Die Commerzbank plant den Abbau von rund 3.000 Stellen. Vorstandschefin Orlopp macht KI-Automatisierung für einen großen Teil des Cuts verantwortlich.
In Kürze
- Großteil des Abbaus durch Automatisierung von Service- und IT-Prozessen
- Zuerst werden externe Call‑Center‑Leistungen und IT‑Freelancer gekappt
- Hintergrund: UniCredit‑Übernahmeangebot und Abwehrstrategie der Commerzbank
Commerzbank will rund 3.000 Stellen streichen – und macht die KI dafür mitverantwortlich.
Personalabbau und KI
Vorstandschefin Bettina Orlopp sagte, ein „sehr großer Teil“ des Abbaus werde durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz ausgelöst. Damit meint die Bank Software, die Aufgaben automatisiert und etwa Service‑ oder IT‑Prozesse ersetzt.
Zunächst sollen externe Kapazitäten gekappt werden, konkret Call‑Center‑Leistungen und externe IT‑Freelancer. Orlopp betonte, man wolle betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden und den Prozess „maximal sozialverträglich“ gestalten. Wie viele der 3.000 Stellen intern wegfallen werden, ging aus ihren Aussagen nicht detailliert hervor.
Strategischer Hintergrund
Die Personalkürzungen sind Teil einer größeren Strategie: Die Commerzbank will mit ambitionierten Gewinn‑ und Renditezielen bis 2030 eine Übernahme durch die italienische UniCredit abwehren und Aktionäre davon überzeugen, ihre Anteile zu behalten. Hintergrund ist ein Übernahmeangebot von UniCredit, die knapp 30 Prozent an der Commerzbank hält. UniCredit bietet pro Commerzbank‑Aktie 0,485 neue UniCredit‑Aktien. Das Angebot läuft offiziell bis zum 16. Juni und kann bis zum 3. Juli verlängert.
UniCredit: Motive und Vorgehen
UniCredit versucht damit offenbar, weitere Anteile zu sammeln, ohne ein teureres Pflichtangebot auslösen zu müssen. Die Italiener rechnen nach eigenen Angaben mit Milliarden‑Einsparungen durch Zusammenlegungen, unter anderem weil UniCredit in Deutschland bereits mit der HypoVereinsbank präsent ist. Die Commerzbank bezeichnet das Vorgehen als feindlich; der Bund, der etwa 12 Prozent hält, unterstützt die Commerzbank‑Seite.
Kritik und Stabilitätswarnung
Orlopp kritisierte außerdem, dass UniCredit die Commerzbank in Social‑Media‑Aktionen angegriffen habe. Für diese Kampagnen wurde UniCredit von der deutschen Finanzaufsicht BaFin gerügt, so Orlopp. Sie warnte vor einer möglichen Destabilisierung der Bank und betonte, die Organisation stabil halten zu wollen.
Gegenüber Äußerungen von EZB‑Vizepräsident Luis de Guindos, der die Bundesregierung wegen ihres Widerstands gegen die Übernahme kritisiert hatte, zeigte sich Orlopp überrascht. Sie sagte, es sei bemerkenswert, „dass einzelne Vertreter offenbar offen einen angreifenden Einstieg unterstützen“; zugleich stellte sie klar, dass die Bundesregierung als Aktionär das Recht habe, Bedenken zu äußern.
Stellungnahme der Commerzbank
Eine formelle Stellungnahme zur Offerte will die Commerzbank Anfang kommender Woche vorlegen. Orlopp bezeichnete das Angebot als „de facto Schrumpfungs‑Strategie“ für das Geschäftsmodell der Commerzbank und sagte, Gespräche seien nur dann sinnvoll, „wenn die UniCredit ein Zeichen gibt“, dass sie über Preis und Geschäftsmodell ernsthaft verhandeln will.
Quellen
- Quelle: Commerzbank
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




