Google‑KI zeigt Antworten direkt – deutsche Sites verlieren Klicks.
In Kürze
- ~265M Aufrufe/Monat
- CTR 27%→11%
- Top‑Verlierer: Wikipedia, Gesundheit, Familie
Seit Mai 2025 zeigt Google in Deutschland sogenannte KI‑Übersichten: kurze, von Künstlicher Intelligenz erstellte Antwortkästen direkt auf der Suchergebnisseite. Eine Analyse von Sistrix, die bei Meedia veröffentlicht wurde, geht davon aus, dass deutsche Websites dadurch monatlich rund 265 Millionen Seitenaufrufe verlieren.
Was die Zahlen sagen
Sistrix wertete 100 Millionen Keywords aus und stellte fest: Bei etwa 20 Prozent der Suchanfragen erscheint inzwischen eine KI‑Übersicht. Dort fällt die Click‑Through‑Rate (CTR) von zuvor 27 Prozent auf 11 Prozent. Über alle untersuchten Keywords hinweg errechne sich ein durchschnittlicher Traffic‑Verlust von 6,6 Prozent.
Welche Seiten besonders betroffen sind
Die größten relativen Verluste melden Seiten zu Familie & Baby, Gesundheit sowie Haus & Garten (jeweils mehr als 20 Prozent Rückgang). Nachrichtenseiten liegen im Schnitt bei −7,4 Prozent. Rezepte sind mit −1,1 Prozent kaum betroffen — offenbar weil Nutzer Schritt‑für‑Schritt‑Anleitungen weiterhin auf die Quellen klicken.
Absolute Verluste (Auswahl):
- Wikipedia — geschätzte 31,6 Millionen weniger Klicks pro Monat
- DocCheck
- AOK‑Webseiten
- ADAC
- Pons
Unter den Top‑10 der größten Verlierer ist nur eine Medienseite (NDR).
Reaktionen aus Journalismus und Verbänden
Mehrere Medienverbände — darunter BDZV, Vaunet und der Deutsche Journalisten‑Verband — haben bei der Bundesnetzagentur Beschwerde eingelegt. Sie berufen sich auf den Digital Services Act (DSA) der EU und sehen in den KI‑Antworten ein Konkurrenzprodukt zu journalistischen Inhalten, das Medien Reichweite und damit Werbeeinnahmen entzieht. Vaunet‑Chefin Daniela Beaujean bezeichnete die KI‑Antworten als „Traffic‑Killer“. Kritisiert werden außerdem mangelnde Transparenz und Fälle, in denen die KI fehlerhafte oder erfundene Inhalte liefere.
Gutachten und Folgen für Medienvielfalt
Ein Gutachten von Dirk Lewandowski (HAW Hamburg) beschreibt die strukturelle Veränderung: Suchmaschinen würden sich von reinen Verzeichnissen zu Erzeugern eigener Informationsstücke wandeln, die Inhalte aus mehreren Quellen zusammenziehen. Für viele Anbieter ist Suchmaschinen‑Traffic zentral: Die organische Suche liefert je nach Portal zwischen 17,1 Prozent (kicker.de) und 59,2 Prozent (fr.de) des Traffics. Studien zeigen für einzelne Anbieter Traffic‑Rückgänge zwischen etwa 18 Prozent und über 50 Prozent. Das Gutachten warnt, dass bei ausbleibender Refinanzierung Informations‑ und Meinungsvielfalt im Netz leiden könnten.
Googles Antwort und die fachliche Kritik
Google argumentiert, die KI‑Antworten eröffneten neue Wege, Inhalte zu finden; Nutzer würden öfter suchen und mehr Websites besuchen, und Links in den KI‑Antworten würden mehr Klicks erhalten als dieselben Links in klassischen Suchergebnissen. Lewandowski kritisiert die Methodik dieser Behauptungen: Ein aussagekräftiger Vergleich müsse die in den KI‑Antworten stehenden Links direkt mit den Top‑Platzierungen in den konventionellen Ergebnissen vergleichen. Mittelwerte reichten hier nicht, weil Klicks stark auf obere Positionen konzentriert seien.
Unterschiede zwischen Anbietern und Darstellungswirkung
- Google und Bing: integrieren KI‑Antworten in die klassische Trefferliste.
- Perplexity: zeigt ausschließlich KI‑Antworten.
- ChatGPT: gibt je nach Abfrage manchmal Quellen an, manchmal nicht.
Die optische Platzierung ist entscheidend: KI‑Antworten erscheinen prominent am Seitenanfang und drücken die traditionellen Treffer nach unten. Bei Google sind sie in einem blau unterlegten Kasten mit Quellen rechts, bei Bing in farbigen Kästen innerhalb der Trefferliste — Fläche und Design beeinflussen die Wahrnehmung deutlich zugunsten der KI‑Antworten.
Was das praktisch für dich bedeutet
- Als Nutzer: Antworten kommen oft schneller und direkt auf der Suchseite, du musst nicht zwingend eine externe Seite aufrufen.
- Für Betreiber von Websites und journalistische Angebote: sinkende Klickzahlen bedeuten weniger Reichweite und potenziell geringere Werbeeinnahmen — mit möglichen Folgen für Angebot, Finanzierung und Vielfalt im Netz.
Quellen
- Quelle: Google
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




