KI‑Boom erhöht Strombedarf: Viele neue Gaskraftwerke sollen Rechenzentren versorgen und könnten Klimaziele belasten.
In Kürze
- In Deutschland bis zu 1,95 GW Gaskapazität für Rechenzentren geplant
- Das entspricht fast 13% des bundesweiten Gaskraft‑Zubaus
- NGOs fordern stündliche Deckung durch zusätzliche erneuerbare Kapazitäten
Der KI‑Boom treibt den Strombedarf von Rechenzentren massiv nach oben — und neue Zahlen zeigen: Ein erheblicher Teil des geplanten Gaskraftwerkszubaus dient genau diesem Bedarf. Das Global Energy Monitor dokumentiert im „Global Oil and Gas Plant Tracker“ (GOGPT) große Anlagen — weltweit ab 50 Megawatt, in der EU und im UK schon ab 20 Megawatt — und weist Verbindungen zwischen neuen Gaskraftwerken und Standorten für Rechenzentren nach.
Deutschland: konkrete Standorte und Zahlen
In Deutschland sind laut Datensatz mehrere Kraftwerke geplant, um Rechenzentren zu versorgen. Genannte Standorte sind Mainz, Frankfurt, Birstein, Leipheim und Großkrotzenburg.
- Mainz
- Frankfurt
- Birstein
- Leipheim
- Großkrotzenburg
Zusammengenommen sind bis zu 1,95 Gigawatt (GW) Kapazität vorgesehen — das entspricht fast 13 Prozent des bundesweit angekündigten oder im Bau befindlichen Gaskraftwerkszubaus von rund 15 GW. Zum Kontext: Ein Gigawatt ist eine sehr hohe Leistungskapazität, die typischerweise für große Kraftwerke angegeben wird.
Warum das relevant ist
Steigt der Energiebedarf durch KI‑Rechenzentren weiter und wird er überwiegend mit Erdgas gedeckt, kann das nationale Klimaziel belastet werden und der Übergang zu einer emissionsärmeren IT‑Infrastruktur verzögert werden. Das Problem ist nicht nur die Menge an Strom, sondern auch, wann dieser erzeugt wird: Strom aus Gaskraftwerken kann in Spitzenzeiten eingesetzt werden, selbst wenn über das Jahr betrachtet Zertifikate für Ökostrom gekauft werden.
Rechtlicher Rahmen und Kritik
Ab 2027 soll das Energieeffizienzgesetz vorschreiben, dass Rechenzentren „bilanziell“ mit erneuerbaren Energien betrieben werden. „Bilanziell“ bedeutet aktuell, dass Betreiber über das Jahr verteilt Ökostrom‑Zertifikate erwerben können; konkret erzeugter Strom in einzelnen Stunden kann aber weiterhin aus Gas stammen. Diese Regelung stößt auf Kritik, weil sie keine stündliche Vermeidung von CO2‑Ausstoß sicherstellt.
Forderungen nach strengeren Vorgaben
Die NGO AlgorithmWatch und ihr Sprecher Julian Bothe fordern daher schärfere Vorgaben: Genehmigungen für Rechenzentren sollten nur erteilt werden, wenn jede einzelne Betriebsstunde durch zusätzlich geschaffene erneuerbare Kapazitäten gedeckt ist. Das würde eine Stunde‑für‑Stunde‑Abdeckung verlangen, statt nur eines jährlichen Ausgleichs per Zertifikat.
Blick in die USA
Ein Blick über den Atlantik zeigt, wie schnell sich der Trend verstärken kann: In den USA wuchs die angemeldete Gaskapazität binnen eines Jahres auf 252 GW, größtenteils angetrieben durch den Energiebedarf großer KI‑Rechenzentren. Das Beispiel veranschaulicht, wie Erdgas zur dauerhaften Ergänzung der digitalen Infrastruktur werden kann, wenn der Ausbau von Wind- und Solarenergie nicht mithält.
Öffentliche Meinung
- Eine Umfrage von AlgorithmWatch ergab, dass zwei Drittel der Befragten möchten, dass der Bau neuer Rechenzentren an den gleichzeitigen Ausbau von Wind‑ und Solarenergie gekoppelt wird.
- Zudem fordern viele mehr Transparenz über das tatsächliche CO2‑Aufkommen von Cloud‑Diensten und KI‑Modellen.
Was die Daten liefern
Der Global Energy Monitor liefert eine Datengrundlage, auf deren Basis NGOs, Expert:innen und Teile der Öffentlichkeit strengere Regeln und konkrete Nachweise für die stündliche Stromdeckung durch erneuerbare Energien verlangen. Gleichzeitig wird diskutiert, wie das Energieeffizienzgesetz, der Netzausbau und zusätzlicher Grünstromausbau miteinander verzahnt werden müssen, damit Rechenzentren nicht langfristig zu einem Treiber zusätzlicher fossiler Erzeugung werden.
Quellen
- Quelle: Global Energy Monitor / AlgorithmWatch / Bundesregierung
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




