EU zwingt Google: Android öffnet System für Dritt‑KI

17.07.2026 | Allgemein, KI

EU: Android muss Dritt‑KI wie Gemini tief ins System lassen.

In Kürze

  • Wake‑Word, Screen‑Context, Hintergrund
  • DSGVO & Security
  • Fristen 02/27–08/28

Die EU zwingt Google, Android für fremde KI‑Assistenten deutlich zu öffnen — und macht damit Platz für Konkurrenz zu Gemeni

Die EU hat entschieden, dass Google Drittanbieter‑KI auf Android tief ins System integrieren muss. Ab Android 18 sollen fremde Assistenten denselben Zugriffs‑ und Funktionsumfang bekommen wie Googles eigener KI‑Assistent Gemini. Ziel der Maßnahme ist, eine Dominanz von Gemini auf Android zu verhindern und Drittanbietern faire Chancen zu geben.

Warum die EU einschreitet

Android gilt seit 2023 nach dem Digital Markets Act (DMA) als sogenannter „Gatekeeper“ — also als Plattform mit besonderer Marktmacht. Die EU‑Kommission will durch technische Regeln sicherstellen, dass Google nicht seine eigene KI‑Lösung gegenüber Konkurrenten bevorzugt.

Welche Systemzugriffe Drittanbieter erhalten sollen

Die Vorgaben verlangen, dass Drittanbieter‑Chatbots unter den gleichen Bedingungen arbeiten können wie Gemini. Konkret geht es um:

  • Aktivierungswort: Drittanbieter sollen eigene Wake‑Wörter verwenden können (also ein „Hey…“ oder Ähnliches).
  • Sprachaktionen: Assistenten dürfen per Sprachbefehl Aktionen ausführen, etwa Essen bestellen oder Fahrdienste anfordern.
  • Bildschirmkontext: Drittanbieter‑KIs sollen Inhalte des Bildschirms auslesen und zur Kontextualisierung nutzen dürfen.
  • Hintergrundbetrieb und Multistep‑Aufgaben: Assistenten sollen im Hintergrund laufen, auf andere Apps zugreifen und mehrstufige Abläufe eigenständig abwickeln (finden → buchen → bestätigen).

Damit will die EU sicherstellen, dass Anbieter wie OpenAI oder Perplexity auf Android echte Alternativen zu Gemeni anbieten können — nicht nur oberflächliche Chat‑Apps.

Datenschutz und Sicherheit

Drittanbieter müssen die einschlägigen EU‑Vorschriften einhalten, insbesondere die DSGVO und Regeln aus dem Gesetz zur Cyber‑Resilienz. Nutzer sollen per Einwilligung festlegen, welche KI‑Dienste auf welche Gerätefunktionen zugreifen dürfen. Google darf objektive, nicht diskriminierende Zugangskriterien verlangen — etwa Mindestanforderungen an Datenschutz oder Sicherheit — darf aber keine zusätzlichen kommerziellen Hürden aufbauen. Unabhängige Dritte sollen bestätigen, dass eine Drittanbieter‑App die Sicherheitskriterien erfüllt.

Wichtige Termine

  • 1. Februar 2027: Google muss einen Entwurf der Zulassungsbedingungen zur Konsultation veröffentlichen.
  • 1. Mai 2027: Finale Bedingungen veröffentlichen; ab diesem Datum werden Zertifizierungsanträge angenommen.
  • Zertifizierungsentscheidung: Innerhalb von vier Wochen nach Antragstellung.
  • Juli 2027: Nutzer sollen erste Effekte der Änderungen spüren.
  • 1. August 2027: Google muss die Vorgaben in Android 18 umgesetzt haben.
  • 1. August 2028: Android 19 muss Unterstützung für gleichzeitige Aktivierungswörter bieten (mehrere KIs per Sprachbefehl auslösen).

Wie die Beteiligten reagieren

EU‑Vertreter betonen, die Vorgaben förderten Wettbewerb, Vielfalt und Nutzerwahl, ohne die Privatsphäre zu schwächen. Google warnt gleichzeitig, die Regeln könnten bestehende Schutzmechanismen gefährden; das Unternehmen hat angedeutet, rechtlich gegen Teile der Vorgaben vorzugehen. Apple verfolgt offenbar einen anderen Ansatz in der EU: Der neue Siri‑KI‑Dienst soll zunächst nicht in der EU angeboten werden, und Apple hat Funktionen wie iPhone‑Mirroring seit 2024 blockiert, um die Öffnung von iOS zu vermeiden.

Was jetzt ansteht

Google muss die technischen und organisatorischen Vorgaben in den kommenden Android‑Versionen einbauen und Zulassungsprozesse für Drittanbieter einrichten. Gleichzeitig bleibt Raum für rechtliche Auseinandersetzungen — und für Nutzer: bald mehr Auswahl, sofern die neuen Regeln umgesetzt werden.

Quellen

  • Quelle: EU-Kommission
  • Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
  • Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.

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