OpenAI bringt ‚Computer History‘ in die ChatGPT‑Mac‑App: protokolliert lokale Aktivitäten, speichert lesbare Memory‑Dateien und bietet optionale Cloud‑Sync.
In Kürze
- Nur Pro/Business, opt‑in
- Unverschlüsselte Memory‑Dateien im Nutzerverzeichnis
- Cloud‑Nutzung abhängig vom Trainings‑Schalter; Tests zeigen Zugriff auf Notizen & 2FA
OpenAI hat in der offiziellen ChatGPT‑App für macOS ein neues Feature namens „Computer History“ gestartet, das die Aktivität auf deinem Rechner protokollieren kann — lokal und in Teilen auch in der Cloud. Das Tool folgt auf das experimentelle „Codex‑Chronicle“ und ähnelt Microsofts Windows Recall, unterscheidet sich aber darin, wie und wo die gesammelten Daten abgelegt werden.
Was genau speichert das Tool?
- Computer History protokolliert deine Rechner‑Nutzung, indem es macOS‑Barrierefreiheitsfunktionen nutzt (Systemrechte, die Programme befähigen, Eingaben wie Tastatur und Maus zu lesen). Für Screenshots braucht die App zusätzlich die entsprechende Erlaubnis; ob Screenshots in der Praxis genutzt werden, ließ sich nicht eindeutig klären.
- In der Menüleiste signalisiert ein petrolfarbener Pixel, dass die Funktion aktiv ist. Über das Menü siehst du „Recent/Zuletzt verwendet“-Einträge und kurze Zusammenfassungen der Aktivitäten. Diese Zusammenfassungen sind meist treffend, können aber auch kryptische interne Bezeichner zeigen.
Verfügbarkeit und Aktivierung
- Nutzbar ist Computer History nur für Pro‑Abonnenten (rund 100 Euro) sowie für Business‑ und Enterprise‑Konten — wobei Administratoren die Freischaltung steuern. OpenAI betont, dass das Feature opt‑in ist: du musst es aktiv einschalten.
- Ob die gesammelten Daten zum Training von OpenAI‑Modellen genutzt werden, hängt vom Trainings‑Hauptschalter im Account ab. Bei durchgeführten Tests war dieser Schalter deaktiviert. Du kannst bestimmte Apps und Websites vom Mitschnitt ausschließen.
Lokale „Memory“-Dateien und interner Speicher
- Während der Tests legte ChatGPT regelmäßig sogenannte Memory‑Dateien im Nutzerverzeichnis ab (Pfad etwa: .codex/memories/extensions/skysight/resources). Das sind lesbare Textdateien im Markdown‑Format mit deutlich detaillierteren Informationen als die App‑Übersicht. Diese Dateien sind unverschlüsselt und frei zugänglich — und sie scheinen nicht automatisch zu verschwinden.
- Daneben gibt es einen internen Zwischenspeicher, der mehr Daten enthält und nicht direkt als Datei sichtbar ist. Über den Chatbefehl @Computer History lässt sich auf diesen internen Speicher zugreifen. In Tests konnten darüber besuchte Websites und sogar eine als „geheim“ markierte Notiz aus der Notizen‑App abgerufen werden — obwohl das Memory‑File selbst angab, die Notiz sei „nicht sicher genug sichtbar“. Die Memory‑Dateien enthielten außerdem Übersichten über vorhandene Notizen.
Datenschutzrelevante Punkte aus den Tests
- OpenAI gibt an, temporäre Daten auf dem Mac nach zwei Tagen zu löschen; das betrifft offenbar vor allem die Daten, die über @Computer History abrufbar sind. Die lokal abgelegten Memory‑Files verbleiben jedoch ungeschützt im Dateisystem. Warum diese Dateien nicht verschlüsselt oder anderweitig geschützt werden, ist laut den vorliegenden Informationen nicht geklärt.
- Tastatureingaben, die im macOS‑Secure‑Input‑Modus gemacht werden (Systemmodus, der verhindern soll, dass andere Programme Tastatureingaben mitlesen), wurden in Tests offenbar nicht erfasst. Dennoch speicherte Computer History in Versuchen Kontoinformationen und 2FA‑Codes: Beim Anlegen eines neuen Google‑Kontos ließen sich Account und 2FA‑Codes später per Chat abfragen.
- Aktivitäten im privaten/Incognito‑Modus werden laut OpenAI nicht als Seiteninhalt gespeichert; das Unternehmen bestätigte, dass Inhalte von Seiten im Incognito‑Modus nicht als Seiten‑Inhalt abgelegt werden. Metadaten zum Vorgang (zum Beispiel „Nutzer nutzte Incognito, öffnete eine Website, kopierte einen Link“) wurden jedoch protokolliert. Zudem können Inhalte, die während des Incognito‑Betriebs in die Zwischenablage kopiert wurden, wiederherstellbar sein, sofern das Clipboard nicht später überschrieben wurde.
Herkunft des Teams und Ausblick
- Teile des Teams hinter Computer History stammen aus der von OpenAI übernommenen macOS‑App Sky; diese Entwickler hatten zuvor an Apples Kurzbefehle/Workflow gearbeitet. Entwickler Ari Weinstein bestätigte die Herkunft des Teams und kündigte an, dass eine Windows‑Version von Computer History geplant ist.
Was die Tests zeigen
Die Tests beschreiben Computer History als sehr detailreich: die App protokolliert lokale Aktivitäten, legt ausführliche (und lesbare) Memory‑Dateien ab und bietet über Chatbefehle Zugriff auf einen internen Speicher. Gleichzeitig bleiben Fragen offen, etwa zur Sicherung der lokal gespeicherten Dateien und dem genauen Umfang der Cloud‑Verarbeitung.
Quellen
- Quelle: OpenAI
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




