Die EU verlangt von Google, Android für Drittanbieter‑KIs zu öffnen — gleiche Schnittstellen, Datenschutzauflagen und Fristen bis 2028.
In Kürze
- Gleiche Zugriffsrechte für Drittanbieter wie für Gemini
- Zertifizierung, DSGVO‑Pflichten und Nutzerkontrolle bleiben zentral
- Umsetzung in Android 18/19 mit Fristen bis 2027/2028
Wenn du ein Android‑Handy in der EU nutzt, kann sich bald einiges an der KI‑Front ändern: Die EU-Kommission verlangt von Google, Android für KI‑Assistenten von Drittanbietern zu öffnen, sodass diese ab Android 18 die gleichen Zugriffsrechte und Funktionen bekommen wie Googles eigener Assistent Gemini.
Warum das passiert
Hintergrund ist der Digital Markets Act (DMA). Android gilt darin als sogenannter „Gatekeeper“, also als Plattform mit marktentscheidender Stellung. Die EU hat deshalb verbindliche Vorgaben veröffentlicht, damit Drittanbieter‑KIs nicht benachteiligt werden und Nutzerinnen und Nutzer aus mehreren Assistant‑Optionen wählen können. Google kann die Regeln rechtlich anfechten.
Was sich praktisch ändert
Drittanbieter‑Assistenten sollen denselben Funktionsumfang und Schnittstellenzugang erhalten wie Gemini. Konkret heißt das unter anderem:
- Aktivierungswort per Sprachbefehl nutzen können,
- Bestellungen (Essen, Fahrdienste etc.) per Sprachkommando auslösen,
- den Bildschirm‑Kontext erfassen und analysieren (z. B. Inhalte offener Apps),
- dauerhaft im Hintergrund arbeiten und auf andere Apps zugreifen,
- agentische, mehrstufige Aufgaben selbstständig ausführen (also Abläufe mit mehreren Schritten).
Datenschutz und Sicherheit bleiben zentrale Bedingungen
Die bestehenden EU‑Regeln wie die DSGVO und das Gesetz zur Cyber‑Resilienz gelten weiter. Nutzerinnen und Nutzer sollen kontrollieren können, welche KI‑Dienste auf welche Gerätefunktionen zugreifen dürfen — in der Regel per Einwilligung. Für besonders sensible Funktionen kann Google „unter außergewöhnlichen Umständen“ objektive, nicht diskriminierende Zugangsvoraussetzungen verlangen (etwa erhöhte Sicherheits‑ und Datenschutzstandards). Kommerzielle Zusatzbedingungen darf Google Drittanbietern aber nicht aufzwingen.
Zertifizierung und Zeitplan
Unabhängige Dritte sollen prüfen, ob Drittanbieter‑Apps die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Die Fristen im Überblick:
Die Fristen im Überblick:
- Entwurf der Zulassungsbedingungen: bis 1. Februar 2027,
- endgültige Bedingungen: bis 1. Mai 2027,
- Google nimmt Zertifizierungsanträge ab 1. Mai 2027 an,
- Prüfungen müssen binnen vier Wochen abgeschlossen sein,
- Nutzerinnen und Nutzer sollen ab Juli 2027 von den Änderungen profitieren.
Technische Umsetzung in Android:
- Die Maßnahmen müssen in Android 18 umgesetzt sein, spätestens bis 1. August 2027,
- Die Funktion zur Erkennung gleichzeitiger Aktivierungswörter (damit mehrere KI‑Dienste per Sprachbefehl parallel erreichbar sind) muss in Android 19 bis spätestens 1. August 2028 kommen.
Was Google sagt
Google warnt, die neuen Regeln könnten bestehende Schutzmechanismen für Privatsphäre und Sicherheit schwächen. Das Unternehmen betont, bereits sichere Zugriffswege vorgeschlagen zu haben und weist darauf hin, dass Gerätehersteller bei der Kontrolle eine wichtige Rolle spielen. Google sieht Risiken, wenn externen Apps sehr weitreichende Berechtigungen eingeräumt werden.
Apple bleibt zurückhaltend
Apple bietet den neuen Siri‑KI‑Assistenten vorerst nicht in der EU an und verhandelt weiterhin mit der Kommission. Seit 2024 hat Apple bereits einige Funktionen in der EU eingeschränkt, die ansonsten eine Öffnung von iOS für Drittanbieter erfordern würden.
Was das für dich bedeutet
Kurz gesagt: Du könntest in der EU bald mehr Wahl bei KI‑Assistenten auf Android haben — mit Zugriffen, die bislang Googles Assistent vorbehalten waren. Diese Öffnung läuft unter klaren Datenschutz‑ und Sicherheitsauflagen und einem strikten Zeitplan bis 2027/2028.
Quellen
- Quelle: EU-Kommission
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




