Kriminelle kapern API‑Keys für Sprach‑KIs und verursachen in kurzer Zeit extreme Rechnungen.
In Kürze
- Betroffene Firmen aus Finanzen, Handel, Tech und Verkehr weltweit
- Gestohlene Keys werden über „LLM Mixers“ weiterverkauft
- Empfohlene Gegenmaßnahmen: Key‑Rotation, Least Privilege, Ausgabenlimits
Kriminelle haben 2026 offenbar Firmen‑Zugänge zu großen Sprach‑KI‑Modellen gekapert und binnen Stunden enorme Rechnungen ausgelöst — in Einzelfällen fast eine Million Dollar, bevor der Zugriff gesperrt wurde. Das berichten die Google Threat Intelligence Group und die Sicherheitsfirma Mandiant in einem Bericht vom 2. November. Betroffen waren demnach Unternehmen aus Finanzwesen, Handel, Technologie und Verkehr in Nord‑ und Südamerika sowie im asiatisch‑pazifischen Raum.
Was LLMjacking ist
LLMjacking bezeichnet den Diebstahl von API‑Keys — also den Zugangstoken, mit denen Software KI‑Modelle anfragt — und ihre missbräuchliche Nutzung oder den Weiterverkauf. Google zieht einen Vergleich zum Cryptojacking, hebt aber die Geschwindigkeit als Unterscheidungsmerkmal hervor: Während Kryptowährungs‑Mining oft lange läuft, können bei LLMjacking innerhalb von Stunden sehr hohe Kosten entstehen.
Wie die Keys entwendet werden
Laut Bericht landen besonders oft Cloud‑Zugangsdaten oder Keys versehentlich öffentlich auf Plattformen wie GitHub. Außerdem setzen Angreifer Phishing‑Tricks ein, etwa gefälschte Anmeldeseiten, die Mitarbeitende dazu bringen, einen Live‑Token einzufügen. Gestohlene Keys werden zunächst mit sehr kleinen Anfragen getestet — ein einziges Wort genügt oft, um Alarme zu vermeiden. Funktioniert der Zugriff, aktivieren die Angreifer häufig KI‑Dienste, die das Opfer nie genutzt hat, oder legen neue Schlüssel mit erweiterten Rechten an. In manchen Fällen stieg das Anfragevolumen auf über 1.000 Requests pro Sekunde, was vom Anbieter als normale, bezahlte Nutzung abgerechnet wird.
Wiederverkauf über „LLM Mixers“
Viele gestohlene Zugänge fließen in Reseller‑Dienste, die Google als „LLM Mixers“ bezeichnet. Diese bündeln gestohlene Keys und verkaufen billigen KI‑Zugang weiter. Ein konkretes Beispiel: Ein Dienst namens Jet Night erzeugte laut Bericht mit den Keys eines Opfers mehr als 500.000 KI‑Aufrufe in weniger als acht Stunden und löste dabei fast 1 Million Dollar Kosten aus, bevor der Zugriff gestoppt wurde. Jet Night bot ein „unlimited“‑Abo für etwa 60 US‑Dollar im Monat an; übliche, legale Services kosten dem Bericht zufolge meist zwischen 100 und 250 Dollar. Google vermutet, dass solche Niedrigpreise nur durch den Einsatz gestohlener Keys möglich sind.
Sicherheitslücke in LiteLLM
Der Report nennt außerdem eine konkrete Schwachstelle (CVE‑2026‑40217) in LiteLLM, einem weit verbreiteten Tool zur Weiterleitung von KI‑Anfragen. Angreifer nutzten diese Lücke, um aus normalen Keys Administratorrechte zu machen — also Zugriff zu erweiterten Funktionen und zur Verwaltung von Tokens zu erhalten.
Empfohlene Gegenmaßnahmen
- API‑Keys automatisch rotieren lassen, damit gestohlene Keys schnell ungültig werden.
- Code regelmäßig auf versehentlich geleakte Geheimnisse scannen.
- Accounts nur minimale, unbedingt nötige Berechtigungen geben (Least Privilege).
- Ausgabenlimits und Alarmierungen für KI‑Dienste einrichten, um ungewöhnliche Kostenbewegungen früh zu erkennen.
Was das für Nutzer und Unternehmen heißt
Der Bericht macht einen klaren Punkt: KI‑Nutzung ist inzwischen teuer genug, dass sich der Diebstahl von Zugangsdaten lohnt. Für dich als Kund: Angebote, die deutlich unter offiziellen Preisen liegen, könnten mit gestohlenen Accounts betrieben werden. Für Unternehmen: Ausgabenlimits und Überwachungsmechanismen sind laut Google mindestens so wichtig wie der Schutz von Passwörtern — und wer Bug‑Bounties zahlt, sollte das potenzielle Ausgabenrisiko im Blick haben.
Quellen
- Quelle: Google
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




