Deutsch‑französische Definition: So will Europa digitale Souveränität stärken

18.06.2026 | Allgemein, KI

Deutsch‑französische Definition digitaler Souveränität auf VivaTech: EU‑Unabhängigkeit stärken.

In Kürze

  • Sechs Dimensionen mit Kriterien
  • Schwerpunkte: Recht, Daten, Resilienz
  • EU‑Produkte, Open Source, eigene Rechenzentren

Deutschland und Frankreich haben auf der Messe VivaTech 2026 in Paris eine gemeinsame Definition von „digitaler Souveränität“ vorgestellt – ein Versuch, klarer zu formulieren, was es heißt, dass Europa technologisch unabhängiger und handlungsfähiger wird. Das Papier stammt aus einer deutsch‑französischen Taskforce und soll die Debatte um ein neues EU‑Paket zur technologischen Souveränität vorantreiben.

Was genau steckt drin?

Die Definition beschreibt digitale Souveränität als die Fähigkeit, Technologien — sowohl Hardware als auch Software — unabhängig, selbstbestimmt und sicher zu entwickeln, bereitzustellen, zu nutzen, anzupassen und zu kontrollieren. Entscheidend ist dabei laut Papier auch die Entscheidungsgewalt über Prozesse: Wer bestimmt, wie Systeme arbeiten, wer Zugriff hat, und wer Änderungen vornimmt.

Warum jetzt?

Deutschland und Frankreich sehen die Initiative als Reaktion auf wachsende Risiken wie Cyberangriffe und gestörte Lieferketten. Als die beiden größten EU-Mitgliedstaaten wollen sie eine Vorreiterrolle übernehmen, andere Partner mobilisieren und die Ziele in künftige EU‑Rechtsakte einfließen lassen.

Sechs Dimensionen — und was das praktisch bedeutet

Die Taskforce fasst digitale Souveränität in sechs Dimensionen zusammen, ergänzt durch konkrete Kriterienkataloge.

Drei Schwerpunkte stechen heraus:

  • Rechtliche Durchsetzungsfähigkeit: Regeln und Mechanismen, um Vorgaben tatsächlich durchzusetzen.
  • Schutz sensibler Daten: Maßnahmen zum Schutz kritischer Informationen vor Missbrauch oder Abfluss.
  • Resilienz kritischer Infrastrukturen: Fähigkeit, Störungen zu absorbieren und den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Konkrete Folgen, die das Papier nennt:

  • Bevorzugte Nutzung digitaler Produkte aus der EU oder von als vertrauenswürdig eingestuften Partnern.
  • Förderung von Open‑Source‑Lösungen und modularen Architekturen, also Systemen, die aus austauschbaren Bausteinen bestehen, um Abhängigkeiten und „Lock‑in“ an einzelne Anbieter zu vermeiden.
  • Aufbau eigener Recheninfrastruktur für KI und Cloud‑Dienste — mehr eigene Server und Rechenzentren sollen Unabhängigkeit erhöhen.

Begleitmaßnahmen und erste Schritte

Das Deutsch‑Französische Zukunftswerk wird neu aufgelegt, um den Austausch zwischen Unternehmen und Ökosystemen zu stärken. Zu den ersten Aufgaben zählen:

  • die Erstellung eines gemeinsamen Katalogs souveräner Digitallösungen
  • die Entwicklung eines Rahmens zur Bewertung kritischer Interdependenzen zwischen Akteuren und Infrastrukturen

Ein konkretes Beispiel, das die Minister:innen anführen, ist die Partnerschaft zwischen SAP und Mistral AI — genannt als eine europäische, souveräne KI‑Lösung. Damit soll gezeigt werden, wie Industriepartner und KI‑Anbieter zusammenarbeiten können, um alternative, regional verankerte Angebote zu schaffen.

Quellen

  • Quelle: Deutschland / Frankreich
  • Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
  • Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.

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