Für dich: Carlsen wirft OpenAI vor, komplette NEINhorn-Bücher inklusive Umschlag und ISBN per ChatGPT zu erzeugen.
In Kürze
- ChatGPT kann angeblich Texte, Illustrationen und Cover sehr originalgetreu wiedergeben
- Verlag fordert Offenlegung, Unterlassung und Schadenersatz
- Prozess in München könnte Präzedenz zu KI-Training und Urheberrecht setzen
Carlsen gegen OpenAI: Verlag klagt, weil ChatGPT angeblich komplette NEINhorn‑Bücher nachliefert
Der Carlsen Verlag hat Klage gegen OpenAI beim Landgericht München I eingereicht — und dabei öffentlich gemacht, warum. Laut Verlag kann ChatGPT auf Nachfrage komplette, sehr originalgetreue Ausgaben der NEINhorn‑Bücher erzeugen: inklusive Umschlag, Impressum, gefälschter ISBN und sogar einem Verlagslogo. Das Problem für Carlsen: Die Texte und Illustrationen erscheinen offenbar so detailgetreu, dass sie wie unveränderte Kopien wirken.
Was Carlsen vorwirft
Der Verlag wirft OpenAI vor, die Kinderbücher von Marc‑Uwe Kling (Text) und Astrid Henn (Illustration) ohne Lizenz zum Training der KI genutzt zu haben. Dadurch seien die Werke im Modell offenbar so stark verankert, dass die KI ganze Passagen und Bilder praktisch wiedergeben könne. Carlsen berichtet zudem, ChatGPT liefere nicht nur nahezu identische Nachdrucke, sondern mache auf eigene Initiative Vorschläge für weitere Texte und Illustrationen — teils mit Figuren und Ortsnamen, die im Original so nicht vorkommen.
Die Forderungen
- OpenAI soll die unlizenzierte Nutzung einstellen
- offenlegen, welche Inhalte verwendet wurden
- Verantwortung übernehmen
- entstandenen Schaden ersetzen
CEO Christian Schumacher‑Gebler fordert umfassende Rechenschaft.
Positionen der Urheber
Marc‑Uwe Kling kritisierte die Situation öffentlich und warf die Frage nach doppelten Standards auf: Einzelne würden für illegale Downloads bestraft, während Unternehmen sich offenbar Inhalte „nehmen“ dürften.
Astrid Henn betont, dass ihre Bilder monatelange Arbeit seien und ein unerlaubter Einsatz zum KI‑Training einem Diebstahl gleichkomme.
Was mit „Training“ und „Memorisierung“ gemeint ist
Für das Training von Modellen wie ChatGPT werden große Mengen an Texten und Bildern analysiert, damit die KI Muster erkennt und darauf antworten kann. „Memorisierung“ beschreibt den Effekt, dass das Modell dabei ganze Passagen oder Bilder so stark abspeichert, dass es sie später nahezu unverändert reproduzieren kann — genau das, was Carlsen dem Modell vorwirft.
Der Fall NEINhorn
Das NEINhorn ist vor etwa sieben Jahren erschienen, sehr populär und besitzt starken Wiedererkennungswert. Es hat zwei Fortsetzungen und markante Figuren mit Namen wie:
- KönigsDOCHter
- NAhUND
- WASbär
Gerade wegen dieser Wiedererkennbarkeit streitet Carlsen um die Rechte an Text und Bild.
Bisherige Auseinandersetzungen
Carlsen ist kein Neuling in Fragen um den Umgang von KI mit urheberrechtlich geschütztem Material: Bereits vor einem Jahr kündigte der Verlag rechtliche Schritte an, falls Figuren wie Conni ohne Erlaubnis in problematischen KI‑Memes verwendet würden.
Worum es juristisch geht
Mit der Klage ist jetzt ein Verfahren eröffnet. Im Kern geht es um die rechtliche Frage, wie KIs mit geschütztem kulturellem Material umgehen dürfen und ob Betreiber wie OpenAI dafür haftbar gemacht werden können. Das Urteil in München dürfte deshalb nicht nur für Carlsen und OpenAI relevant sein, sondern möglicherweise weitreichende Folgen für den Umgang von KI‑Anbietern mit urheberrechtlich geschützten Werken haben.
Quellen
- Quelle: Carlsen Verlag / OpenAI
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




