Die EU verlangt, dass Dritt‑KI ab Android 18 dieselbe Systemintegration wie Googles Gemini erhält – inklusive Aktivierungswort, Bildschirmzugriff und Hintergrundrechte.
In Kürze
- Android 18: gleiche Schnittstellen für Dritt‑Assistenten
- Zugriffe bleiben durch DSGVO und Cyber‑Resilienz geregelt
- Fristen bis Aug 2027 (Android 18) und 2028 (Android 19)
Die EU hat eine klare Ansage an Google: Android muss für KI-Assistenten von Drittanbietern komplett geöffnet werden
Ab Android 18 sollen fremde Assistenz‑Apps die gleichen Zugriffsmöglichkeiten und Schnittstellen bekommen wie Googles eigener Assistent Gemini — inklusive tiefer Integration ins System.
Warum das passiert
Seit 2023 gilt Android unter dem Digital Markets Act (DMA) als „Gatekeeper“. Die EU-Kommission will verhindern, dass Gemini zur dominierenden Plattform auf Android wird und Konkurrenten systematisch benachteiligt. Deshalb hat die Kommission verbindliche Regeln veröffentlicht, wie Drittanbieter-KIs in Android integriert werden dürfen. Google kann gegen die Entscheidung klagen, muss sie aber umsetzen, falls sie endgültig bleibt.
Was Drittanbieter können sollen
Die Vorgaben verlangen, dass Drittanbieter‑Assistenten funktional gleichziehen mit Gemini. Konkret sollen sie in der Lage sein,
- per Aktivierungswort gestartet zu werden,
- Bestellungen (z. B. Essen, Fahrdienste) per Sprachbefehl auszuführen,
- den Bildschirminhalt zu erfassen und zu analysieren,
- dauerhaft im Hintergrund zu laufen und auf andere Apps zuzugreifen,
- agentische, mehrstufige Aufgaben autonom zu erledigen (also mehrere Schritte nacheinander ausführen und für Nutzer handeln).
Sicherheit und Datenschutz
Zugänge für Drittanbieter unterliegen den bestehenden EU‑Regeln wie der Datenschutz‑Grundverordnung (DSGVO) und dem Gesetz zur Cyber‑Resilienz. Nutzer sollen per Einwilligung kontrollieren können, welche KI auf welche Geräteelemente zugreift.
Google darf in „außergewöhnlichen Fällen“ objektive, nichtdiskriminierende Zugangsvoraussetzungen verlangen — etwa bestimmte Datenschutz‑ oder Sicherheitsstandards — darf aber keine zusätzlichen kommerziellen Bedingungen vorschreiben. Außerdem ist vorgesehen, dass unabhängige Dritte bestätigen, ob eine App die Sicherheitsanforderungen erfüllt.
Zeitplan (Kurzüberblick)
- Bis 1. Feb 2027: Google muss einen Entwurf der Zulassungsbedingungen veröffentlichen.
- Bis 1. Mai 2027: finale Bedingungen veröffentlichen; ab dann sind Zertifizierungsanträge möglich.
- Prüfungen sollen binnen vier Wochen nach Antrag abgeschlossen sein.
- Nutzer sollen ab Juli 2027 erste Auswirkungen spüren.
- Umsetzung in Android 18 spätestens 1. Aug 2027.
- Erkennung gleichzeitiger Aktivierungswörter (mehrere KI‑Dienste per Sprache starten) in Android 19 spätestens 1. Aug 2028.
Reaktionen aus Brüssel und der Industrie
Die EU‑Kommission argumentiert, die Regeln stärkten Wettbewerb, Vielfalt und Wahlmöglichkeiten bei gleichzeitigem Schutz der Privatsphäre. Google warnt, die Vorgaben könnten Privatsphäre und Gerätesicherheit gefährden; das Unternehmen betont, Hersteller würden bislang schon sensible Zugriffe kontrolliert handhaben und sieht die neuen Regeln als zu weitreichend für externe Apps.
Apple zieht sich offenbar zurück: Der neue Siri‑AI‑Assistent erscheint zunächst nicht in der EU. Apple und die Kommission stehen zwar im Dialog, aber Apple hat seit 2024 Funktionen gesperrt, die eine Öffnung von iOS nötig machen würden.
Was das für dich bedeutet
Auf EU‑Geräten kannst du künftig mehr KI‑Assistenten erwarten, die so tief in Android integriert sind wie Gemini — also mit direktem Zugriff auf Apps, Bildschirm und Geräteschnittstellen. Gleichzeitig gelten strenge Datenschutz‑ und Sicherheitsvorgaben, und Google kann unter bestimmten, objektiven Sicherheitsanforderungen Zugangsregeln setzen.
Ob und wann genau dein Gerät betroffen ist, hängt vom Android‑Update (Android 18/19) und den Umsetzungsfristen ab — und davon, ob Google rechtlich aktiv wird. Mehr Auswahl also — und wahrscheinlich bald mehr Aktivierungsworte im Alltag.
Quellen
- Quelle: EU-Kommission
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




