Verbände führen erstmals KI‑Kennzeichnungen für Musik ein — mit Lücken.
In Kürze
- Neue Labels: KI‑generiert / KI‑unterstützt
- Texte & Melodien ausgenommen
- Streaming‑Riesen nicht unterzeichnet
Du hast sicher schon KI‑Musik gehört — jetzt gibt es erstmals ein gemeinsames Kennzeichnungs-System großer Musik‑Verbände.
Was neu beschlossen wurde
Konkret haben RIAA, IFPI, der deutsche BVMI und weitere Branchengruppen zwei Labels vereinbart: „KI‑generiert“ und „KI‑unterstützt“. Diese sollen ähnlich wie „Explicit Lyrics“ auf Covern oder Metadaten erscheinen und Hörer:innen darüber informieren, wie stark KI am Endprodukt beteiligt war.
Was die beiden Begriffe genau bedeuten
- „KI‑generiert“: Wird angewendet, wenn zentrale Elemente wie der Leadgesang oder maßgebliche Instrumental‑Parts per Prompt erzeugt wurden. (Prompt = eine Anweisung an die KI.)
- „KI‑unterstützt“: Die Aufnahme ist im Wesentlichen von Menschen gemacht; Gesang und Hauptinstrumente stammen von Menschen, KI wurde nur ergänzend eingesetzt.
Was nicht gekennzeichnet werden muss
Die Vereinbarung schließt mehrere Bereiche aus: Songtexte, Plattencover, Musikvideos — und überraschenderweise auch die Kompositionen (Noten/Melodien).
Das heißt: Texte oder Melodien, die von einer KI erstellt wurden, müssen nach diesen Regeln nicht als „KI‑generiert“ gekennzeichnet werden, sofern Menschen sie singen oder spielen. Die Verbände betonen allerdings, dass das System mit der Technik weiterentwickelt werden solle.
Wer unterschrieben hat — und wer nicht
Unter den Unterzeichnern sind große Industrieverbände (RIAA, IFPI, BVMI), unabhängige Label‑Verbände (WIN, A2IM, IMPALA), die Gewerkschaft SAG‑AFTRA, die Grammy‑Organisation und die „Human Artistry Campaign“. Große Streaming‑Dienste wie Spotify, Apple Music, YouTube und Amazon fehlen als Unterzeichner. Ihr Branchenverband (DMA) äußert, man beobachte die Entwicklung und fordere verlässliche Metadaten vom Creator bis zum Fan.
Warum das für Streaming relevant ist
Plattformen sehen bereits viele KI‑Veröffentlichungen: Spotify hat eigene Kennzeichnungen eingeführt, und Deezer‑Daten zeigen, dass im April 2026 rund 44 % der neuen Uploads als KI‑generiert eingestuft wurden — fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Außerdem hatten bei 43 % der Nutzer, die zu Deezer wechselten, bereits KI‑Songs in ihren Playlists gestanden. Das erklärt, warum klare Regeln für Labels und Metadaten auf Streaming‑Plattformen eine hohe Priorität haben.
Wie die Branche die Regeln beschreibt
Die Verbände betonen: Es geht nicht um ein Verbot von KI, sondern um Transparenz gegenüber Hörern und Kreativen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass das Ausklammern von Texten und Kompositionen die Regelung unvollständig lässt — gerade weil ganze Melodien inzwischen automatisch erzeugt werden können. Die beteiligten Organisationen sagen, sie würden die Kennzeichnung weiterentwickeln, je nachdem wie sich die Technologie verändert.
Quellen
- Quelle: RIAA / BVMI
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




