Acht Monate KI‑Einsatz in einem US‑Team: Produktivität stieg, doch Arbeitsrhythmus und Gesundheit litten.
In Kürze
- Produktivität und erledigte Aufgaben nahmen deutlich zu
- Pausen fielen weg, Multitasking und Arbeitszeiten stiegen
- Müdigkeit und Burnout‑Risiko wuchsen; Firmen sollten Nutzungsregeln setzen
Stell dir vor, ein US‑Tech‑Unternehmen gibt seinen rund 200 Mitarbeitenden acht Monate lang KI‑Werkzeuge an die Hand — und misst, was passiert. Eine Feldstudie der Berkeley Haas School of Business hat genau das getan (April–Dezember 2025) und Zwischenergebnisse im Harvard Business Review veröffentlicht. Ergebnis: Die Produktivität stieg messbar an, aber zugleich tauchten neue Risiken für Gesundheit und Arbeitsorganisation auf.
Wie die Studie lief
Forscher:innen begleiteten das Unternehmen über acht Monate und dokumentierten Arbeitsverhalten, Zeitaufwand und Selbstwahrnehmung der Beschäftigten. Im Fokus standen Interaktionen mit KI‑Assistenten, die in Form von Chat‑Interfaces Aufgaben unterstützen und Rückmeldungen geben.
Was die KI antrieb — und wie
Kurzfristig profitierten Mitarbeitende deutlich: Sie arbeiteten schneller, übernahmen mehr Aufgaben und dehnten ihre Arbeitszeit häufig freiwillig aus. Die KI‑Feedbackschleifen beschleunigten Abläufe und erhöhten die Menge an erledigter Arbeit.
Gleichzeitig veränderte sich der Arbeitsrhythmus. Natürliche Pausen fielen häufiger weg, Mitarbeitende schalteten öfter zwischen Aufgaben hin und her — angetrieben durch ständige Rückmeldungen und eine wachsende Aufgabenliste. Die Chat‑Form der Kommunikation machte das Ganze noch intensiver: Gespräche mit der KI fühlten sich wie Plaudern an und verwischten die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Das senkte die Hemmschwelle, auch früh morgens oder spät abends noch zu arbeiten.
Die Kehrseite: Belastung und Ermüdung
Nach der anfänglichen Begeisterung zeigte sich bei vielen eine schleichende Zunahme von Belastungssymptomen. Befragte berichteten über stärkere Ermüdung, nachlassende Entscheidungsfähigkeit und eine erhöhte Burnout‑Gefahr. Solche Effekte können langfristig die Fluktuation erhöhen — und damit die vermeintlichen Produktivitätsgewinne wieder schmälern.
Auch Führungskräfte gerieten an Grenzen: Viele taten sich schwer einzuschätzen, welche Produktivitätszuwächse echt und nachhaltig sind und welche lediglich eine kurzfristige Intensivierung der Arbeit darstellen.
Was die Forschenden raten
Die Autor:innen empfehlen Unternehmen, klare Regeln für den Einsatz von KI zu definieren — etwa zeitliche Grenzen für die Nutzung oder Vorgaben, wann Aufgaben nicht automatisch ausgeweitet werden dürfen. Entscheidungen über eine Ausweitung von Aufgaben sollten bewusst getroffen werden und nicht der spontanen Selbstorganisation überlassen bleiben. Nur mit Zeit und Disziplin lasse sich eine tragfähige Balance herstellen, die Produktivität steigert, ohne die Gesundheit zu opfern.
Quellen
- Quelle: Berkeley Haas School of Business
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




