EU zwingt Google: Android für Dritt‑KI wie Gemini öffnen

17.07.2026 | Allgemein, KI

EU verlangt, dass Drittanbieter-KI auf Android dieselben Zugriffe wie Googles Gemini bekommen — mit Zertifizierung und festen Fristen.

In Kürze

  • Dritt‑KI ab Android 18 gleiche Schnittstellen
  • Zeitplan: Entwurf Feb 2027, Einsatz ab Juli 2027
  • Datenschutz bleibt verpflichtend; Google droht Klage

Die EU hat Google verpflichtet, Android für KI-Assistenten von Drittanbietern ausdrücklich zu öffnen. Konkret verlangt die Kommission, dass fremde KI-Apps ab Android 18 die gleichen Zugriffsrechte und Schnittstellen bekommen wie Googles eigener Assistent Gemini — gestützt auf den Digital Markets Act (DMA), der Android seit 2023 als „Gatekeeper“ mit besonderen Pflichten einstuft.

Hintergrund der Entscheidung ist das Ziel, zu verhindern, dass Gemini die dominierende KI-Plattform auf Android wird. Die EU will so Wettbewerb, Vielfalt und Auswahl für Nutzer stärken.

Was Drittanbieter künftig dürfen müssen

Drittanbieter-KI sollen nicht bloß als installierbare Apps existieren, sondern denselben Funktionsumfang bekommen wie Gemini. Das umfasst unter anderem:

  • Start per Aktivierungswort (z. B. „Hey …“),
  • Ausführung mehrstufiger Aufgaben in Eigenregie (etwa eine Bestellung komplett abwickeln),
  • Auslösen von Bestellungen für Essen oder Fahrdienste per Sprachbefehl,
  • Erfassen und Analysieren des Bildschirmkontexts,
  • Dauerbetrieb im Hintergrund mit Zugriff auf andere Apps, um Aufgaben zu erledigen.

Das Ziel: Android als Plattform für vollwertige KI-Assistenten öffnen — Anbieter wie OpenAI oder Perplexity könnten so ähnliche Integrationen anbieten wie Google.

Datenschutz und Sicherheit bleiben verbindlich

Alle bestehenden EU-Regeln zum Datenschutz und zur Cybersicherheit bleiben gelten, vor allem die DSGVO und das Gesetz zur Cyber-Resilienz. Nutzer sollen über Einwilligungen steuern können, welche KI welche Funktionen nutzen darf. Google darf in Ausnahmefällen objektive und nichtdiskriminierende Zugangsvoraussetzungen festlegen, um besonders sensible Funktionen zu schützen — etwa Anforderungen an Datenschutz oder Sicherheit — jedoch keine zusätzlichen kommerziellen Bedingungen vorschreiben.

Zertifizierung und Zeitplan

Die Kommission verlangt unabhängige Prüfungen: Dritte sollen bestätigen, dass eine Drittanbieter-KI die Sicherheitskriterien erfüllt. Der Zeitplan ist recht konkret:

  • Bis 1. Februar 2027 muss Google einen Entwurf der Bedingungen für das Zulassungsprogramm vorlegen,
  • Bis 1. Mai 2027 die finalen Bedingungen,
  • Ab 1. Mai 2027 sollen Anträge auf Zertifizierung angenommen werden.

Jede Zertifizierungsprüfung muss binnen vier Wochen abgeschlossen sein. Nutzer sollen ab Juli 2027 erste Vorteile sehen. Technisch müssen die Maßnahmen in Android 18 bis spätestens 1. August 2027 umgesetzt sein; die Erkennung mehrerer Aktivierungswörter (damit mehrere KI-Dienste per Sprache starten können) ist für Android 19 bis 1. August 2028 vorgesehen.

Reaktionen von EU, Google und Apple

Die EU-Kommission betont, die Vorgaben förderten Innovation und fairen Wettbewerb in der Union. Google warnt dagegen, die Regeln könnten Privatsphäre und Gerätesicherheit gefährden und wichtige Schutzmechanismen untergraben; das Unternehmen weist darauf hin, dass Drittanbieter bereits sicheren Zugriff auf Funktionen hätten und Hersteller Apps prüften. Google kündigt an, rechtlich gegen die Vorgaben vorgehen zu können.

Apple hält sich bislang zurück: Der neue Siri-AI-Assistent wird zunächst nicht in der EU angeboten. Apple und die EU stehen in Dialog; Apple hatte seit 2024 bereits einzelne iOS-Funktionen — etwa iPhone-Mirroring — blockiert, die eine Öffnung des Systems erforderlich gemacht hätten.

Was das für Nutzer und Wettbewerber bedeutet

Kurzfristig bedeutet das eine rechtliche Verpflichtung für Google mit klaren technischen und zeitlichen Vorgaben. Für Nutzer könnten ab Mitte 2027 alternative KI-Assistenten auf Android verfügbar werden, die vergleichbare Funktionen zu Gemini bieten. Für Drittanbieter eröffnet sich die Möglichkeit, enger in Android integriert zu arbeiten — unter Einhaltung der EU-weiten Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben.

Quellen

  • Quelle: EU-Kommission / Google
  • Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
  • Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.

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