Die deutschsprachige Wikipedia hat KI‑generierte Texte auf Inhalts- und Diskussionsseiten weitgehend verboten.
In Kürze
- Verbot gilt für automatisch erzeugte oder inhaltlich bearbeitete Texte
- Erlaubt: Rechtschreibkorrektur, geprüfte Übersetzungen, manuelle Rechercheauswertung
- Wiederholte Verstöße können bei klarer Beweislage zu Sperren führen; Erkennung bleibt strittig
Die deutschsprachige Wikipedia hat ein umfassendes Verbot von KI‑generierten Texten beschlossen. Am Ende eines Meinungsbilds, das bis zum 15. Februar 2026 lief, stimmten 208 Mitglieder dafür und 108 dagegen. Die Regel gilt für Inhaltsseiten und Diskussionsseiten gleichermaßen; wer wiederholt dagegen verstößt, kann dauerhaft gesperrt — allerdings nur bei klarer Beweislage.
Was genau verboten ist
- Die neuen Regeln schließen Texte aus, die mit großen Sprachmodellen erzeugt oder inhaltlich von solchen Modellen bearbeitet wurden.
- Als große Sprachmodelle gelten KI‑Systeme, die automatisch Texte erzeugen.
- Ebenso untersagt sind Tools, die ohne menschliche Prüfung automatisch Änderungen an Artikeln vornehmen.
- KI‑generierte Formulierungsvorschläge dürfen nicht ungeprüft übernommen werden; Ausnahmen gibt es nur für reine Rechtschreib‑ und Grammatikkorrekturen.
- Außerdem dürfen als Belege für Artikel keine eindeutig KI‑erzeugten externen Texte verwendet werden.
Erlaubte Ausnahmen
- KI‑gestützte Übersetzungen aus anderen Sprachversionen sind erlaubt, sofern eine Person die inhaltliche Richtigkeit vollständig überprüft.
- Rechtschreib‑ und Grammatikverbesserungen durch KI sind gestattet.
- Reine Recherche mithilfe von KI ist ebenfalls erlaubt; die Ergebnisse müssen aber manuell ausgewertet und überprüft werden.
- KI‑generierte Bilder dürfen nur in Ausnahmefällen und nach vorheriger Diskussion verwendet werden — etwa zur Illustration von Artikeln über Bildgeneratoren — niemals als Ersatz für echte Fotos wie Personenporträts.
Kritik und Befürworter
Befürworter der Regel sehen darin ein Signal für menschengeschriebene Qualität und einen Weg, gegen fehlerhafte oder erfundene Inhalte vorzugehen; ein zentrales Problem sind sogenannte „Halluzinationen“, also von KI erfundene Fakten. Kritiker bemängeln, dass verlässliche Erkennungskriterien fehlen und dass Ermittlungen sich in langwierige Streitfälle ausweiten könnten. Einige Vorkämpfer hätten für eine so weitreichende Regelung eine Zweidrittelmehrheit gefordert. Selbst einige Befürworter empfinden das Verbot auf Diskussionsseiten als überzogen.
Einschätzung im internationalen Kontext
Die Wikimedia Foundation verfolgt in ihrer KI‑Strategie 2025–2028 den Ansatz „Humans First“: KI soll helfen, schlecht erzeugte Inhalte zu verhindern, darf aber als Werkzeug für Recherche, Qualitätssicherung oder Vandalismus‑Bekämpfung eingesetzt werden. Die englischsprachige Wikipedia geht einen anderen Weg: Sie setzt nicht auf ein pauschales Verbot, sondern auf gezielte Aktionen wie das Projekt „AI Cleanup“ und ein Schnelllöschkriterium namens G15, das das zügige Löschen eindeutig als KI‑generierter Artikel erlaubt — allerdings nur, wenn eine beweiskräftige Erkennungsmethode vorliegt.
Auslöser und Druck durch externe Angebote
Wikimedia warnte zuletzt, dass große KI‑Systeme zwar Inhalte aus Wikipedia nutzen, aber oft weniger Nutzer zurück auf die Wikipedia‑Seiten bringen. Die Stiftung fordert deshalb bessere Kennzeichnung und faire Lizenzierung über Wikimedia Enterprise, das Inhalte an Unternehmen lizenziert. Parallel hat die Firma xAI von Elon Musk eine komplett KI‑generierte Enzyklopädie namens „Grokipedia“ gestartet, mit rund 800.000 Artikeln zum Start. Beobachter kritisieren auffällige Verzerrungen, besonders bei politischen Themen, und sprechen von minderwertigem oder verzerrtem KI‑Output.
Die neue Regelung soll in der deutschsprachigen Community die Regeln zur Nutzung von KI‑Texten klarer fassen — die Diskussion darüber und die technischen Fragen zur Erkennung von KI‑Inhalten bleiben jedoch offen.
Quellen
- Quelle: Deutschsprachige Wikipedia-Community
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




