US-Gemeinden verhängen Moratorien gegen Rechenzentren — Strom, Wasser und Steuern sorgen für Streit.
In Kürze
- New York prüft landesweites 3-Jahres-Moratorium
- Lokale Sorgen: Energie, Wasser, Lärm und Einnahmen
- Tech-Konzerne planen Milliardeninvestitionen
Rechenzentren stoßen in den USA zunehmend auf Widerstand: Gemeinden verhängen Baupausen und Politiker mischen sich ein
Wenn du in einer US-Gemeinde lebst, die plötzlich zur Lieblingsadresse großer Tech-Firmen wird, merkst du schnell, dass nicht alle begeistert sind. Der massive Ausbau von Rechenzentren — Anlagen mit riesigen Servern und entsprechend großem Strombedarf — sorgt inzwischen landesweit für politischen Zündstoff. An vielen Orten reichen Unmut über steigende Strompreise, Sorgen um Wasser- und Lärmbelastung sowie die Frage verlorener Steuereinnahmen, um Planungen zu stoppen oder zu verzögern.
New York will drei Jahre lang Genehmigungen aussetzen
In New York liegt derzeit ein Gesetzesentwurf vor, der landesweit für drei Jahre neue Genehmigungen für Rechenzentren stoppen würde. Die Initiatorinnen bezeichnen das Vorhaben als besonders weitreichend: Es soll Städten und Gemeinden Zeit geben, ökologische und wirtschaftliche Folgen genauer zu prüfen. Ziel der Moratorien ist häufig, kurzfristig Raum für Untersuchungen zu schaffen — etwa wegen der aktuellen Debatte um steigende Energiepreise, die Abgeordnete als Notfall problematisieren.
Ähnliche lokale Stopps gibt es bereits: New Orleans verhängte eine einjährige Pause, Madison in Wisconsin ebenfalls; zahlreiche Kommunen in Hotspots wie Georgia und Michigan folgten mit eigenen Moratorien. Der Protest ist parteiübergreifend: Von Floridas Gouverneur Ron DeSantis, der Kommunen mehr Rechte gegenüber Rechenzentren geben will, über Bernie Sanders, der gar einen nationalen Baustopp vorgeschlagen hat, bis hin zu Diskussionen in Arizona über das Streichen von Steueranreizen — das Thema ist politisch breit verankert.
Tech-Konzerne planen massive Investitionen
Gleichzeitig schieben große Tech-Firmen die Investitionen an: Berichten zufolge planen Amazon, Google, Meta und Microsoft gemeinsam rund 650 Milliarden US-Dollar an Investitionen im kommenden Jahr, größtenteils für Rechenzentren. Das Tempo der Bauvorhaben hat die Zustimmung in der Bevölkerung spürbar gesenkt: In einer Umfrage sagten 46 Prozent der Befragten Nein zu neuen Rechenzentren, 35 Prozent waren dafür — viele bleiben allerdings unentschieden, sodass sich Meinungen noch verschieben können.
Branchenreaktionen: Lobbyarbeit, Anzeigen und Zugeständnisse
Die Industrie reagiert mit gezielter Lobbyarbeit und Anzeigenkampagnen, um lokale Akzeptanz zurückzugewinnen. Einige Firmen versprechen Zugeständnisse: Sie wollen zusätzliche Stromversorgung für neue KI-Rechenzentren mitfinanzieren oder sogenannte „behind-the-meter“-Anlagen errichten — also eigene Erzeugung direkt vor Ort. Manche planen private Energieversorgungsnetze als Ergänzung zum öffentlichen Netz.
Solche privaten Stromlösungen können aber selbst Konflikte erzeugen. Das Beispiel xAI in Memphis zeigt das: Die Firma ließ Gasturbinen installieren, die mit Methan betrieben werden. Anwohner und Umweltgruppen beklagten Luftverschmutzung; die Umweltbehörde stellte fest, dass Luftreinhalte-Genehmigungen nötig sind. Nach Auseinandersetzungen wurden die Anlagen zugelassen, Klagen sind angekündigt. Der Fall illustriert, dass lokale Umweltfragen durch private Energieversorgung verschärft werden können.
Bundesweit Diskussionen über Kosten und Anreize
Auch auf Bundesebene ist das Thema präsent. Vertreter der früheren Trump-Administration schlugen vor, Unternehmen müssten die Kosten tragen, die sie dem lokalen Stromnetz verursachen — Details sind bislang unklar. Parallel wächst die Debatte um Steuervergünstigungen: Viele Staaten hatten den Rechenzentrumsbau mit Steuererleichterungen gefördert. Laut einer CNBC-Analyse bieten 42 Staaten volle oder teilweise Umsatzsteuerbefreiungen für Server; aus 16 Staaten lagen öffentliche Zahlen vor, nach denen in fünf Jahren rund 6 Milliarden Dollar an Einnahmen entgingen.
Beispiele aus den Bundesstaaten zeigen die Spannbreite der Reaktionen:
- Georgia: Gesetzesinitiativen wollen die Umsatzsteuerbefreiung für Server abschaffen. Befürworter argumentieren, Georgia habe ohnehin ein attraktives Steuersystem und könne auf die Vergünstigungen verzichten; ein Wegfall könnte hundert Millionen Dollar oder mehr in die Kassen spülen. Frühere Vorstöße wurden jedoch teilweise blockiert.
- Ohio: Demokraten brachten einen ähnlichen Vorstoß zur Abschaffung von Steuerbefreiungen ein; frühere Versuche scheiterten.
- Colorado: Abgeordneter Alex Valdez will Anreize langfristig absichern (für 20 Jahre) und argumentiert, dass gepflegte Steuerbedingungen Firmen anziehen und später stabile Einnahmen bringen können.
Warum Moratorien gefordert werden
Die Moratorien sollen Zeit verschaffen, um langfristige Vor- und Nachteile zu untersuchen: Neben dem Stromverbrauch rücken Wasserbedarf, Lärm, Belastung der lokalen Infrastruktur und mögliche Auswirkungen auf Energiepreise in den Fokus. Manche Kommunen fürchten, dass der Ausbau von Rechenzentren die Preise für Privatkunden und Unternehmen in die Höhe treibt — ein Argument, das in Legislativdebatten zunehmend auftaucht.
Offene Fragen bleiben
Während Tech-Firmen massiv investieren und zugleich um Akzeptanz werben, laufen auf mehreren Ebenen parallele politische Initiativen: lokale Baupausen, Landesgesetze zur Steuerbehandlung und bundesweite Vorschläge zur Kostenverteilung im Stromnetz. Wie sich das auf die tatsächliche Ausweitung von Rechenzentren auswirkt, ist derzeit noch offen.
Quellen
- Quelle: Amazon / Google / Meta / Microsoft
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




