Das BKA nutzte 2025 seine Gesichtserkennung deutlich häufiger – mit mehr Treffern und mobilen Handy‑Abgleichen.
In Kürze
- Suchläufe stiegen auf rund 343.856 — mehr als doppelt so viele wie 2024
- Seit 2024 KI-gestützt, Fehlerrate unter 1%; bis Ende 2026 sollen ~50 Stellen wegfallen
- Inpol-Daten sind geprägt von Asylsuchenden; Kritik an digitaler Stigmatisierung
Mehr Gesichter, mehr Treffer — und mehr Fragen: Die polizeiliche Gesichtserkennung des Bundeskriminalamts (BKA) wurde 2025 deutlich häufiger eingesetzt. Insgesamt verzeichnete das System rund 343.856 Suchläufe — mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
Wie die Technik funktioniert
Die eingesetzte Software wandelt ein Foto von einer Kamera oder einem Handy in eine kompakte Zahlenbeschreibung um, ein sogenanntes Template. Dieses Template wird mit Einträgen in der Inpol‑Datei verglichen, der zentralen Polizeidatenbank, die aktuell rund 7,6 Millionen Fotos von etwa 5,4 Millionen Personen enthält. Als Ergebnis liefert das System eine nach Wahrscheinlichkeit sortierte Liste von Kandidaten. Diese Treffer sind zunächst nur Hinweise auf Ähnlichkeiten; eine eindeutige Identifizierung erfordert die nachfolgende Prüfung durch Fachleute.
Mehr automatisierte Suche, weniger Personen im Dienst?
Seit September 2024 arbeitet das BKA mit einer KI‑gestützten Version der Gesichtserkennung. Nach Angaben des BKA liegt die Fehlerrate jetzt unter 1 Prozent. Die stärkere Automatisierung hat Folgen für die Personalplanung: Bis Ende 2026 sollen etwa 50 Stellen in der zuständigen Abteilung wegfallen. Eine abschließende menschliche Kontrolle bleibt jedoch vorgeschrieben — auch wegen Vorgaben der EU‑KI‑Verordnung.
Wer greift wie oft zu?
Die Kriminalämter von Bund und Ländern erhöhten ihre Abfragen von rund 121.000 im Jahr 2024 auf über 313.500 im Jahr 2025. Die Bundespolizei nutzte die zentrale Fotodatenbank etwa 30.000‑mal — ein Plus von etwa 50 Prozent — und meldet 5.328 direkte Treffer; bei ihr war damit etwa jeder sechste Suchlauf erfolgreich. Experten führen diese hohe Trefferquote vor allem auf den Schwerpunkt der Bundespolizei bei Kontrollen an Binnengrenzen und im Zusammenhang mit Migration zurück.
Matching per Handy im Streifendienst
Neu ist auch mobiler Einsatz: In Hessen gibt es eine App, mit der Streifenbeamte Gesichter per Smartphone direkt mit dem BKA‑System abgleichen können. Die Möglichkeit, Treffer sofort vor Ort zu erzeugen, beschleunigt Abläufe — und verlagert die Technologie direkt in den Alltag der Polizei.
Kritik: Datenlage und gesellschaftliche Effekte
Die Zusammensetzung der Inpol‑Datenbank wirft Fragen auf: Mehr als die Hälfte der gespeicherten Personen sind Asylsuchende oder Menschen mit abgelehntem Status. Weil diese Gruppen öfter kontrolliert werden, landen sie überproportional häufig in der Datei — was wiederum ihre Chance erhöht, bei späteren Kontrollen erkannt zu werden. Rechtswissenschaftler warnen vor einer digitalen Stigmatisierung: Eine erhöhte Kontrollhäufigkeit kann in einem Teufelskreis münden, der einzelne Gruppen dauerhaft stärker überwacht und belastet.
Was bleibt
Die aktuellen Zahlen zeigen: Die Gesichtserkennung der Polizei läuft häufiger und technikgestützter als zuvor — mit schnelleren Abläufen, mehr Treffern in bestimmten Einsatzbereichen und neuen mobilen Anwendungen. Gleichzeitig stellen Zusammensetzung der Datenbestände und die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen zentrale Fragen für Datenschutz und Gleichbehandlung.
Quellen
- Quelle: Bundeskriminalamt (BKA)
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




