Anthropic verzeichnet Anfang 2024 deutlich mehr zahlende Claude-Kund:innen — vor allem Pro-Abos.
In Kürze
- Rekordzahlen für Jan/Feb laut Kreditkartendaten
- Super-Bowl-Spots und DoD-Streit steigerten Aufmerksamkeit
- Neue Tools wie Claude Code und „Computer Use“ treiben Nachfrage
Anthropic verzeichnet Anfang 2024 einen spürbaren Anstieg bei zahlenden Nutzer:innen seines Chatbots Claude — zumindest, wenn man den Daten von Verbraucherkreditkarten folgt.
Eine Analyse der Firma Indagari, die TechCrunch in Auftrag gab, zeigt Rekordzahlen bei bezahlten Abonnements, vor allem in den Monaten Januar und Februar.
Die Datenbasis und ihre Grenzen
TechCrunch ließ milliardenfache, anonymisierte Kreditkartentransaktionen von rund 28 Millionen US-Konsument:innen auswerten. Wichtig zu wissen:
- Die Auswertung erfasst nur Privatkunden mit bezahlten Abos.
- Unternehmenskunden (Enterprise) und kostenfreie Accounts sind nicht enthalten.
Anthropic selbst nennt keine vollständigen Nutzerzahlen; das Unternehmen sagte lediglich, dass sich bezahlte Abos in diesem Jahr mehr als verdoppelt hätten. Schätzungen für die Gesamtzahl der Konsumenten bewegen sich in Berichten zwischen etwa 18 und 30 Millionen — mit erheblichen Unsicherheiten.
Wann das Wachstum stattfand
Der stärkste Zuwachs zeigte sich zwischen den späten Januar-Reports und einer öffentlichen Stellungnahme von CEO Dario Amodei am 26. Februar. In dieser Phase stiegen sowohl Neuabschlüsse als auch Rückkehrer deutlich an. Die meisten Neuabonnements entfielen auf den Pro-Tarif für 20 US-Dollar pro Monat; höherpreisige Pläne mit 100 oder 200 Dollar pro Monat wurden seltener gebucht. Die Daten reichen bis Anfang März und deuten auf anhaltendes Wachstum hin.
Was Aufmerksamkeit brachte
Mehrere Faktoren zusammen schoben Claudes Bekanntheit nach oben.
- Anthropic schaltete mehrere Super-Bowl-Werbespots, die explizit OpenAI/ChatGPT aufs Korn nahmen, und versprach zugleich, in der App keine Werbung anzuzeigen.
- Parallel dazu geriet Anthropic in einen öffentlich sichtbaren Konflikt mit dem US-Verteidigungsministerium (DoD). Das Unternehmen verweigerte die Bereitstellung seiner Modelle für den Einsatz in tödlichen autonomen Waffensystemen und für flächendeckende Überwachung von US-Bürger:innen.
- Das DoD stufte Anthropic daraufhin als „Versorgungsrisiko“ ein; es kam zu Rechtsstreitigkeiten, und ein Bundesrichter blockierte die Einstufung vorübergehend. Diese Auseinandersetzung sorgte zusätzlich für mediale Aufmerksamkeit.
Neue Funktionen und Produkte
Anfang Januar brachte Anthropic mehrere Entwickler- und Produktivitätswerkzeuge an den Start, darunter Claude Code und Claude Cowork. Neu ist auch die „Computer Use“-Funktion, mit der Claude auf einem Computer klicken, scrollen und Aktionen ausführen kann — kombiniert mit „Dispatch“, das Aufgaben vom Smartphone zuweist. Diese Funktionen sind kostenpflichtig und dürften zum Interesse von zahlenden Nutzer:innen beigetragen haben.
- Claude Code
- Claude Cowork
- „Computer Use“ (klicken, scrollen und Aktionen ausführen)
- „Dispatch“ (weist Aufgaben vom Smartphone zu)
Wie sich Claude gegen ChatGPT behauptet
Trotz des Zuwachses bleibt Claude im direkten Vergleich hinter ChatGPT zurück. OpenAI verzeichnete zwar nach der eigenen Zusammenarbeit mit dem DoD kurzzeitig Abgänge (Uninstalls), gewinnt aber weiterhin viele zahlende Kunden und bleibt die größte Verbraucherplattform im Chatbot-Bereich.
Zwischen den Zahlen und der Realität
Die Indagari-Daten liefern einen klaren Hinweis auf ein starkes Wachstum bei bezahlten Privatabos — liefern aber keine vollständige Nutzerbilanz. Ohne Zahlen zu Enterprise-Kunden und kostenfreien Accounts lässt sich die Gesamtreichweite von Claude nicht exakt beziffern.
Quellen
- Quelle: Anthropic
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




