Der zweite International AI Safety Report (2026) zeigt: Sicherheitspraktiken bleiben hinter den neuen Fähigkeiten general‑purpose KIs zurück.
In Kürze
- Modelle verbessern sich stark in Mathematik, Programmierung und autonomen Aufgaben
- Risiken: Missbrauch, Fehlfunktionen und systemische Folgen für Arbeit und Vertrauen
- Forderung: verbindliche Industriepflichten und Ausbau gesellschaftlicher Resilienz
Der zweite International AI Safety Report (2026) — erstellt von mehr als 100 unabhängigen Expertinnen und Experten aus über 30 Ländern unter der Leitung des Turing-Preisträgers Yoshua Bengio — kommt zu einem klaren Ergebnis: Die bisherigen Sicherheitspraktiken reichen nicht aus, um mit den schnell wachsenden Fähigkeiten general-purpose KI Schritt zu halten.
Hier die wichtigsten Erkenntnisse für dich, kompakt und praxisnah.
Was der Bericht beobachtet
- General-purpose KI‑Modelle (etwa ChatGPT, Gemini, Claude, Mistral) haben sich im vergangenen Jahr stark verbessert — besonders in Mathematik, Programmierung, Naturwissenschaften und bei Aufgaben, die ein hohes Maß an autonomen Entscheidungen erfordern. Kurz: KIs können immer mehr verschiedene Aufgaben gut lösen.
- Rund 700 Millionen Menschen nutzen führende KI-Systeme mindestens wöchentlich. Die Verbreitung verlief schneller als bei früheren Technologien wie PCs, zeigt aber große regionale Unterschiede: In einigen Ländern verwenden mehr als die Hälfte der Bevölkerung KI, in großen Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas weniger als 10 %.
- Viele Leistungszuwächse entstehen durch sogenannte Post‑Training‑Optimierung: Modelle werden nach ihrem Grundtraining gezielt weiter angepasst, um spezielle Fähigkeiten zu steigern.
Dreifache Risikoaufteilung
Der Report gliedert Risiken in drei Kategorien und liefert dazu konkrete Beispiele.
1) Missbrauch
- KI kann für Erpressung oder viele Formen von Cyberangriffen genutzt werden.
- Sie ermöglicht nicht-konsensuelle Erzeugung intimer Inhalte und hilft, Sicherheitslücken in Software schneller zu finden.
- In Tests war KI‑generierte Desinformation oft genauso wirkungsvoll wie von Menschen erstellte Falschinformationen.
2) Fehlfunktion
- Modelle liefern weiterhin fehlerhaften Code, falsche Fakten oder irreführende Ratschläge.
- Besonders riskant sind autonome Systeme, weil sie menschliches Eingreifen erschweren, auch wenn ihre Leistungen insgesamt besser werden.
3) Systemische Risiken
- Der Arbeitsmarkt verändert sich: Erste Hinweise deuten darauf hin, dass Wissens- und kreative Einstiegsjobs stärker betroffen sind — nicht unbedingt durch einen Rückgang der Gesamtbeschäftigung, wohl aber durch geringere Nachfrage nach Berufseinsteigerinnen und -einsteigern in bestimmten Bereichen.
- Zunehmende KI‑Nutzung kann kritisches Denken schwächen und Automation Bias fördern — also die Neigung, KI‑Ergebnissen unbegründet zu vertrauen.
Warum Risiken schwer zu begrenzen sind
- Neue Fähigkeiten von Modellen entstehen oft überraschend; das Innenleben vieler Modelle ist noch unzureichend erforscht.
- Ökonomische Interessen reduzieren Transparenz, was unabhängige Sicherheitsforschung erschwert.
- Technische Schutzmaßnahmen werden zwar besser, lassen sich aber umgehen — etwa durch Prompt‑Injections, also Eingaben, die Schutzmechanismen aushebeln.
- Offene Modelle mit verfügbaren Gewichten („Open‑Weight‑Modelle“) erleichtern Forschung und wirtschaftliche Nutzung, machen es aber zugleich einfacher, Sicherheitskonfigurationen zu manipulieren.
Empfehlungen des Berichts
- Die Industrie sollte stärkere Sicherheitsverpflichtungen eingehen; derzeitige Selbstverpflichtungen reichen nach Ansicht der Autorinnen und Autoren nicht aus.
- Zentrale Forderung: gesellschaftliche Resilienz ausbauen. Konkret nennt der Bericht Maßnahmen wie:
- die Stärkung kritischer Infrastrukturen,
- den Ausbau von Werkzeugen zur Erkennung KI‑generierter Inhalte,
- die Schaffung institutioneller Kapazitäten, um auf neue Bedrohungen reagieren zu können.
- Der Report liefert eine evidenzbasierte Grundlage für Entscheidungen im Umgang mit general‑purpose KI und betont, dass Politik, Wissenschaft und Industrie jetzt weiter handeln müssen, um Risiken zu begrenzen.
Quellen
- Quelle: International AI Safety Report 2026
- Der ursprüngliche Artikel wurde hier veröffentlicht
- Dieser Artikel wurde im Podcast KI-Briefing-Daily behandelt. Die Folge kannst du hier anhören.




