Mehrere große Medien veröffentlichten Bilder, die sich später als KI-verändert herausstellten.
In Kürze
- Bilder von SalamPix über Abaca Press in deutsche Agenturen gelangt
- Neuramancer: drei von fünf geprüften Fotos wahrscheinlich KI-generiert
- dpa, Imago und ddp sperrten SalamPix; Spiegel entfernte Bilder und prüft intern
Viele große deutsche Medien haben in den vergangenen Tagen Bilder veröffentlicht, die sich später als offenbar mit Künstlicher Intelligenz verändert herausstellten — ohne dass die Redaktionen das zunächst bemerkt haben.
Was passiert ist
Fotos, die ursprünglich von der iranischen Agentur SalamPix stammen, gelangten über die französische Agentur Abaca Press in die Angebote deutscher Bildagenturen.
Medien wie:
- Der Spiegel
- Zeit
- Süddeutsche Zeitung
- WDR
- Stern
- Deutschlandfunk
- Deutsche Welle
- Welt
- taz
- B.Z.
haben einige dieser Aufnahmen publiziert.
Die Untersuchung
Das deutsche Unternehmen Neuramancer, spezialisiert auf digitale Bildforensik, hat für den Spiegel fünf verdächtige Bilder geprüft.
Ergebnis:
- Drei der fünf Aufnahmen gelten als wahrscheinlich KI‑generiert — darunter ein Vogelperspektivenbild eines iranischen Flugzeugträgers, ein Foto von Ajatollah Ali Khamenei mit seinem Sohn Mojtaba sowie ein Bild eines Botschaftsgebäudes in Niger.
- Ein Foto einer Explosion in Teheran wies laut Analyse Hinweise auf das KI‑Tool „Flux 2“ auf.
- Ein weiteres Motiv, ein Foto iranischer Schulmädchen, wirkte dagegen unauffällig.
Reaktionen der Agenturen und Medien
- Als Konsequenz haben die deutschen Agenturen dpa Picture Alliance, Imago und ddp SalamPix gesperrt.
- Der Spiegel entfernte alle Bilder der Agentur aus seinen Angeboten und kündigte eine interne Aufarbeitung des Falls an.
- Der Chef der französischen Abaca Press, Jean‑Michel Psaila, erklärte, SalamPix habe „unsauber“ gearbeitet.
Herkunft der Bilder und Verbindungen
Nach Angaben der französischen Agentur hatte ein iranischer Fotograf zugegeben, Bilder über eine Plattform der paramilitärischen Einheit IRGC (Pasdaran) eingespeist zu haben, ohne diese Herkunft kenntlich zu machen. Die IRGC verfügen über eigene Geheimdienststrukturen und einen umfangreichen Propagandaapparat; Menschenrechtsorganisationen machen sie mitverantwortlich für die harte Niederschlagung der jüngsten Proteste im Iran. Schätzungen zu den Todesopfern der Repression reichen in Berichten derzeit von mehr als 7.000 bis zu 36.500 Zivilisten.
Frühere Fälle und Auslöser der Recherche
- Dieser Vorfall reiht sich in frühere Beispiele ein: So hatte die regierungsnahe Tehran Times bereits ein angebliches Satellitenbild der Zerstörung eines US‑Radars in Katar veröffentlicht, das später als KI‑manipuliertes Google‑Earth‑Bild enttarnt wurde.
- Den unmittelbaren Anstoß zur aktuellen Recherche gab die niederländische Agentur ANP, die zuvor rund 1.000 SalamPix‑Bilder gesperrt hatte; auch RTL Niederlande berichtete darüber.
Position der Medien
Der Spiegel betont, dass KI‑generierte Bilder in der journalistischen Berichterstattung ein „klare[s] Tabu“ seien. Die laufenden Sperrungen und internen Prüfungen zeigen, wie sensibel Redaktionen mittlerweile auf manipulierte Bildinhalte reagieren.
Quellen
- Quelle: Der Spiegel
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




