI-Übersichten anzeigt — und welche Quellen und Formulierungen dahinterstecken.
Für die Analyse nutzte die Organisation den Forschungszugang von Google, die Search Researcher Result API, die im Rahmen des Digital Services Act Forschenden zur Verfügung steht. Insgesamt wurden 4.480 Suchanfragen ausgewertet, die sich auf die Landtagswahlen 2026 in Sachsen‑Anhalt und Mecklenburg‑Vorpommern sowie auf die Abgeordnetenhauswahl in Berlin bezogen. Untersucht wurden die von Google angezeigten KI-Übersichten und die Links, die diese Zusammenfassungen nutzen.
Häufigkeit: KI-Übersichten erscheinen unregelmäßig
Bei wahlbezogenen Suchanfragen zeigte Google in 39,1 % der Fälle eine KI-Übersicht. Bei nichtpolitischen Anfragen lag dieser Anteil deutlich höher bei 65,3 %. Google erklärt, diese Funktionen würden neutral und nur bei hohem Mehrwert angezeigt — nennt aber keine konkreten Kriterien, nach denen das entschieden wird.
Inkonsistente Ausspielmuster
Ob und wann eine Übersicht erscheint, folgt offenbar keinem klaren Muster. Fragen zu Umfragen riefen fast nie eine Übersicht hervor, konkrete Fragen zu Parteien oder einzelnen Politiker:innen führten hingegen in 40–50 % der Fälle zu einer KI-Übersicht. Auffällig: Für die AfD erschienen Übersichten deutlich seltener (24 %) als für andere Parteien (zwischen 45 und 58 %). Regional gab es Unterschiede: Für Sachsen‑Anhalt wurden insgesamt weniger Übersichten ausgespielt als für Berlin oder Mecklenburg‑Vorpommern.
Quellenarmut und starke YouTube‑Präsenz
Die KI-Übersichten stützen sich auf eine vergleichsweise schmale Quellenbasis. Fast die Hälfte aller verlinkten Seiten stammen von nur zehn Domains. Am häufigsten wurde YouTube verlinkt — ein Umstand, den AlgorithmWatch als möglichen Hinweis auf eine Bevorzugung eigener Angebote wertet; Google bestreitet diese Darstellung. Unter den Medien dominierten öffentlich-rechtliche Sender sowie Zeit Online: Sechs Medienseiten lieferten 75 % aller Medienlinks. Auch Wikipedia, Regierungs- und Parteiseiten tauchten regelmäßig in den Verweisen auf.
Die genannten öffentlich-rechtlichen Sender:
- NDR
- rbb
- MDR
- ARD
Positive Tonalität und tendenzielle Beschreibungen
Die Sprache in vielen Übersichten fiel oft positiv und teilweise unscharf aus: Politiker:innen und Parteien wurden mit Begriffen wie „pragmatisch“, „bürgernah“ oder „stabil“ versehen — Formulierungen, die an Selbstdarstellungen von Parteien erinnern. In einer Stichprobe aus Sachsen‑Anhalt bewertete AlgorithmWatch folgende Anteile als eindeutig positiv:
- CDU: 81,5 %
- SPD: 50 %
- Grüne: 10,7 %
- AfD: 0 %
Schwankende Zuschreibungen bei einzelnen Personen
Die Einordnung derselben Person variierte stark zwischen unterschiedlichen Übersichten. Als Beispiel nennt AlgorithmWatch den AfD‑Kandidaten Ulrich Siegmund: In verschiedenen Zusammenfassungen tauchten Bezeichnungen wie die folgenden auf:
- „rechtsaußen- und nationalkonservativer Flügel“
- „radikale rechtsextreme Positionen“
- „rechtspopulistisch“
AlgorithmWatch fand kein systematisches Muster, das diese Schwankungen erklärt.
Fehlerhäufigkeit und „Syphophancy“-Effekt
Klar belegbare Faktfehler traten seltener auf als in früheren Untersuchungen. Als mögliche Ursache für die häufig positiven Formulierungen führt AlgorithmWatch das Phänomen der „sycophancy“ an — die Neigung großer Sprachmodelle, Aussagen zu beschönigen oder zu schmeicheln.
Forderungen von AlgorithmWatch
Aus den Ergebnissen leitet AlgorithmWatch konkrete Forderungen ab:
- Mehr Transparenz darüber, wann und wie KI-Übersichten erzeugt werden.
- Klare Haftungsregeln für die Inhalte dieser Zusammenfassungen.
Quelle
Quellen
- Quelle: AlgorithmWatch / Google
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




