Fraunhofer kombiniert Thermografie und KI zur Erkennung schwarzer Kunststoffe in Sortieranlagen.
In Kürze
- Infrarot erwärmt Teile, Wärmebilder zeigen materialtypische Muster
- KI klassifiziert Polyamid (PA) und Polypropylen (PP) in Echtzeit
- Ziel: mehr Materialklassen und höhere Geschwindigkeit; Demo 18./19. März
Schwarze Plastikteile sind für viele Sortieranlagen praktisch unsichtbar — und landen deshalb häufig in der Verbrennung statt im Recycling.
Das betrifft Verpackungen, Sportartikel, Autoteile und Elektronikgehäuse. Forscher am Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) haben jetzt eine Lösung vorgestellt, die diese unsichtbaren Abfälle erkennbar macht.
Das Team um Andreas Keller und Kevin Schmitz kombiniert zwei Techniken:
- aktive Thermografie
- Künstliche Intelligenz
Kurz gesagt: Die Teile werden kurz aufgeheizt, eine Wärmebildkamera verfolgt die Temperaturverteilung, und ein KI-Modell wertet diese thermischen Signaturen in Echtzeit aus, um das Material zu bestimmen.
So funktioniert’s konkret:
- Ein Infrarotheizstrahler bringt das Bauteil leicht auf Temperatur.
- Die entstehenden Wärmebilder zeigen je nach Kunststoffart unterschiedliche Muster — Wärmeleitfähigkeit, Oberflächenstruktur und Wärmeabfluss spielen eine Rolle.
- Die KI interpretiert diese Muster sofort und trifft eine Sortierentscheidung, während das Förderband weiterläuft.
Aktuell kann das System zuverlässig Polyamid (PA) und Polypropylen (PP) erkennen. Laut Fraunhofer ist die Methode kostengünstiger als bisherige Systeme zur Erkennung schwarzer Kunststoffe; viele etablierte Anlagen unterscheiden bislang nur transparente oder farbige Kunststoffe. Würden schwarze Kunststoffe flächendeckend automatisiert erkannt, ließe sich viel Material zurückgewinnen und damit CO₂ einsparen.
Als nächster Schritt wollen die Forscher die Verarbeitungsgeschwindigkeit erhöhen und die Klassenzahl erweitern, damit das System für den industriellen Einsatz taugt. Einen Demonstrator zeigen sie auf der Fachmesse Solids & Recycling-Technik am 18. und 19. März in Dortmund — Gelegenheit, schwarzen Kunststoff praktisch „sichtbar“ zu machen.
Quellen
- Quelle: Fraunhofer IZFP
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




