Anthropic will vor dem IPO einen Public Benefit Fund mit Aktienanteilen aufbauen, auch direkte Zahlungen an von KI bedrohte Beschäftigte sind vorgesehen.
In Kürze
- 5% der Aktien gehen in einen Public Benefit Fund, Option auf direkte Auszahlungen
- Bei starker Wertsteigerung können weitere Aktien (je 2% pro 50% Anstieg) zugewiesen werden
- Insgesamt rund 20% der Aktien für Gemeinwohl durch Gründerzusage und Matching vorgesehen
Anthropic will vor dem geplanten Börsengang einen Fonds schaffen, der fünf Prozent der Aktien für öffentliche Wohlfahrtzwecke bereitstellt — und schließt dabei ausdrücklich die Möglichkeit direkter Zahlungen an Menschen ein, deren Jobs durch KI bedroht sind. Die Ankündigung kommt, während das Unternehmen seine IPO-Pläne vorantreibt und Investoren präsentiert.
Was steckt im Plan?
- Grundidee: Anthropic bringt fünf Prozent seiner Aktien in einen sogenannten Anthropic Public Benefit Fund ein. Der Fonds soll gemeinnützige Projekte finanzieren oder — ausdrücklich als Option — direkte Auszahlungen an betroffene Personen prüfen.
- Aufstockungen möglich: Steigt der Firmenwert jeweils um 50 Prozent über bestimmte Schwellen, könnten dem Fonds weitere jeweils zwei Prozent der Aktien zufließen. Diese zusätzlichen Zuweisungen sind nicht automatisch, sondern liegen im Ermessen des Vorstands.
- Gesamtumfang: In Kombination mit früheren Zusagen der Mitgründer (sie hatten bei der Gründung 80 Prozent ihrer Anteile für wohltätige Zwecke vorbehalten) und einem Spenden-Matching für Mitarbeitende kommt Anthropic nach eigenen Angaben auf rund 20 Prozent der Aktien, die dem Gemeinwohl gewidmet sein sollen.
- Frühere Verpflichtungen: Bereits zuvor hatte das Unternehmen 200 Millionen US-Dollar für Forschung zu Arbeitsmarkteffekten durch KI zugesagt. CEO Dario Amodei hatte wiederholt vor sozialen Folgen schnellen KI-Fortschritts gewarnt.
Rechtsform und Governance
Anthropic richtet keine klassische steuerbefreite Non-Profit-Organisation ein, sondern eine hundertprozentige Tochter in Form einer LLC. Diese Gesellschaftsform bietet dem Konzern laut Ankündigung mehr Flexibilität bei der Mittelvergabe als ein typischer gemeinnütziger Verein. Details zu Bewertungsmeilensteinen und internen Governance-Regeln hat Anthropic bisher nicht veröffentlicht.
Die Kontrolle über das Board soll ein Long‑Term Benefit Trust ausüben; dieser hält keine ökonomischen Anteile, bestimmt aber die Mehrheit der Direktoren. Nach dem Börsengang behalten die Gründer über eine Sonderaktie 50,1 Prozent der Stimmen bei wichtigen Entscheidungen.
Zeitlicher Kontext: IPO am Horizont
Die Bekanntgabe erfolgt mitten in den IPO-Vorbereitungen. Investoren wurden jüngst präsentiert; der Börsengang könnte laut Berichten bis zu 100 Milliarden US-Dollar einbringen und Anthropic mit knapp zwei Billionen US-Dollar bewerten. Offizielle Börsendokumente werden in den kommenden Wochen erwartet.
Vergleich zu OpenAI und rechtliche Grenzen
Das Modell ähnelt der OpenAI Foundation, die nach einer Umstrukturierung 26 Prozent an der gewinnorientierten OpenAI Group hält und maßgeblich das Board beeinflusst. Die Ereignisse im November 2023 — Entlassung und rasche Rückkehr von OpenAI‑CEO Sam Altman — illustrierten allerdings die Grenzen und Risiken solcher Konstruktionen. Bei Anthropic zielt die Wahl der LLC-Form offenbar darauf ab, konzerninterne Kontrolle zu stärken; externe Aufsicht könnte dadurch weniger durchgreifend sein als bei klassischen Non‑Profit-Strukturen.
Reaktionen und Alternativen in der Branche
- Elon Musk schlug vor, Aktien direkt an die Öffentlichkeit auszugeben, und kündigte an, jedermann der rund 72 Millionen Kinder in den USA im kommenden Jahr eine SpaceX‑Aktie schenken zu wollen — ohne konkrete Umsetzungsdetails.
- Google setzt bisher stärker auf klassische Philanthropie, etwa den AI Opportunity Fund, der KI-Grundwissen verbreiten soll; direkte Zahlungen an Betroffene sind dort nicht vorgesehen.
Was noch offen ist
Wichtige Regeln fehlen noch:
- Wie genau entscheidet der Fonds über Direktzahlungen?
- Welche Kriterien gelten für Zahlungen an Einzelpersonen versus Zuschüsse an Organisationen?
- Wie werden Interessenkonflikte und Bewertungsmeilensteine formalisiert?
Diese Fragen bleiben in der Ankündigung unbeantwortet und dürften in den kommenden Wochen im Zuge der IPO‑Unterlagen und weiterführender Bekanntmachungen geklärt werden.
Quellen
- Quelle: Anthropic
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




