Musikindustrie führt zwei Labels ein, damit Fans sehen, ob Gesang oder Hauptinstrumente von KI stammen.
In Kürze
- Verbände einigen sich
- Gilt für Gesang und Hauptinstrumente
- Texte, Cover und Kompositionen ausgenommen
Du scrollst durch Playlists und fragst dich vielleicht: Wer hat das gerade eingesungen — ein Mensch oder eine Maschine? Die internationale Musikindustrie hat sich jetzt auf zwei Kennzeichnungen geeinigt, die genau das sichtbar machen sollen: „KI‑generiert“ und „KI‑unterstützt“. Das haben große Verbände wie die US‑RIAA und der deutsche BVMI gemeinsam beschlossen; zuerst berichtete das Wall Street Journal, später bestätigten die Verbände die Absprache selbst. Plattformen wie Spotify oder Apple Music gehören Berichten zufolge nicht zu den formalen Unterzeichnern, stehen dem Vorhaben aber offenbar nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. YouTube und Amazon sind ebenfalls nicht offiziell unterzeichnet.
Was die Labels bedeuten
„KI‑generiert“
Dieses Label kommt zum Einsatz, wenn zentrale Elemente eines Tracks — etwa der Lead‑Gesang oder maßgebliche Instrumentalparts — per Prompt von einer KI erzeugt wurden. Es reicht also, dass ein wesentlicher Teil des Tracks maschinell entstanden ist; der komplette Song muss nicht aus KI‑Hand sein, damit das Label zutrifft.
„KI‑unterstützt“
Dieses Label wird vergeben, wenn die Aufnahme im Wesentlichen von Menschen gemacht wurde und Gesang sowie Hauptinstrumente von Menschen eingespielt wurden.
Was nicht unter die Kennzeichnung fällt
- Songtexte, Covergrafiken und Musikvideos sind ausdrücklich ausgenommen. Ein Text oder ein Artwork kann komplett von einer KI erzeugt worden sein, ohne dass das auf dem Track gekennzeichnet werden muss.
- Auch Kompositionen — also Melodien und Noten — sind derzeit nicht Teil des Kennzeichnungssystems. Ein Stück kann demnach vollständig von einer KI komponiert worden sein und trotzdem nicht als „KI‑generiert“ markiert werden, solange Menschen die Gesangslinien oder Hauptinstrumente liefern. Die Verbände sagen, das System solle mit der Technik weiterentwickelt werden.
Wie die Kennzeichnung erscheinen soll
Die Labels sollen ähnlich wie der Hinweis „Explicit Lyrics“ in Cover und Metadaten auftauchen. Metadaten sind die Informationen, die einem Track beigefügt werden — etwa Interpret, Titel oder Veröffentlichungsjahr — und die Streaming‑Plattformen an Fans weitergeben.
Wer hinter dem Vorhaben steht
An der Vereinbarung sind mehrere große Akteure beteiligt:
- RIAA (USA)
- BVMI (Deutschland)
- IFPI (international)
- Vertreter von Independent‑Labels (WIN, A2IM, IMPALA)
- SAG‑AFTRA
- Die Organisation der Grammys
- Human Artistry Campaign
Die großen Streamingdienste haben das Papier nicht formal unterzeichnet; der Verband der Streamer (DMA) sagt, er beobachte die Entwicklung und fordere verlässliche Metadaten entlang der gesamten Lieferkette „vom Creator bis zum Fan“.
Warum das Thema drängt
Streaming‑Dienste bekommen immer mehr KI‑erzeugte Inhalte. Deezer meldete, dass im April 2026 rund 44 Prozent der neuen Uploads als KI‑generiert galten — fast viermal so viele wie ein Jahr zuvor. Außerdem hatten 43 Prozent der Nutzer, die zu Deezer gewechselt waren, bereits KI‑Songs in ihren Playlists. Die Verbände betonen, sie seien nicht prinzipiell gegen KI‑Einsatz, sondern wollten vor allem transparente Angaben darüber, wie KI eingesetzt wurde.
Offene Fragen und Ausbaupläne
Die derzeitige Lösung ist gestuft und deckt zentrale Audio‑Elemente ab, lässt aber Lücken bei Texten, Videos, Coverarts und Kompositionen. Verbände haben angekündigt, das Kennzeichnungssystem weiterzuentwickeln, sobald sich die Technik verändert oder neue Fragestellungen auftreten.
Quellen
- Quelle: RIAA / BVMI
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




