In Fabula Rasa überlebst du nicht mit Waffen, sondern mit Gesprächskunst. KI-gesteuerte Figuren improvisieren und verändern jede Runde.
In Kürze
- Dialogbasiertes VR-Spiel, bei dem Überreden die zentrale Mechanik ist
- Anthropics Claude, ChatGPT, ElevenLabs und Convai steuern Figuren und Stimmen
- Demo für Meta Quest verfügbar, kommerzielle Fassung geplant für Ende 2026
Stell dir vor, du wachst in einem Kerker auf — und deine einzige Chance zu überleben ist, mit Worten zu überreden. Genau das ist die Ausgangslage von Fabula Rasa, einer frühen VR-Erfahrung des brasilianischen Studios Arvore. Statt Schwertern oder Schaltern sind hier rhetorisches Geschick und Improvisation die Steuerbefehle.
Wie das Spiel funktioniert
Du führst Gespräche mit Figuren wie einer Hexe, einer Bardin oder einem Vollstrecker und sollst sie davon überzeugen, beim König für dich einzutreten, damit du nicht hingerichtet wirst. Die künstlichen Gesprächspartner greifen dabei Namen, Berufe und frühere Aussagen auf, stellen follow-up Fragen und reagieren mit individuellen Persönlichkeiten — nicht mit vorgefertigtem NPC-Standarddialog. Gespräche sind die zentrale Spielmechanik: Je nachdem, welche Rolle du einnimmst, unterscheiden sich zwei etwa 30-minütige Durchläufe deutlich. Weil die Szene in eine erzählerische Struktur eingebettet ist, verliert das Geschehen nicht beliebig den Faden.
Inspiration und Inszenierung
Arvore orientierte sich am Improvisationstheater: Die Entwickler wollen weniger das klassische Game-Steuern als das Gefühl eines Live-Auftritts vermitteln. Optisch setzt Fabula Rasa auf eine märchenhaft-cartoonhafte Ästhetik, die die düstere Prämisse abmildert und die theatralische Inszenierung betont. Für das Verhalten der KI-Figuren arbeitete das Team mit einem Improvisationskomiker zusammen, um typische Reaktionsmuster in die Modelle einzuspeisen.
Welche KI-Systeme steuern die Figuren
- Anthropics Claude steuert Persönlichkeit, Dialoge und spontane Reaktionen.
- ElevenLabs erzeugt die Stimmen per Sprachsynthese.
- ChatGPT übernimmt die Rolle eines „KI-Regisseurs“, also die Koordination von Handlung, Kontext und Zustand der Spielwelt.
- Convai verbindet diese Systeme mit den eigentlichen Spielmechaniken und fungiert als technischer „Klebstoff“.
Stärken, Schwächen, Potenzial
Tester berichteten von Momenten, in denen Gespräche nahezu natürlich wirkten und dadurch die Immersion stärkten. Gleichzeitig treten, wie bei vielen Projekten dieser Art, gelegentlich lange Pausen nach Äußerungen auf — eine Störung für den Spielfluss. Als Lösung wird vorgeschlagen, KI-Modelle lokal auf dem Headset laufen zu lassen, um Latenzen zu verringern.
Arvore und Beobachter sehen Möglichkeiten für neue Spielkonzepte: Verhör-orientierte Detektivspiele, verhandlungsbasierte Rollenspiele oder Survival-Szenarien, in denen du Gruppen mit Worten zusammenhältst. Ein Testspieler ohne viel Spielerfahrung zeigte sich laut Bericht begeistert; solche Dialogmechaniken könnten außerdem Spieler:innen ansprechen, die klassische Action-Mechaniken weniger mögen.
Status und Verfügbarkeit
Fabula Rasa lief bereits auf Festivals wie SXSW und gewann dort einen Publikumspreis. Die Entwicklung begann für PC-VR, es existiert auch eine Demo für die Meta Quest, die noch weiter optimiert wird. Eine kommerzielle Version ist für Ende 2026 geplant. Die Demo lief bislang nur in Englisch; die angekündigte PC-Fassung soll zusätzlich Französisch, Portugiesisch und Spanisch unterstützen. Eine deutsche Sprachoption ist zum Start nicht vorgesehen.
Quellen
- Quelle: Arvore
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




