Microsoft startet einen Marktplatz, auf dem Verlage Lizenzregeln für KI hinterlegen.
In Kürze
- Verlage hinterlegen Lizenzregeln
- KI-Firmen sollen Lizenzen suchen und abschließen
- Technik, Abrechnung und Zeitplan unklar
Microsoft startet einen Marktplatz für Lizenzbedingungen: Publisher Content Marketplace (PCM) heißt das Projekt, das Verlage als zentrale Ablage für Nutzungsbedingungen von Inhalten dienen soll.
Dort tragen Verlage ein, unter welchen Bedingungen KI-Anbieter ihre Inhalte nutzen dürfen. KI-Firmen könnten diese Regeln durchsuchen und direkt Lizenzverträge abschließen; Verlage erhalten Berichte über die tatsächliche Nutzung, um Preise präziser zu kalkulieren.
Gemeinsame Entwicklung mit Verlagen
Microsoft betont, dass PCM in Zusammenarbeit mit mehreren Verlagen entsteht. Genannt werden unter anderem Vox Media (Mutter von The Verge), die Associated Press, Condé Nast und People; als Pilotpartner wurde Yahoo bereits genannt. Microsoft sagt, das Angebot richte sich an Verlage jeder Größe — also auch an unabhängige Medien.
Warum jetzt ein Marktplatz?
Hintergrund ist die Debatte um das Training moderner KI-Modelle: Viele Systeme wurden mit großen Mengen öffentlich zugänglicher Online-Inhalte trainiert, häufig ohne Vergütung für die Urheber. Das hat einerseits zu Lizenzverhandlungen geführt und andererseits zu Gerichtsfällen. Als Beispiele nennt Microsoft selbst Klagen von The New York Times und The Intercept gegen Microsoft und OpenAI.
RSL‑Standard als Alternative
Parallel zum PCM existiert ein von Verlagen unterstützter offener Standard namens Really Simple Licensing (RSL). RSL beschreibt ein technisches Verfahren, bei dem Lizenzeinstellungen direkt in Webseiten eingebettet werden, damit automatisierte Programme — also Bots, die Inhalte “scrapen” — erkennen, wie und ob sie Inhalte abrufen und dafür zahlen müssen. RSL zielt darauf ab, maschinenlesbare Regeln für das Sammeln und die Vergütung von Inhalten bereitzustellen.
Was Microsoft dazu sagt
Microsoft erklärt, PCM solle Zahlungen an Publisher “auf Basis des gelieferten Wertes” ermöglichen und KI‑Herstellern skalierbaren Zugang zu lizenzierten Premium‑Inhalten bieten, damit ihre Produkte bessere Ergebnisse liefern. Das Unternehmen argumentiert außerdem, dass das traditionelle Modell des offenen Webs — Verlage stellen Inhalte bereit, Suchdienste bringen Leser — nicht eins zu eins auf eine Welt mit KI‑Antworten übertragbar sei, weil Nutzer Antworten oft direkt in Konversationen erhalten, statt über Klicks auf Originalseiten zu landen.
Offene Fragen und nächster Schritt
Microsoft kündigt enge Zusammenarbeit mit Verlags‑Partnern an und sagt, man wolle auch mit RSL und anderen Standards kooperieren, hat aber bislang keine technischen Details, Abrechnungsmodalitäten oder Zeitpläne vorgelegt. Unklar bleibt, wie genau Nutzungsberichte aussehen, nach welchen Kriterien Zahlungen berechnet werden und wie breit PCM ausgerollt wird.
Artikel-Update (3. Februar): Microsofts Antwort wurde ergänzt.
Quellen
- Quelle: Microsoft
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




