Brown-Professor vermutet KI‑Missbrauch: Heimprüfung brachte 96%

13.07.2026 | Allgemein, KI

Heimprüfung an Brown: Noten zu gut — Professor vermutet KI‑Missbrauch.

In Kürze

  • 96% Durchschnitt
  • Präsenzklausur 48,6%
  • Studien: Hausaufgaben↑, Klausuren↓

Ein Professor an der Brown University schlägt Alarm: Eine Heimprüfung in seinem Kurs lieferte Noten, die so gut waren, dass sie misstrauisch machten — und er vermutet massenhaften Einsatz von KI.

Was passiert ist

Im Kurs von Roberto Serrano saßen 86 Studierende. Die Zwischenprüfung, die als Hausaufgabe eingereicht wurde, ergab im Schnitt 96 Prozent — deutlich über dem üblichen Erwartungsbereich von 65–80 Prozent. Serrano prüfte exemplarisch Aufgaben mit ChatGPT und fand fast identische Lösungen wie bei den Studierenden. Auffällig: Viele Arbeiten folgten genau dem umständlichen Beweisweg, den auch ChatGPT geliefert hatte, statt eines direkteren Ansatzes.

Als Reaktion setzte Serrano die Abschlussprüfung als überwachte Präsenzklausur an. Das Ergebnis: der Notendurchschnitt fiel auf 48,6 Prozent. 18 Studierende brachen den Kurs ab, neun erschienen nicht zur Prüfung, 19 bestanden nicht. Serrano erklärte die Zwischenprüfung für ungültig und legte die Abschlussprüfung mit 80 Prozent Gewicht in die Endnote. Die Universität reagierte vorsichtiger und empfahl, mutmaßliche Betrugsfälle individuell zu melden; Serrano forderte strengere Maßnahmen.

Ähnliche Muster in größeren Datensätzen

  • Studie aus Zentralchina (26.000 Schüler, Klassen 7–12, 30 Monate): Nach sechs Monaten Nutzung von KI‑Hilfen stiegen die Hausaufgabennoten im Mittel um 18 Prozent, die Bearbeitungszeit sank von 64 auf 45 Minuten. Gleichzeitig fielen die Klausurnoten um rund 20 Prozent. Bei langfristiger Nutzung zeigten sich bei Aufnahmeprüfungen Leistungsverluste von etwa 18–24 Prozent; der volle Effekt trat nach etwa zwei Jahren auf. Rund 81 Prozent der Langzeitnutzer folgten dem Muster „schneller, bessere Hausaufgaben, schlechtere Klausuren“. Besonders leistungsstarke Schüler waren betroffen — bei ihnen lagen die Einbußen bis zu 24 Prozent.

  • UC‑Berkeley-Analyse (mehr als 500.000 Noten an einer großen texanischen Forschungsuniversität): Seit dem Start von ChatGPT stieg der Anteil der Bestnote A in Kursen mit viel Schreib- und Programmierarbeit um 13 Prozentpunkte. Der Effekt konzentrierte sich auf unbeaufsichtigte Hausaufgaben: In Kursen mit hohem Anteil solcher Aufgaben fiel der Anstieg deutlich größer aus — um 16 Punkte höher als in Kursen mit stärker beaufsichtigten Prüfungen.

Was die Zahlen sagen

Über alle Fälle hinweg zeichnet sich ein klares Muster ab: KI-basierte Textgeneratoren und ähnliche Werkzeuge können Hausaufgaben deutlich verbessern (und beschleunigen), ohne dass sich das in besseren Ergebnissen bei überwachten Prüfungen niederschlägt. Vielmehr scheint oft das Gegenteil einzutreten.

Das stellt Lehrende und Hochschulen vor konkrete Fragen: Wie sollen Prüfungen gestaltet werden, welche Formen der Aufsicht oder Plagiatsprüfung sind sinnvoll, und wie lässt sich echtes Verständnis messen, wenn leistungsfähige KI-Tools allgemein verfügbar sind? Die Diskussion reicht von organisatorischen Änderungen bis zu individuellen Sanktionen — und bleibt in vielen Fällen offen.

Quellen

  • Quelle: Brown University
  • Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
  • Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.

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