Trotz hoher Investitionen liefern viele KI‑Systeme kaum messbare Produktivitätsgewinne.
In Kürze
- Marketing übertreibt Durchbrüche
- Firmen planen mehr Investitionen
- Sicherheits- und Jobrisiken steigen
KI-Hype: Viel Marketing, wenig Durchbruch — Experten ziehen Bilanz (Stand: Januar 2026)
Vieles, was in den letzten Jahren als Durchbruch der Künstlichen Intelligenz verkauft wurde, sieht in der Praxis anders aus. Trotz hoher Erwartungen und breiter Investitionsbereitschaft liefern aktuelle Systeme laut Fachleuten bisher kaum messbare Produktivitätsgewinne im Alltag; viele Versprechen stammen eher aus Marketingabteilungen großer Tech‑Firmen.
Was die Experten sagen
Der Google‑Chefentwickler Ray Kurzweil warnt weiter vor der sogenannten KI‑Singularität — dem hypothetischen Punkt, an dem Maschinen die menschliche Intelligenz übertreffen und sich selbstständig beschleunigt weiterentwickeln könnten. Viele Forscher und Praktiker sehen die Lage jedoch nüchterner: Karl Schmitz vom TSE Hamburg beschreibt die Lage 2025 so, dass heutige Systeme auf Grundlage großer Datenmengen vor allem wahrscheinliche, oft nützliche Antworten liefern, aber kein qualitatives Überspringen menschlicher Intelligenz erreichen. Investoren bemerken zudem häufig ausbleibende Renditen.
Unternehmen setzen trotzdem mehr Geld ein
Trotz Skepsis planen viele Firmen höhere Ausgaben für KI. Einer Horváth‑Erhebung zufolge wollen Unternehmen ihre KI‑Investitionen erhöhen:
- Industrieunternehmen: um rund 21 %
- Dienstleister: um etwa 9 %
Die Ziele dabei sind konkreter geworden:
- Weg von reinen Pilotprojekten
- hin zu Umgestaltungen von Prozessen und echten Effizienzgewinnen
Horváth betont aber zugleich, dass Technologie allein nicht ausreiche — Veränderungen müssten strukturell und prozessorientiert begleitet werden.
Der Mensch bleibt zentral
Wissenschaftlerinnen wie Uta Wilkens von der Ruhr‑Universität Bochum beobachten, dass KI heute häufig experimentell genutzt wird — eher als Vorschlagsgeber oder Inspirationsquelle denn als vollautomatische Lösung. Viele Aufgaben verlangen nach weiterhin menschlichen Fähigkeiten, weshalb Aussagen über vollständige Automatisierung vielfach verfrüht sind.
Sicherheitsrisiken wachsen
Mit der Verbreitung generativer KI steigt laut einer PWC‑Umfrage auch die Gefahr für die IT‑Sicherheit: 67 % der Sicherheitsexperten sehen durch solche Systeme eine deutlich größere Angriffsfläche. Parallel dazu berichten Studien, dass neun von zehn deutschen Unternehmen in den letzten drei Jahren Opfer von Datendiebstahl oder -missbrauch wurden; in vielen Fällen spielte KI eine Rolle — etwa beim Erstellen täuschend echter Phishing‑Nachrichten oder beim automatisierten Auswerten von gestohlenen Daten.
Konkrete Folgen für Beschäftigung
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar: Als praktisches Beispiel prüft eine Tochtergesellschaft der Allianz, einfache Kundenanrufe verstärkt technisch zu beantworten. Dabei plant das Unternehmen, in den nächsten 12–18 Monaten zwischen 1.500 und 1.800 Stellen, vor allem in Callcentern, abzubauen. Das Management gibt an, aktiv zu analysieren, wie der technologische Wandel Beschäftigte und Abläufe betrifft.
Investitionsbereitschaft versus praktische Erfolge
Kurzfristig zeigen die Zahlen: Großes Interesse und Mittel für KI sind vorhanden, die bisherigen praktischen Erfolge sind jedoch begrenzt, die Nutzung oft experimentell, und Risiken — vor allem im Bereich IT‑Sicherheit und bei Beschäftigung — treten bereits spürbar auf.
Quellen
- Quelle: Horváth / PWC / Allianz Partners
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




