Berichte nennen 46 Fälle mutmaßlichen Missbrauchs von Flock-Kameras. Firma kürzt Speicher, Kritik bleibt.
In Kürze
- 46 gemeldete Missbrauchsfälle
- Standard-Speicherzeit gesenkt von 30 auf 7 Tage
- ‚Evidence Mode‘ erlaubt längere Aufbewahrung
Flock Safety unter Druck: Vorwürfe wegen Missbrauchs von Überwachungstechnologie
Was die Washington Post berichtet
Eine Recherche der Washington Post listet 46 Fälle auf, in denen Polizeibeamte Flock-Technik offenbar für unerlaubte Zwecke eingesetzt haben sollen.
- gezieltem Nachstellen und Überwachen von Ehepartnern
- Beobachtung von Freundinnen
- Einsätzen gegen Ex-Partner
Die Fälle haben öffentliche Empörung ausgelöst und werfen Fragen zur Kontrolle und Nutzung der gesammelten Daten auf.
Reaktion des Flock-CEOs
Garrett Langley, CEO von Flock Safety, entschuldigte sich öffentlich bei einem mutmaßlichen Opfer und sagte, ihn mache der Bericht sehr betroffen. Gleichzeitig betonte er, dass Flock die Technologie nicht geschaffen habe, um Missbrauch zu verursachen, sondern dass seine Werkzeuge Missbrauch sichtbar machen und helfen könnten, ihn aufzudecken.
Politischer Gegenwind von links und rechts
Kritik an Flock kommt quer durchs politische Spektrum.
- Der demokratische Kandidat Abdul El-Sayed warf einem politischen Gegner vor, die Verbreitung solcher Kameras zu unterstützen.
- Senator Bernie Sanders forderte ein Ende von „AI-Mass Surveillance“.
- Drei republikanische Abgeordnete legten zudem einen Gesetzentwurf vor, der dem Bund den Kauf automatisierter Überwachungssysteme verbieten würde, darunter:
- Gesichtserkennung
- biometrische IDs
- Kennzeichenerkennung — ausdrücklich inklusive Flock-Kameras
Änderungen bei Flock
Als Reaktion auf die Vorwürfe senkte Flock die standardmäßige Datenspeicherzeit seiner Kameras und führte zusätzliche Zugangsvoraussetzungen ein.
- Verringerung der Standardspeicherzeit von 30 auf 7 Tage.
- Einführung der Anforderung eines Fallcodes, bevor auf gespeicherte Daten zugegriffen werden kann.
- Diese Voreinstellungen lassen sich jedoch umgehen: Eine Funktion namens „Evidence Mode“ erlaubt eine verlängerte Aufbewahrung von Daten.
Bewertung durch die ACLU
Die American Civil Liberties Union (ACLU) begrüßt die angekündigten Schritte nur teilweise. Die Organisation hätte eine deutlichere Verkürzung der Speicherdauer auf 48 Stunden empfohlen und warnt, dass die praktische Wirkung der Änderungen stark davon abhängt, wie „Evidence Mode“ tatsächlich genutzt und kontrolliert wird.
Flock fordert mehr Regeln — und Strafbarkeit für illegalen Gebrauch
Langley plädiert dafür, den illegalen Gebrauch von Flock-Daten strafbar zu machen, und spricht sich allgemein für mehr staatliche Regeln sowie Verantwortlichkeit im Umgang mit solchen Technologien aus. Das Unternehmen positioniert sich damit als Befürworter zusätzlicher rechtlicher Rahmenbedingungen.
Wie es weitergeht
Die Diskussion bleibt offen: TechCrunch kündigte an, Garrett Langley im Oktober auf der Disrupt-Konferenz zu diesen Themen zu befragen. Die Kontroverse zeigt, wie eng technische Möglichkeiten, polizeiliche Praxis und gesetzgeberische Fragen inzwischen verflochten sind — und dass die Auseinandersetzung um Regeln und Kontrolle voraussichtlich weitergeht.
Quellen
- Quelle: Flock Safety
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




