US-Behörden warnen: Chinesische Anbieter kopieren Fähigkeiten aus US-KI-Modellen.
In Kürze
- Genannte Firmen: DeepSeek, Alibaba, Moonshot u.a.
- Methode: „Destillation“ via APIs, Fake-Konten
- Gegenmaßnahmen: Täuschantworten, branchenweiter Austausch
US-Behörden schlagen Alarm: Chinesische KI-Anbieter sollen massenhaft Wissen aus US-Modellen abziehen
US-Geheimdienste und Sicherheitsbehörden warnen, dass mehrere chinesische KI-Firmen in großem Stil Fähigkeiten aus US-Modellen übernehmen. In einer gemeinsamen Mitteilung nennen NSA, CISA und FBI unter anderem DeepSeek, Alibaba, Moonshot AI, MiniMax, StepFun und Z.AI als beteiligte Anbieter. Betroffen seien Modelle und Dienste aus den USA, etwa von OpenAI, Anthropic, Google und xAI.
Worum es geht
Die US-Behörden sehen das Ziel darin, Funktionen wie Programmieren, agentische Aufgaben (also komplexe, mehrstufige Abläufe), Mathematik, Kundendialoge und Reasoning — also logisches Schlussfolgern — schnell nachzubilden. Sie vermuten, dass die Aktionen in Abstimmung mit chinesischen Stellen erfolgen könnten. Schon im April hatten US-Botschaften weltweit vor ähnlichen Vorgängen gewarnt.
Wie das angeblich funktioniert
Im Zentrum steht die sogenannte „Destillation“: Bestehende Modelle werden systematisch mit Anfragen bombardiert, die Antworten gesammelt und dann als Trainingsdaten für neue Modelle genutzt. Genutzt wurden dabei APIs (Schnittstellen, über die Programme automatisiert Fragen an Modelle schicken), externe Cloud-Dienste und Vermittler, die den Ursprung der Anfragen verschleiern sollen.
Berichte sprechen zudem von technischen Tricks: eine interne Plattform, die schnell zwischen verschiedenen Zugriffsmethoden wechselt (ein Vorwurf an Moonshot AI / Kimi K3) sowie ein Graumarkt mit „Transfer Stations“, die Geosperren umgehen. Solche Mechanismen würden das Massensammeln vereinfachen.
Konkrete Vorwürfe und Beispiele
Anthropic erklärte bereits im Februar, chinesische Firmen hätten seine Modelle mit über 24.000 gefälschten Konten und rund 16 Millionen automatisierten Anfragen genutzt. In der aktuellen Advisory der CISA werden mehrere chinesische Unternehmen namentlich aufgeführt.
Wie man das Abgreifen erkennt
- Dauerhafte, rund-um-die-Uhr-Nutzung ohne menschliche Pausen.
- Konten, die von Anfang an ihr volles Nutzungslimit ausschöpfen.
- Dieselben Konten, die von verschiedenen Standorten oder Geräten auftauchen.
- Prompts, die gezielt viele sehr ähnliche Antworten erzeugen wollen statt vielfältige, kreative Aufgaben.
Empfohlene Gegenmaßnahmen
US-Behörden raten zu praktischen Schritten:
- Verdächtige Nutzer sollen etwa mit absichtlich schlechteren oder leicht veränderten Antworten versorgt werden, ohne dass diese darüber informiert werden.
- Außerdem empfehlen sie einen branchenweiten Austausch über verdächtige Aktivitäten, um Muster schneller zu erkennen.
Kritik an den Vorwürfen und Risiken der Abwehr
Nicht alle Forschenden sehen die Vorwürfe durchgehend bestätigt. Einzelne Fälle — etwa die Destillationsthese bei Moonshot AI / Kimi K3 — werden infrage gestellt. Auch könnten Dauerbetrieb und volle Auslastung bei legitimen Geschäftsnutzern vorkommen, etwa bei automatisierten Testläufen oder großem Nutzeraufkommen. Die vorgeschlagenen Abwehrmaßnahmen bergen zudem das Risiko, legitime Kund:innen negativ zu treffen oder Nebenwirkungen im Betrieb zu verursachen.
Reaktion aus Peking
Chinas Regierung prüft ihrerseits Beschränkungen für den Auslandszugang zu besonders leistungsfähigen heimischen Modellen. Insgesamt behandeln beide Seiten KI zunehmend als sicherheitsrelevante Ressource und ziehen Kontrollmechanismen in Betracht.
Quellen
- Quelle: NSA / CISA / FBI
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




