Palantir veröffentlicht ein 22‑Thesen‑Manifest, das Technologie als Grundlage nationaler Macht und konkrete staatliche Maßnahmen fordert.
In Kürze
- Manifest positioniert Palantir als sicherheitspolitischen Akteur und richtet sich an Politiker und Behörden
- Forderungen: KI‑gestützte Waffensysteme, Wehrpflicht und gesellschaftliche Risikoteilung
- Veröffentlichung kommt unter öffentlichem Druck; Deutschland wird explizit kritisiert
Palantir hat ein 22‑Thesen‑Manifest veröffentlicht — weniger Produktbroschüre, mehr politisches Statement. Die Thesen fassen eine zugespitzte Kurzversion von Alex Karps Buch „The Technological Republic” zusammen und erscheinen in einer Phase, in der das Unternehmen unter öffentlicher und politischer Kritik steht. Ziel des Manifests: die Rolle von Technologie, vor allem der eigenen Systeme, als Grundlage von Macht, Sicherheit und staatlichem Handeln zu behaupten.
Vom Software‑Anbieter zum politischen Akteur
Das Papier richtet sich nicht nur an Kundinnen und Kunden, sondern explizit an:
- Politiker
- Sicherheitsbehörden
- Investoren
- die Tech‑Öffentlichkeit
Palantir tritt damit offen als sicherheitspolitischer Akteur auf, der politische Rahmenbedingungen formuliert statt reine technische Lösungen anzubieten.
Technologie als „Hard Power“
Zentrale These: Staaten brauchen mehr als moralische Appelle. Macht und Abschreckung würden zunehmend auf Software und technischen Fähigkeiten beruhen — also auf „Hard Power” im Sinne konkreter Mittel wie militärischer und technischer Stärke. Software wird demnach als Bestandteil nationaler Sicherheitsarchitektur verstanden.
Konkrete Forderungen
Das Manifest nennt deutlich handfeste Maßnahmen:
- den Einsatz von KI‑gestützten Waffensystemen
- sogar die Wiedereinführung einer Wehrpflicht
Diese Maßnahmen werden als mögliche Bestandteile einer Sicherheitsstrategie genannt. Damit verschiebt sich die Debatte weg von reinen Technikfragen hin zu strategischen und politischen Entscheidungen.
Gesellschaftliche Mitverantwortung
Palantir fordert, dass die Kosten und Risiken künftiger Konflikte nicht allein bei Entwicklerinnen und Entwicklern, sondern von der ganzen Gesellschaft getragen werden sollen. Politiker müssten bereit sein, Risiken gegenüber Wählerinnen und Wählern oder Geldgebern einzugehen, um staatliche Handlungsfähigkeit zu sichern.
Kritik an Moralisierung öffentlicher Debatten
Das Manifest warnt vor einer Übermoralierung politischer Diskussionen. Es plädiert für mehr Nachsicht gegenüber öffentlichen Personen und wirft Teilen der Eliten Intoleranz gegenüber religiösem Glauben vor. Damit will Palantir eine breitere Diskussionsbasis für den Einsatz technischer Mittel schaffen.
Timing und Wirkung
Die Veröffentlichung fällt in eine Phase, in der Palantir unter Druck steht: Debatten um Einsätze bei Polizeibehörden, um die Zusammenarbeit mit dem NHS in England und Fragen zur digitalen Souveränität prägen die öffentliche Diskussion. Vor diesem Hintergrund wirkt das Manifest wie eine strategische Selbstvergewisserung und ein Versuch, das Narrativ zu setzen.
Deutschland im Fokus
These 15 hebt explizit Deutschland (und Japan) hervor und kritisiert die Nachkriegs‑Entmilitarisierung als „Überkorrektur“, die heute Nachteile bringe. Alex Karp hat persönliche Verbindungen zu Deutschland — Studium und intellektuelle Prägungen — und erwartet daher, dass Deutschland technologisch mehr aufholen und offener gegenüber Technologien wie denen von Palantir werden sollte. Politisch sorgt das für Gegenwind:
- Debatten über Polizeieinsätze
- ein Koalitionsstreit in Baden‑Württemberg
- Forderungen der SPD, Palantir auf Bundesebene zu blockieren
- gleichzeitig gewinnen europäische Alternativen an Aufmerksamkeit
Publizistische Strategie
Das Manifest ist Teil einer länger angelegten Veröffentlichungsstrategie, zu der auch frühere Bücher von Karp gehören. Mit diesen Texten verschiebt Palantir die Fragestellung von „Ist das moralisch richtig?“ hin zu „Dient es der Macht, Stabilität und staatlichen Handlungsfähigkeit?“.
Die grundsätzliche Frage
Das Papier macht deutlich, dass große Technologieunternehmen heute nicht mehr nur Dienstleister sind, sondern aktiv an der Definition von Staat, Sicherheit und gesellschaftlicher Ordnung mitwirken wollen. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Staaten die zentrale Frage: Unter welchen Bedingungen gewähren sie einem Unternehmen mit klarer politischer Agenda Zugang zu sensiblen, persönlichen Daten ihrer Bürgerinnen und Bürger?
Quellen
- Quelle: Palantir
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




