Google leitet Fi-Anrufe seit 22.12.2025 über KI-Server — standardmäßig an.
In Kürze
- Aktiv für iPhone & Android R+
- Opt-out in Fi-App
- Zugriff/Speicherung offen
Google leitet Anrufe von Fi Wireless jetzt über eigene KI-Server — Standardmäßig an, Opt-out möglich
Google hat stillschweigend eine Änderung bei seinem US-Mobilfunkdienst Fi Wireless aktiviert: Seit dem 22. Dezember 2025 werden Telefonate von Fi-Kundinnen und -Kunden mit iPhones sowie Android-Geräten ab Android R über Google-Server geleitet, wo eine KI den Ton bearbeitet. Ziel laut Google: Hintergrundgeräusche unterdrücken und die Sprache verstärken.
Was genau passiert und wie du reagieren kannst
- Automatisch eingeschaltet: Die Funktion ist standardmäßig aktiv. Wenn du Kund:in von Fi bist, läuft das Feature ohne weiteres Zutun.
- Ausschalten möglich: Du kannst die Tonbearbeitung in der Fi-App deaktivieren. Android-Nutzende sehen darüber hinaus während eines Anrufs einen Hinweis, dass die KI-Tonbearbeitung läuft.
- Unklarheiten beim Opt-out: Nicht klar ist, ob ein ausgeschaltetes Feature nur die hörbare Bearbeitung stoppt oder ob die Anrufe trotzdem weiterhin über die KI-Server geleitet werden — dann vielleicht ohne hörbaren Eingriff. Ebenso offen bleibt, was passiert, wenn nur eine Gesprächspartnerin oder ein Gesprächspartner die Funktion deaktiviert hat.
Was Google dazu sagt — und was nicht
Heise online hat Google mehrfach um Auskunft gebeten, bekam nach eigenen Angaben keine Antworten. Die offiziellen Google-Richtlinien nennen lediglich allgemein, dass Google „Sprach- und Tondaten“ sammeln und nutzen darf, liefern aber keine konkreten Details zur neuen Echtzeit-Tonbearbeitung oder zur Datenverarbeitung in diesem Kontext.
Datenschutz und mögliche Risiken
Die Umleitung der Gespräche über KI-Server wirft mehrere datenschutzrechtliche Fragen auf:
- Identifikation und Analyse: Theorie: Die KI könnte Stimmmerkmale zur Identifikation nutzen oder Gesprächsinhalte analysieren. Solche Analysen würden theoretisch die Möglichkeit eröffnen, Informationen für gezielte Werbung zu nutzen oder relevante Hinweise an Behörden weiterzuleiten. Konkrete Belege für solche Nutzungen gibt es derzeit nicht.
- Speicherung und Zugriff: Es ist unklar, wie lange Gesprächsdaten gespeichert werden und wofür sie sonst verwendet werden. Daten, die länger als 180 Tage aufbewahrt werden, können für US-Behörden leichter zugänglich werden.
- Wer hat Zugriff?: Offen bleibt, wer innerhalb von Google oder bei Drittanbietern Zugriff auf die verarbeiteten Audiodaten hat.
Rechtliche Fragen
- Abhören oder nicht?: Ob die KI-Verarbeitung rechtlich als „Abhören“ gilt, ist nicht eindeutig. US-Bundesstaaten regeln dies unterschiedlich: Einige verlangen die Zustimmung aller Gesprächsteilnehmer, andere nur die Zustimmung einer Partei. Dass Google die Funktion automatisch aktiviert und nur ein Opt-out anbietet, könnte in Regionen mit All-Party-Konsenspflicht Fragen aufwerfen.
- Schutz vor staatlichem Zugriff: Der vierte Zusatzartikel der US-Verfassung schützt vor staatlicher Durchsuchung, bietet aber nach gängiger Auslegung wenig Schutz, wenn Nutzer Daten freiwillig an Dritte weitergeben. Google agiert als virtueller Mobilfunkanbieter (MVNO) und unterliegt damit besonderen Pflichten — allerdings werden die Gespräche nun über Systeme geleitet, die formal nicht zwingend für die Verbindung nötig wären. Das wirft zusätzliche rechtliche und datenschutzrechtliche Bedenken auf.
Offene Punkte, die bisher ungeklärt sind
- Betreffen die Änderungen auch internationale Verbindungen?
- Wie lange werden Gesprächsdaten gespeichert, und gibt es Löschfristen?
- Werden die Daten zu Trainingszwecken, für Produktverbesserungen oder Werbung genutzt?
- Was passiert praktisch, wenn nur eine Seite die KI-Tonbearbeitung abschaltet?
Hintergrund zu Fi Wireless
Fi Wireless (früher Google Fi / Project Fi) gibt es seit knapp elf Jahren. Der Dienst ist ein virtueller Mobilfunkanbieter, der die Netze anderer Betreiber nutzt, um eine breite Abdeckung anzubieten. Fi ist für flexible Billing-Optionen bekannt — etwa die Möglichkeit, die Gebühren vorübergehend auszusetzen, ohne die Nummer zu verlieren. Neu ist außerdem, dass Fi-Mobilfunkrechnungen jetzt eine KI-erstellte Zusammenfassung der Rechnung enthalten.
Die Faktenlage bleibt dünn, Google schweigt zu vielen Details. Die Umstellung betrifft Nutzer:innen in den USA mit bestimmten Geräten, viele datenschutz- und rechtliche Fragen sind aber noch offen.
Quellen
- Quelle: Google
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




