KI verändert Immobilienfotos: Möbel erscheinen, Kamine verschwinden, Anzeigen wirken plausibler – manchmal fehlen wichtige Details, die erst bei der Besichtigung auffallen.
In Kürze
- Virtuelles Staging per KI macht Inserate schnell und günstig
- Fehlerhafte oder hinzugefügte Details fallen oft erst vor Ort auf
- US-Bundesstaaten regeln unterschiedlich; Kalifornien verlangt Offenlegung
Joyce suchte ihre erste eigene Wohnung in New York — und die Besichtigung endete mit einer Überraschung.
Online hatte sie ein helles Studio mit Kamin und moderner Küche gesehen, preiswert und einladend. Vor Ort stellte sich heraus: das Zimmer war deutlich kleiner, der Kamin fehlte, die Spüle sah anders aus und am Herd fehlten mehrere Knöpfe. Ein Freund wies noch auf etwas Kurioses hin: Auf einem der Fotos stand eine Topfpflanze auf dem Gasherd — ein Hinweis darauf, dass das Bild digital bearbeitet worden war.
Generative KI erleichtert Manipulationen
Was früher Maklertricks in Fotos waren, wird durch generative KI deutlich einfacher. Algorithmen, die Bilder erzeugen oder verändern, erlauben es, Räume in Sekundenschnelle aufzuwerten oder umzugestalten. Für Interessentinnen und Interessenten heißt das laut Beobachtungen: Anzeigen wirken oft plausibler, können aber falsche Details enthalten, die erst bei der Besichtigung auffallen.
Virtuelles Staging
Virtuelles Staging, also das digitale Einfügen von Möbeln und Dekor, ist kein neues Phänomen. Bee, eine Maklerin aus Florida, sagt, das habe einen praktischen Zweck: Viele Menschen hätten Schwierigkeiten, sich leerstehende Räume möbliert vorzustellen. Digitale Staging-Dienste kosten je Inserat oft zwischen etwa 40 und 400 US-Dollar; echte Home‑Staging‑Einsätze dagegen liegen im Bereich von mehreren tausend Dollar. Bee zeigt Beispiele, in denen sie ein Wohnzimmer mithilfe von ChatGPT umgestaltet hat — das Bild nutzt sie, um Kundinnen Renovierungs‑Ideen zu zeigen, nicht als Inserat. Sie macht eine klare Trennung zwischen harmloser Visualisierung und bewusster Irreführung und warnt: „Da wartet eine Klage.“
- Digitale Staging-Dienste: etwa 40–400 US-Dollar pro Inserat
- Echte Home‑Staging‑Einsätze: im Bereich von mehreren tausend Dollar
Tools und Kritik
Andere Maklerinnen und Makler arbeiten mit spezialisierten Tools wie Stuccco oder BoxBrownie, die nach Listings abrechnen. Kritikerinnen merken an, dass KI‑Bearbeitungen oft so subtil sind, dass die Fotos „echt“ wirken, aber bei genauem Hinsehen Details der Möbel oder Ausstattung merkwürdig erscheinen. Madison aus Queens beobachtete bei Anzeigen auf StreetEasy genau diese Art von Manipulation: Die Fotos seien inzwischen näher an der Realität, enthielten aber eingefügte, falsche Elemente statt komplett anderen Wohnungen, wie es früher manchmal der Fall war.
Regulierung
Die Behörden reagieren unterschiedlich. New York verlangt mittlerweile eine Kennzeichnung von KI‑Einsatz in Anzeigen, legt den Schwerpunkt dabei allerdings vor allem auf „synthetische Darsteller“ — also komplett gefälschte Personen. Der Secretary of State von New York hat gleichzeitig vor irreführenden AI‑Bildern gewarnt und auf bestehende Regeln gegen falsche Werbung verwiesen. Kalifornien ist weiter gegangen: Das dortige „Altered Image Law“ verlangt, dass KI‑veränderte Bilder in Immobilienanzeigen offengelegt werden. Insgesamt variieren die Regelungen von Staat zu Staat.
- New York: Kennzeichnung von KI‑Einsatz, Schwerpunkt auf synthetischen Darstellern; Warnungen durch den Secretary of State und Verweis auf bestehende Regeln gegen falsche Werbung
- Kalifornien: „Altered Image Law“ verlangt Offenlegung KI‑veränderter Bilder in Immobilienanzeigen
- Weitere Staaten: Regelungen variieren von Staat zu Staat
Ergebnis für Joyce
Joyce, die nach einigen Monaten schließlich eine echte Wohnung fand, bemerkt außerdem, dass nicht nur die Bilder ähnlich klingen, sondern auch die Texte: Überall tauchen Floskeln wie:
- „charming“
- „cozy“
- „spa‑like finishes“
Ihre Bilanz in einem Satz: Makler waren schon vorher nicht immer ehrlich — jetzt hätten viele die „Lügenmaschine in der Tasche“.
Quellen
- Quelle: Real estate brokers / Stuccco / BoxBrownie
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




