Sicherheitsforscher zeigt: Copilot für Word übernimmt unsichtbare Anweisungen und trägt sie in neue Dateien – Microsoft hat seit 144 Tagen keinen dauerhaften Fix.
In Kürze
- Versteckte Instruktionen im Dokument werden von Copilot gelesen und ausgeführt
- Neue Dateien übernehmen die Anweisungen und erzeugen Ketteninfektionen
- Microsoft bestätigte das Problem; Gegenmaßnahmen scheiterten, Fix fehlt seit 144 Tagen
Ein Sicherheitsforscher hat eine Schwachstelle in Microsofts Copilot für Word demonstriert, die manipulierte Word‑Dokumente dazu bringen kann, sich wie ein Wurm selbst zu verbreiten — und Microsoft hat offenbar seit 144 Tagen keine funktionierende Lösung geliefert.
So funktioniert der Angriff
Der Angreifer versteckt Anweisungen direkt im Dokument, etwa als weiße Schrift auf weißem Hintergrund in winziger Schrift — für Menschen unsichtbar. Copilot für Word entfernt vor der Verarbeitung jedoch Farbe und Schriftgröße, sodass solche versteckten Instruktionen gelesen werden. Wird das manipulierte Dokument anschließend als Quelle in Copilot genutzt, führt das System die Anweisungen aus und kopiert sie unsichtbar in die neu erzeugte Datei. Diese neue Datei kann wiederum als Vorlage dienen und die Anweisungen weitertragen, selbst wenn das ursprüngliche Dokument längst gelöscht oder nicht mehr beteiligt ist.
Ein reales Beispiel im Briefing beschreibt eine kompromittierte Marktanalyse, die einen Finanzbericht so beeinflusst, dass auch dieser Bericht weitere Dokumente infiziert. Damit entsteht ein Ketteneffekt, ähnlich dem Verhalten klassischer Computerviren — nur ausgelöst durch KI‑gestützte Textverarbeitung.
Reaktion von Microsoft und Veröffentlichung
Microsoft bestätigte das beschriebene Verhalten am 31. März. Zwei kurzfristig eingebrachte Gegenmaßnahmen wurden wieder zurückgenommen, weil sie die Lücke offenbar nicht geschlossen haben. Nach 144 Tagen veröffentlichte der Forscher Håkon Måløy einen Hinweis auf die Verwundbarkeit, stellte aber den eigentlichen Schadtext nicht öffentlich zur Verfügung.
Kontext: Prompt‑Injection als bekanntes Problem
Prompt‑Injection‑Angriffe — also das Einschleusen versteckter Anweisungen in Eingaben an KI‑Systeme — sind in der KI‑Sicherheitsforschung ein bekanntes Problem. Der KI‑Forscher Andreas Kirsch hatte zuvor halb im Scherz so einen Wurm gefordert; laut den vorliegenden Angaben ist ein solches Verhalten jetzt faktisch möglich.
Quellen
Quellen
- Quelle: Microsoft Copilot
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




