KI‑erzeugte Songs erscheinen unter dem Namen einer Künstlerin, Plattformen reagieren nur schleppend.
In Kürze
- Falsche Tracks auf Spotify & Co.
- Content‑ID-Ansprüche auf Public‑Domain-Stücke
- Vydia weist Verwicklung zurück, Künstlerin bleibt misstrauisch
Murphy Campbell: KI‑Covers und Content‑ID-Probleme
Falsche Tracks auf Streaming‑Plattformen
Als die Folk‑Sängerin Murphy Campbell im Januar ihr eigenes Spotify-Profil checkte, stieß sie auf mehrere Songs — unter ihrem Namen, die sie nie dorthin geladen hatte. Die Stücke stammten zwar von Aufnahmen, die sie zuvor auf YouTube veröffentlicht hatte, klangen aber anders: Stimmen, die nach künstlicher Stimme oder bearbeitetem Gesang klangen. Campbell vermutete, dass jemand ihre YouTube‑Spuren nahm, mit KI-Tools neue „Covers“ erzeugte und diese auf Streaming‑Plattformen unter ihrem Namen hochlud. Ein KI‑Prüfer stufte etwa ihr Lied „Four Marys“ als wahrscheinlich KI‑erzeugt ein.
Die Mühe, die falschen Tracks löschen zu lassen, zog sich hin. Campbell sagt, sie sei „zu einem Nerv“ geworden, bis Plattformen reagierten. Einige Songs verschwanden von YouTube Music und Apple Music; mindestens ein Track ist aber weiter auf Spotify zu finden — inzwischen gibt es mehrere Künstlerprofile mit dem Namen „Murphy Campbell“. Spotify testet derzeit eine Funktion, mit der Künstlerinnen Songs vor der Veröffentlichung manuell freigeben sollen. Campbell bleibt skeptisch gegenüber solchen Maßnahmen.
Content‑ID‑Ansprüche über Vydia
Parallel dazu tauchte am Tag des Rolling‑Stone‑Berichts ein anderes Problem auf: Über den Vertriebsdienst Vydia wurden mehrere Videos auf YouTube hochgeladen — offenbar nicht öffentlich — vom Account „Murphy Rider“. Diese Uploads wurden genutzt, um Anspruchsanmeldungen gegen Campbells eigene Videos über YouTubes Content‑ID zu stellen. YouTube informierte sie, dass sie künftig Einnahmen mit den angeblichen Urheberrechtsinhabern teilen müsse. Das Problem: Viele der beanspruchten Lieder stehen in der Public Domain, darunter das alte Volkslied „In the Pines“ (bekannt u. a. durch Lead Belly und Nirvana).
Vydia zog die Ansprüche später zurück und sperrte den Upload‑Account. Roy LaManna, Sprecher von Vydia, sagte, nur 0,02 Prozent von mehr als 6.000.000 Ansprüchen über Content‑ID seien ungültig — er wertete das als gutes Ergebnis — und betonte, Vydia habe nichts mit Timeless IR oder den KI‑Covers auf Streaming‑diensten zu tun. Die zeitliche Nähe der Vorfälle wirke zwar verdächtig, so LaManna, sei aber unabhängig.
Reaktionen und Kritik
Die Firma bekam dennoch heftige Kritik; Berichten zufolge gingen sogar Drohungen ein, und Büros wurden geräumt. Campbell selbst macht Vydia nicht allein verantwortlich. Sie verweist auf die Schnittstelle zwischen generativer KI, Vertriebsprozessen und Urheberrechtsmechanismen, die Schwachstellen und Missbrauchsmöglichkeiten eröffne. „Ich denke, das geht viel tiefer, als wir denken“, sagt sie — und bleibt misstrauisch gegenüber den Zusagen großer Plattformen, solche Probleme künftig zu beheben.
Quellen
- Quelle: Murphy Campbell
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




