Der DVR setzt auf KI‑Überwachung, strengere Regeln und mehr Personal, um Ablenkung im Verkehr zu reduzieren.
In Kürze
- KI‑Monocams sollen Handy‑Nutzung im fließenden Verkehr erkennen
- Mehr Befugnisse, Drohneneinsatz und gesicherte Smartphone‑Auswertung geplant
- Strengere Alkoholgrenzen, bessere Fahrzeugbedienung und modernisierte Fahrausbildung gefordert
Monocams, Drohnen und striktere Regeln: So will der DVR Ablenkung im Verkehr bekämpfen
Beim 64. Verkehrsgerichtstag in Goslar drehte sich alles um das Ziel „Vision Zero“ — also keine Verkehrstoten — und darum, wie das in einer immer digitaleren Verkehrswelt erreicht werden kann. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert, Prävention stärker im Gesetz zu verankern und setzt große Hoffnungen auf technische Mittel und schärfere Regeln.
Mehr Überwachung durch KI: Monocams auf Brücken und Straßenseiten
Ein zentraler Streitpunkt ist der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Überwachung des fließenden Verkehrs. Der DVR empfiehlt den flächendeckenden Einsatz sogenannter Monocams: KI‑gestützte Kameras, die an Brücken oder Straßenrändern sitzen und automatisiert erkennen sollen, ob ein Fahrender ein Smartphone in der Hand hält. Rheinland‑Pfalz hat ein solches System nach Tests bereits in den Regelbetrieb genommen. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, Handy‑Verstöße effizienter zu erfassen; Kritiker warnen vor Fragen zum Datenschutz — beim Verkehrsgerichtstag wurde vor allem die technische und rechtliche Umsetzung diskutiert.
Länder planen Ausweitung der Befugnisse
In Sachsen plant die Landesregierung, der Polizei größere Befugnisse zu geben, um Handy‑Verstöße leichter verfolgen zu können. Aktuell drohen bei einem Handyverstoß 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg, die tatsächliche Durchsetzung ist jedoch oft personell aufwendig.
- Vorgeschlagen wurden technische Mittel an Unfallschwerpunkten
- der Einsatz von Drohnen
- das präventive Anfertigen von Bildaufnahmen von Fahrzeugen und Fahrenden, bevor ein konkreter Verstoß vorliegt
Autoindustrie soll Ablenkung reduzieren
Der DVR sieht auch die Fahrzeughersteller in der Pflicht: Infotainment‑Systeme müssten so gestaltet sein, dass sie Fahrer weniger ablenken — etwa durch bessere Sprachsteuerung oder klassische Tasten mit spürbarem Druckpunkt (haptische Bedienelemente). Die EU verlangt seit Juli 2024 für Neuzulassungen bereits Systeme, die Ablenkung akustisch oder haptisch reduzieren. Der DVR fordert eine wissenschaftliche Evaluation dieser Assistenten und eine umfassende EU‑Regelung, damit Warnungen im Cockpit nicht selbst zur Gefährdung werden.
- bessere Sprachsteuerung
- klassische Tasten mit spürbarem Druckpunkt (haptische Bedienelemente)
- wissenschaftliche Evaluation der Assistenten und umfassende EU‑Regelung
Mehr Personal und harte Durchsetzung
Für die Durchsetzung der Regeln fordert der DVR zusätzliches Personal bei Polizei, Bußgeldstellen und Justiz.
- Bei schweren Unfällen, bei denen Ablenkung durch ein mobiles Gerät möglich ist, sollen Smartphones systematisch gesichert und ausgewertet werden
- Das Thema Ablenkung soll verbindlich in Fahrausbildung und Prüfungen einfließen
Neue Alkoholgrenzen, auch für Radfahrende
Beim Thema Alkohol im Verkehr verlangt der DVR strengere Regeln: Für Radfahrer und Pedelec‑Nutzende gilt aktuell bis zu 1,6 Promille, sofern keine Ausfallerscheinungen vorliegen. Der Rat schlägt stattdessen eine Ordnungswidrigkeit ab 1,1 Promille vor. Für Kraftfahrzeugführende fordert der DVR ein absolutes Alkoholverbot.
- Ordnungswidrigkeit für Radfahrende und Pedelec‑Nutzende ab 1,1 Promille
- absolutes Alkoholverbot für Kraftfahrzeugführende
Bessere Datenbasis und modernere Fahrausbildung
Der DVR kritisiert die bisherige Datengrundlage zu Unfällen: Die Schätzung lebensbedrohlich Verletzter beruht auf Stichproben und reiche nicht für gezielte Prävention. Zur Qualitätsverbesserung der Fahrausbildung schlägt der Rat einen verbindlichen Referenzlehrplan, transparente Dokumentation des Lernfortschritts und einen stärkeren Einsatz von Fahrsimulatoren vor. In Kombination mit Live‑Online‑Theorieunterricht und E‑Learning soll so eine kosteneffiziente, aber qualitativ höhere Ausbildung möglich werden.
- verbindlicher Referenzlehrplan
- transparente Dokumentation des Lernfortschritts
- stärkerer Einsatz von Fahrsimulatoren
- Live‑Online‑Theorieunterricht und E‑Learning
Kernaussagen auf einen Blick
- Mehr technische Überwachung mittels KI
- erweiterte Befugnisse und mehr Personal zur Durchsetzung
- höhere Anforderungen an Fahrzeugelektronik und Fahrausbildung
- strengere Regeln beim Alkoholgebrauch
Gesetzgeberische Schritte, weiterführende Tests und die EU‑Regelungen bleiben die offenen Themen.
Quellen
- Quelle: Deutscher Verkehrssicherheitsrat
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




