Lenovo bringt mit Qira einen systemweiten, geräteübergreifenden KI‑Assistenten, der lokal und in der Cloud arbeitet und Datenschutzoptionen setzt.
In Kürze
- Modularer Assistent kombiniert on‑device-Modelle und Cloud‑Dienste (Azure, OpenAI, Drittanbieter)
- Privatsphäre: Speicher opt‑in, sichtbare Aufnahmen und klare Einstellungen
- Ziel: engere Verzahnung von Laptop und Handy als Differenzierungsmerkmal
Lenovo hat auf der CES in Las Vegas Qira vorgestellt: einen systemweiten, geräteübergreifenden KI‑Assistenten für Lenovo‑Notebooks und Motorola‑Handys. Weil Lenovo weltweit die meisten PCs verkauft und jährlich Millionen Geräte ausliefert, kann das, was der Konzern voreinstellt und bündelt, Einfluss darauf haben, wie KI in vielen Alltagsszenarien auftaucht.
Was Qira ist und wie es arbeitet
Qira ist kein einzelner Chatbot, sondern ein modularer Assistent, der über mehrere Geräte und Plattformen hinweg zusammenarbeitet.
Er kombiniert lokale Modelle, die direkt auf deinem Laptop oder Handy laufen (on‑device), mit cloudgestützten Modellen.
Für die Cloud‑Komponenten greift Lenovo unter anderem auf Microsofts Azure und Dienste von OpenAI zurück; außerdem sind Drittanbieter wie Stability AI (Bildgenerierung), Notion (Notizen) und Perplexity (Antwort‑/Suchdienste) integriert.
Die Idee: Je nach Aufgabe werden Geschwindigkeit, Qualität und Kosten abgewogen — daher keine Bindung an ein einziges Modell.
Wie Qira entstanden ist
Weniger als ein Jahr nach einer internen Umstrukturierung hat Lenovo seine KI‑Teams aus den Hardwarebereichen zusammengezogen und in eine zentrale, softwareorientierte Einheit gesteckt. Jeff Snow, Lenovos Leiter für KI‑Produkte, beschreibt Qira als System, das „Kontinuität, Kontext und aktiv handeln“ bieten soll — also Fähigkeiten, die über einfache Chatfunktionen hinausgehen.
Snow nutzte ein On‑Device‑Modell von Qira sogar unterwegs, um auf dem Flug zur CES Präsentationen und Notizen durchzugehen.
Gelerntes aus früheren Projekten
Lenovo zieht Lehren aus älteren Projekten: Moto AI wurde zwar ausgiebig getestet, blieb aber offenbar nicht dauerhaft im Nutzeralltag, weil es sich zu sehr wie ein weiterer Chat anfühlte. Aus der öffentlichen Kritik an Microsofts Recall hat Lenovo Konsequenzen für die Privatsphäre‑Gestaltung gezogen: Speicherfunktionen sind standardmäßig opt‑in, es gibt permanente Sichtbarkeitsanzeigen und klare Nutzereinstellungen.
Kontext‑Erfassung ist optional und Aufnahmen sind sichtbar — heimliches Sammeln soll vermieden werden.
Hardware, Kosten und Leistung
Die steigende Nachfrage nach KI‑Funktionen belastet Komponentenmärkte — etwa bei Arbeitsspeicher —, weshalb Analysten mit höheren Preisen für manche PCs rechnen. Lenovo gibt an, dass Qira die Mindestanforderungen nicht offiziell erhöht, die lokale Nutzung aber auf leistungsstärkeren Geräten mit mehr RAM flüssiger läuft.
Das Unternehmen arbeitet daran, die lokalen Modelle zu verkleinern, sodass sie auch mit rund 16 GB RAM gut funktionieren, ohne das Nutzererlebnis deutlich zu beeinträchtigen.
Strategische Ziele
Kurzfristig zielt Lenovo darauf ab, Laptop‑ und Handy‑Erlebnis enger zu verzahnen und so die Kundenbindung zu stärken. Langfristig soll die integrierte KI zu einem Unterscheidungsmerkmal werden, wenn technische Spezifikationen allein nicht mehr ausreichen.
Lenovo setzt dabei auf eine flexible, datenschutzbewusste und geräteübergreifende KI‑Integration statt auf eine exklusive Modellpartnerschaft und nutzt seine große Verbreitung, um KI in vielen Alltagsgeräten zu verankern.
Quellen
- Quelle: Lenovo
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




