EU zwingt Google: Android für Dritt‑KIs öffnen — gleiche APIs wie Gemini

17.07.2026 | Allgemein, KI

Die EU verlangt, dass Drittanbieter‑KIs auf Android abgekoppelt von Gemini dieselben Rechte und Schnittstellen erhalten.

In Kürze

  • Drittanbieter sollen Aktivierungswort, Bestellungen, Bildschirmzugriff und Hintergrundfunktionen nutzen dürfen
  • Entwurf bis Feb 2027, Nutzer sollen ab Juli 2027 profitieren, Umsetzung bis Aug 2027
  • DSGVO, Einwilligung und unabhängige Prüfungen sollen Sicherheit sichern; Google droht mit Klage

Die EU zwingt Google, Android für fremde KI-Assistenten zu öffnen — und zwar richtig.

Drittanbieter sollen ab Android 18 dieselben Zugriffsrechte und Schnittstellen bekommen wie Googles eigener Assistent Gemini, damit Gemini nicht automatisch zur dominierenden Plattform wird.

Was genau verlangt wird

Die Vorgaben verpflichten Google dazu, Drittanbieter-KIs auf Android die gleichen Funktionen und APIs zuzugestehen wie Gemini. Konkret bedeutet das unter anderem:

  • Start per Aktivierungswort (also „Hey, KI“ für andere Assistenten möglich machen),
  • Ausführen von Bestellungen per Sprachbefehl (Essen, Fahrdienste usw.),
  • Erfassen und Auswerten des sichtbaren Bildschirmkontexts,
  • Im Hintergrund laufen und auf andere Apps zugreifen,
  • Autonome, mehrstufige Aufgaben (Agenten-Funktionen), die mehrere Schritte selbstständig organisieren und abarbeiten.

Ziel ist, dass Anbieter wie OpenAI oder Perplexity Android genauso als Plattform für eigene KI‑Dienste nutzen können wie Google.

Termine und Prüfverfahren

  • Google muss einen Entwurf für ein Zulassungsprogramm bis zum 1. Februar 2027 veröffentlichen; die finalen Bedingungen sind bis zum 1. Mai 2027 festzulegen.
  • Ab dem 1. Mai 2027 können Zertifizierungsanträge gestellt werden; die Prüfung soll innerhalb von vier Wochen erfolgen. Für Nicht-KI‑Dienste gibt es ein separates Verfahren.
  • Nutzer sollen ab Juli 2027 die Änderungen praktisch nutzen können.
  • Die Anforderungen müssen mit Android 18 umgesetzt sein, spätestens bis zum 1. August 2027. Die Erkennung mehrerer gleichzeitiger Aktivierungswörter ist für Android 19 vorgesehen, mit Frist bis 1. August 2028.
  • Google behält sich rechtliche Schritte gegen die Vorgaben vor.

Sicherheit, Datenschutz und Kontrolle

Die EU betont, dass Drittanbieter keinen unkontrollierten Tiefenzugriff aufs System erhalten dürfen. Maßgeblich sind die DSGVO und das Gesetz zur Cyber-Resilienz. Wichtige Punkte:

  • Nutzer sollen per Einwilligung festlegen können, welche KI‑Dienste welche Gerätefunktionen nutzen dürfen.
  • Google darf in Ausnahmefällen objektive, nichtdiskriminierende Zugangsvoraussetzungen formulieren, um sensible Funktionen zu schützen — kommerzielle Zusatzanforderungen sind jedoch untersagt.
  • Unabhängige Dritte sollen bestätigen, dass eine Drittanbieter-KI die Sicherheitskriterien erfüllt.

Stimmen aus Brüssel und aus Mountain View (und Cupertino)

EU-Vertreter sagen, die Regeln sollen fairen Wettbewerb und mehr Wahlmöglichkeiten für Nutzer in der EU fördern und Innovation anregen.

Google warnt, die Maßnahmen könnten Schutzmechanismen für Privatsphäre und Sicherheit von Millionen Europäern untergraben und kritisiert, die Entscheidungen würden Belege für mögliche Schäden ignorieren. Google hebt hervor, dass Gerätehersteller bislang eine Rolle bei Sicherheitsprüfungen gespielt hätten.

Apple reagiert offenbar zurückhaltend: Der neue Siri‑AI‑Assistent wird vorerst nicht in der EU angeboten; Apple und die EU stehen in Dialog, konkrete Ergebnisse sind noch offen. Apple hatte bereits seit 2024 bestimmte iOS‑Funktionen (etwa iPhone‑Mirroring), die für eine Öffnung nötig wären, eingeschränkt.

Was das für dich und den Markt bedeutet

Für Nutzer bedeutet die Regulierung potenziell mehr Auswahl an KI‑Assistenten auf Android-Geräten. Für Entwickler öffnet sich ein großer Markt — allerdings nur, wenn Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen eingehalten werden.

Quellen

  • Quelle: EU-Kommission
  • Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
  • Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.

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