KI-Systeme sollen zwischen Augenschluss und echtem Schlaf unterscheiden — für sichere Übergaben ohne unnötige Alarme.
In Kürze
- Innenraumkameras, seriennahe Sensorik und EEG werden im Fahrsimulator kombiniert.
- Kurzes Augenschließen: meist ~10 Sekunden bis zur Reaktionsfähigkeit; Einschlafen: Sleep‑Inertia ≈2 Minuten.
- Sitzvibration plus Klang wecken sanfter und zuverlässiger als schrille Alarme.
Kurz die Augen zu — und dann?
Ein Forschungsverbund aus Universität Stuttgart, Fraunhofer IOSB und weiteren Partnern arbeitet im Projekt Salsa an KI-Systemen, die in hochautomatisierten Fahrzeugen zuverlässig unterscheiden sollen, ob der Fahrer nur kurz die Augen schließt oder tatsächlich eingeschlafen ist. Ziel: entspanntere Blicke weg vom Verkehr ermöglichen, ohne die Sicherheit zu gefährden.
Warum das wichtig ist
Bei SAE‑Level‑3‑Systemen darf der Mensch theoretisch entspannen, muss aber innerhalb einer Vorwarnzeit die Kontrolle wieder übernehmen. Praktisch ist das Problem: vorhandene Sensoren können oft nicht genug zwischen einem kurzen Augenverschluss und echtem Schlaf differenzieren. Das bringt das Risiko mit sich, dass ein System einen noch reaktionsfähigen Fahrer fälschlich weckt — oder im umgekehrten Fall einen eingeschlafenen Fahrer nicht rechtzeitig erkennt.
Wie die Forschenden vorgehen
Im realitätsnahen Fahrsimulator kombinieren die Teams Innenraumkameras und seriennahe Sensorik, um Körperhaltung und feinste Bewegungen zu erfassen. Parallel dazu wird EEG (Elektroenzephalographie) gemessen — also Hirnströme über Kopfhaut‑Elektroden — als Referenzsignal, um die KI zu trainieren und den tatsächlichen Wachzustand genau einzuschätzen. So entstehen Datensätze, die helfen sollen, subtile Unterschiede zwischen kurzem Entspannen und echtem Schlaf zu erkennen.
Was die Studie bisher gezeigt hat
Ein zentrales Ergebnis: Nach einem leichten Augenverschluss ist ein Fahrer in der Regel schon nach etwa zehn Sekunden wieder einsatzbereit. Nach echtem Schlaf dagegen dauert die Phase der Benommenheit, die sogenannte „Sleep Inertia“, deutlich länger — mindestens rund zwei Minuten, bis eine sichere Übernahme der Kontrolle möglich wäre. Diese zeitlichen Unterschiede sind wichtig für die Gestaltung von Übergangszeiten zwischen automatischer und manueller Fahrt.
Weckmethoden: laut ist nicht immer besser
Ein schriller Alarm allein kann schockieren oder zu spät wirken. Die Forschenden fanden, dass eine Kombination aus Sitzvibrationen und gezielten Klangsignalen ein sanfteres und effektiveres Aufwecken ermöglicht. Einen entsprechenden Prototypen haben sie bereits getestet und berichten von verbesserten Reaktionszeiten gegenüber reinen Alarmtönen.
Finanzierung und nächste Schritte
Das Projektkonsortium wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit rund 10 Millionen Euro gefördert. Einen Zwischenstand und eine Demo zeigen die Beteiligten am 12. Februar in der Schwabenlandhalle in Fellbach — dort werden Messungen, Algorithmenansätze und der Weck‑Prototyp vorgestellt.
Quellen
- Quelle: Forschungsprojekt Salsa
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




