Internes Claude‑Modell kombinierte Sicherheitslücken zu funktionierenden Angriffsketten; Hersteller schlossen zahlreiche Fehler, darunter 62 Chrome‑Bugs.
In Kürze
- Claude‑Forschung setzte mehrere CVEs zu fünf Attack Chains zusammen
- Google, Apple, Microsoft und Linux‑Teams haben Patches veröffentlicht
- Wichtig: Browser und Geräte jetzt updaten und neu starten
Ein internes Claude‑Forschungsmodell von Anthropic hat in Tests mehrere schwere Sicherheitslücken in weit verbreiteter Software kombiniert und so funktionierende Angriffsketten erzeugt. Die Folge: Hersteller haben zahlreiche Fehler geschlossen, darunter Google, das 62 Chrome‑Bugs behoben hat — alle als kritisch oder hoch eingestuft. Die Schwachstellen wurden zuerst den betroffenen Firmen gemeldet und inzwischen gepatcht.
Was genau passiert ist
Anthropics Frontier Red Team, die interne Einheit, die Modelle auf gefährliche Fähigkeiten prüft, nutzte ein Forschungsmodell, das nicht in den öffentlichen Claude‑Apps oder der API verfügbar ist. Das Modell identifizierte nicht nur einzelne Schwachstellen, sondern setzte sie zu fünf sogenannten Attack Chains zusammen — Verkettungen, bei denen eine einfache Aktion (etwa das Laden einer Webseite) zu weitreichendem Zugriff führen kann.
Beispiel: Chrome
Für Chrome demonstrierte das Modell eine Kette aus vier Fehlern. Startpunkt war die JavaScript‑Engine, der Teil des Browsers, der Webseiten‑Code ausführt. Die Kette setzte sich bis außerhalb der Browser‑Sandbox fort — also in den Bereich, der normalerweise Anwendungen vom Rest des Systems isoliert. In einer Proof‑of‑Concept‑Demo öffnete die Attack Chain auf einem Standard‑Mac binnen Sekunden nach Laden einer Seite die Rechner‑App, ohne dass der Benutzer klicken musste.
Die weiteren vier Ketten
- Safari: Eine bösartige Webseite hätte laut Anthropic Daten von anderen Seiten auslesen können, bei denen der Nutzer eingeloggt war (etwa E‑Mail oder Online‑Banking). Apple hat den Fehler behoben.
- Android: Auf einem gestohlenen, gesperrten Google Pixel 9 hätten per USB Fotos und persönliche Daten ausgelesen werden können. Google hat den Bug adressiert.
- Windows: Ein paar speziell geformte Netzwerkpakete reichten, um Windows‑Server mit aktivem HTTP/3 abstürzen zu lassen. Anthropic schätzt, dass mehrere Millionen solcher Server online sind. Microsoft patchte das Problem im April (CVE‑2026‑33096).
- Linux: Auf Servern, die Multipath TCP nutzen (eine Technik, die Verbindungen über mehrere Pfade verteilt), konnte ein entfernter Angreifer offenbar Befehle als root ausführen, ohne sich anzumelden. Dieser Fehler wurde diesen Monat behoben (CVE‑2026‑98432).
Was die Hersteller bestätigen
Anthropic nennt 62 Chrome‑CVE‑Einträge, die aus diesen Untersuchungen resultierten. In den Release‑Notes für Chrome Version 156 finden sich 15 als kritisch oder hoch eingestufte Fixes, die Forscher Xinyang Ge meldete; fünf von ihnen sind mit „assisted by Claude“ gekennzeichnet. Anthropic sagt, die erzeugten Exploits seien im Labor nach Anleitung des Modells erstellt worden; bislang gebe es keine Hinweise auf reale Angriffe damit.
Welche Konsequenzen das hat
Die Tests demonstrieren, dass KI‑Modelle inzwischen nicht nur einzelne Schwachstellen finden, sondern plausibel miteinander verknüpfen können. Das vereinfacht und beschleunigt das Entwickeln von Exploits — und erklärt, warum Hersteller bei entdeckten Fehlern schnell reagieren. Anthropic bietet parallel Verteidigungsteams Zugriff auf leistungsfähigere Modelle im Rahmen seines Cyber Verification Program, damit Sicherheitsteams solche Werkzeuge ebenfalls nutzen können.
Praktische Schritte für dich
- Halte deinen Browser aktuell: Nutze Chrome Version 156 oder neuer.
- Installiere die aktuellen Updates für Safari, Android und Windows und starte Geräte nach dem Update neu.
- Generell helfen regelmäßige Updates und Neustarts, viele bekannte Lücken zu schließen.
Technische Details, CVEs und die vollständigen Patch‑Listen haben die jeweiligen Hersteller in ihren Sicherheitshinweisen veröffentlicht.
Quellen
- Quelle: Anthropic
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




